Nur 21% der österreichischen Unternehmen evaluieren psychische Belastungen
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Evaluierung psychischer Belastungen

Nur 21% der österreichischen Unternehmen evaluieren psychische Belastungen

3,3 Millionen Euro – so viel kosten arbeitsbedingte psychische Belastungen dem österreichischen Staat jährlich. Bereits ein Drittel der Diagnosen, die zu Berufsunfähigkeits- oder Invaliditätspension führen, lassen sich auf solche psychischen Belastungen am Arbeitsplatz zurückführen.

Im ArbeitnehmerInnenschutzgesetzt (ASchG) ist eigentlich eine verpflichtende Evaluierung von Arbeitsplätzen vorgesehen. Darunter versteht man die Ermittlung und Beurteilung von Gefahren durch den Arbeitgeber sowie die Festlegung von Maßnahmen zu ihrer Vermeidung. Arbeitsbedingte physische als auch psychische Belastungen, die zu sogenannten Fehlbeanspruchungen führen, sind demnach zu ermitteln.

Was führt zu arbeitsbedingten Belastungen?

Einerseits körperliche Probleme durch schwere Arbeit, andererseits aber auch Überlastung und Stress führen zu den arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen von denen rund eine Million Menschen in Österreich betroffen sind. Typische arbeitsbedingte psychische Belastungen, die zu Fehlbeanspruchungen führen, stehen häufig mit folgenden Bereichen in Zusammenhang:

  • Arbeitsaufgabe: Art und Umfang der Tätigkeit, fehlende Qualifikation und Erfahrung mit einer Tätigkeit, häufige Arbeitsunterbrechungen, Informationsmangel, monotones Arbeiten
  • Arbeitsumgebung: Gestaltung des biologischen Arbeitsraumes, wie etwa Beleuchtung, Schall, Klima, Raumluft, Schadstoffe sowie soziale Arbeitsumgebung und Betriebsklima, Führungsverhalten, mangelnde Anerkennung durch Vorgesetzten oder Kollegen, Angst vor Arbeitsplatzverlust, isoliertes Arbeiten ohne soziale Kontakte
  • Arbeitsorganisation: Regelung der Arbeitszeit, günstige Pausengestaltung, zunehmender Zeit- und Termindruck, Beschleunigung, Arbeitsverdichtung
  • Arbeitsplatz: Schreibtisch, Bürosessel, günstige Platz- und Sichtverhältnisse
  • Arbeitsmittel: Werkzeuge, Maschinen, Geräte, Hebel, Tastaturen, etc führen zu körperlicher Fehlbeanspruchung

Evaluierung nur von 21% der Unternehmen durchgeführt

Nur 21 % der Unternehmen haben diese vorgeschriebene Evaluierung durchgeführt, bei 24 Prozent ist sie erst in Planung. Dies ergab das Strukturwandelbarometer der AK Wien. Unternehmen müssen in dieser Hinsicht also noch aktiver werden. Schließlich ist die Durchführung der Evaluierung psychischer Belastungen nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern bringt auch viele Vorteile für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer.

„Für die Beschäftigten werden gesunde Arbeitsbedingungen geschaffen, für die Unternehmen entstehen weniger Kosten, da die Zahl der Krankenstände sinkt, die Fluktuation abnimmt und die Produktivität zunimmt“, ist auch AK Präsident Rudi Kaske von der Notwendigkeit der Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz, überzeugt.

Tipps zur Evaluierung

Kostenlose arbeitsmedizinische Begehungen für Betriebe mit über 50 Mitarbeitern können über die Präventionszentren der AUVA in Anspruch genommen werden. Darüber hinaus müssen Betriebe ein Minimum an arbeitsmedizinischer Betreuung in Anspruch nehmen. Jene Arbeitsmediziner bzw. Arbeits- und Organisationspsychologen sind jedoch nicht für individuelle psychologische Betreuungsleistungen zuständig, sondern können viel eher unterstützend bei der Ermittlung psychischer Belastungen mitwirken.

Darüber hinaus können psychische Gefahren am Arbeitsplatz auch durch standardisierte Frageböge erhoben werden. Einen Leitfaden hierfür stellt beispielsweise die Arbeitsinspektion zur Verfügung. In Betrieben mit weniger als 15 Mitarbeitern wird empfohlen psychische Belastungsfaktoren mittels Gruppengesprächen durchzuführen. Hierfür stellt die AUVA einen Leitfaden zur Verfügung.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.