Anreisekosten von potentiellen Bewerbern werden nicht immer rückerstattet.
#HR & Recht | Franz Brandstetter

Ersatz der Vorstellungskosten

so funktioniert's

Muss ein Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch an seinen potentiellen zukünftigen Arbeitsort anreisen und entstehen dem Bewerber daraus kosten, so stellt sich natürlich die Frage, wer diese Kosten zu tragen hat. Für den Arbeitgeber stellt sich die Frage, wie man als Unternehmer positioniert und von Bewerbern gesehen werden möchte (Employer Brand) also, ob man lieber großzügig Kosten refundieren oder einen Kostenersatz von vornherein ausschließen soll.

Sieht man sich am Markt um, so gibt es im Kampf um die besten Bewerber durchaus großzügige Unternehmen, die Vorstellungskosten erstatten. Sie unterziehen die Bewerber zumeist vorab in einem oder mehreren Telefoninterviews einer eingehenden Prüfung. Das Vorstellungsgespräch selbst dient dann tatsächlich eher dem sich gegenseitig kennen lernen und man wird nur mehr in seltenen Fällen abgelehnt. Mancher internationaler Anbieter übernimmt dann auch noch die Hotelkosten für das Wochenende. Andere Unternehmer wollen Vorstellungskosten keinesfalls ersetzen und weisen darauf ausdrücklich hin, etwa mit dem Satz „… falls Ihnen durch die Vorstellung Kosten erwachsen sollten, werden diese von uns nicht ersetzt.“ Nun auch damit ist auch eine klare Position bezogen.

Was aber, wenn weder Arbeitgeber noch Bewerber die Frage der Kostenübernahme angesprochen haben?

Dazu hat der Oberste Gerichtshof in einer schon älteren Entscheidung OGH 9 Ob A 111/89 wie folgt entschieden: „Im geltenden Recht findet sich keine ausdrückliche Regelung über den Ersatz der Vorstellungskosten; auch der Oberste Gerichtshof wurde, soweit überblickbar, mit dieser Frage bisher nicht befasst. Im Schrifttum wird der Anspruch auf Kosten der Auslagen für eine Vorstellung, die aufgrund einer Aufforderung des potentiellen Arbeitgebers erfolgte, im Wesentlichen übereinstimmend bejaht, … Wird der Arbeitnehmer ausdrücklich zur persönlichen Vorstellung durch den Arbeitgeber aufgefordert, so besteht Grund zur Annahme, dass sich der Arbeitgeber stillschweigend zum Kostenersatz verpflichtet hat.“

Dieser Grundsatz gilt nicht, wenn der Arbeitgeber den Ersatzanspruch von vornherein klar ausschließt oder sich ein solcher Ausschluss aus den Umständen, unter denen die Vorstellung erfolgt, ergibt.

Bildnachweis: www.istockphotos.com



Verwandte Artikel






Franz Brandstetter

Dr. Franz Brandstetter bietet als Unternehmensberater Beratung und Coaching rund um alle Fragen der Personalarbeit. Mehr dazu unter www.franzbrandstetter.at