Fachkräfte verzweifelt gesucht
#Arbeitsmarkt & Studien | Barbara Oberrauter

Fachkräfte verzweifelt gesucht

Österreichische Unternehmen leiden unter Nachwuchssorgen

Auch wenn Österreich zuweilen als Insel der Seligen bezeichnet wird: Bei der Suche nach Fachkräften hört sich der Spaß auf. Wie eine aktuelle Studie der Manpower Group zeigt, haben knapp 40 Prozent aller österreichischen Arbeitgeber Schwierigkeiten bei Stellenbesetzungen aufgrund des Fachkräftemangels. Damit sind österreichische Arbeitgeber nicht allein: Der globale Durchschnitt an Firmen, die verzweifelt nach neuen Facharbeitern suchen, beträgt 38 Prozent – Tendenz steigend.

Fachkräfte fehlen in vielen Bereichen

Die größten Schwierigkeiten haben Österreichs Arbeitgeber nicht nur in diesem Jahr bei der Besetzung von Facharbeitern, Handwerkern, Technikern und Fahrern, zeigt die Studie. Neu ist hingegen, dass auch Bürokräfte und sowie Pflegepersonal dringend gesucht wird. Und: Auch die Gastronomie leidet unter zu wenig Nachwuchskräften, belegen aktuelle Ergebnisse aus den Bundesländern.

So berichtet etwa ORF.at unter Berufung auf die steirische Wirtschaftskammer, dass immer mehr traditionelle Familienbetriebe unter Nachwuchssorgen leiden. Es sei der Fachkräftemangel, der auch traditionsreiche Familienbetriebe immer öfter dazu zwinge, das Handtuch werfen, sagt Barbara Krenn, Obfrau der Sparte Gastronomie in der Wirtschaftskammer: „Wir haben einfach nicht mehr so viele Kinder, und der größte Teil geht dann in Schulen oder studiert. Es sind sehr wenige, die dann eine Lehre beginnen.“

Nachfolgemanagement: Nicht vorhanden

Ähnliche Probleme plagen Nachwuchsbeauftragte im österreichischen Einkauf, macht eine aktuelle Erhebung des Forums Einkauf und der Unternehmensberatung Penning Consulting deutlich. So glaubt jedes vierte Unternehmen, über keine ausreichend talentierten Mitarbeiter zur Besetzung von Vakanzen in der Einkaufsabteilung zu verfügen. Und 40 Prozent sind der Ansicht, zu wenig dieser Talente an Bord zu haben.

Trotzdem haben neun von zehn Unternehmen bisher kein strukturiertes Nachfolgemanagement aufgebaut, etwa knapp die Hälfte verfügt über kein Entwicklungsprogramm für ihre „High Potentials“. Eine Tatsache, die Erich Pichorner, Managing Director der ManpowerGroup Österreich, Sorgen bereitet: „Alarmierend ist für mich, dass 31% der Befragten derzeit noch keine Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel setzen, obwohl fast jeder zweite heimische Arbeitgeber angibt, Fachkräftemangel wirke sich negativ auf die Befriedung der Kundenbedürfnisse aus.“

Talente identifizieren und aufbauen

Das bestätigen auch Angaben aus anderen Branchen: Fehlen zu viele Fachkräfte, sinkt die Kundenzufriedenheit, so Ergebnisse aus der Manpower-Studie. Zudem wirkt sich das Problem auch negativ auf die Motivation der bereits vorhandenen Belegschaft aus: Sie müssen oft Mehrarbeit leisten und sich entsprechend demotiviert. Ein nicht zu unterschätzender Faktor sind mangelnde Nachwuchszahlen schließlich auch im Wettbewerb: Minimierte Innovationskraft und höhere Kompensationskosten bei gestiegener Mitarbeiterfluktuation gehen ins Geld und sorgen langfristig für Nachteile gegenüber der Konkurrenz.

„Gerade darum ist es wichtig, intern wie extern die richtigen Talente zu identifizieren und langfristig als Leistungsträger aufzubauen“, sagt Stephan Penning, Geschäftsführender Gesellschafter von Penning Consulting. „Unternehmensleitung und Führungskräfte können ihre Mitarbeiter nicht mehr nur auf Basis vorhandener Kompetenzen beurteilen.“ Er rät Unternehmen, Potentiale diagnostisch zu identifizieren und durch langfristige Entwicklungsprogramme weiterzubilden und auszubauen. Denn, so der Experte: „Nur so kann eine möglichst hohe Produktivität der einzelnen Mitarbeiter erreicht werden.“

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.