Erreichbarkeit im Krankenstand
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Erreichbarkeit im Krankenstand

Müssen Mitarbeiter im Krankenstand erreichbar sein?

Ein Entscheidung des Obersten Gerichtshofes hat kürzlich die Gemüter erregt. Es ging um zwei Themenkreise, nämlich einerseits um die Frage, was Mitarbeiter während des Krankenstandes tun bzw. nicht tun dürfen und andererseits unter welchen Umständen Mitarbeiter für den Arbeitgeber auch im Krankenstand erreichbar sein müssen.

Rechtliches zum Thema  Krankenstand

Die allgemeinen Rahmenbedingungen für die Beurteilung des Verhaltens des Arbeitnehmers im Krankenstand sind durch die Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs geklärt.

  • Ein Arbeitnehmer muss sich im Falle einer Krankheit und einer dadurch ausgelösten Arbeitsunfähigkeit so verhalten, dass die Arbeitsfähigkeit möglichst bald wiederhergestellt wird und
  • darf die Gebote allgemein üblicher Verhaltensweisen im Krankenstand nicht betont und offenkundig verletzen. Schon die Eignung des Verhaltens, den Krankheitsverlauf negativ zu beeinflussen oder den Heilungsprozess zu verzögern, kann Vertrauensunwürdigkeit begründen und letztendlich zur Entlassung führen.
  • Wesentlich bleibt dabei aber immer, dass das objektiv sorgfaltswidrige Verhalten dem Angestellten auch subjektiv vorwerfbar ist. Dies ist jedenfalls bei Zuwiderhandlungen gegen eine ausdrückliche ärztliche Anordnung der Fall.

Erreichbarkeit im Krankenstand – unter welchen Umständen?

Bei Krankheiten wie Burn-Out muss der Arbeitnehmer für die Bekanntgabe unbedingt erforderlicher Informationen, deren Vorenthaltung zu einem wirtschaftlichen Schaden des Arbeitgebers führen würde, – etwa telefonisch – in einem Ausmaß  zur Verfügung stehen, das ihren Genesungsprozess nicht beeinträchtigt. Dies setzt voraus, dass vom Arbeitgeber konkretisiert wird,

  • um welche Informationen es sich handelt,
  • warum diese nicht anderweitig beschafft werden können und
  • warum aus dem Fehlen der Information ein schwerer wirtschaftlicher Schaden entstehen würde.

An Arbeitnehmer in gehobener Position sind auch in diesem Zusammenhang strengere Anforderungen zu stellen, als an andere Arbeitnehmer. Die Latte liegt für Arbeitgeber also ziemlich hoch, wenn er seine Mitarbeiter im Krankenstand erreichen will. Liegen aber die genannten Voraussetzungen vor, so muss der Mitarbeiter auch während des Krankenstandes Auskunft geben.

Ansonsten regelt das Arbeitszeitgesetz, wann ein Arbeitnehmer erreichbar sein muss, nämlich während der Arbeitszeit. Arbeitszeit ist definiert als die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne die Ruhepausen. Ruhepausen müssen echte Pausen sein und werden deshalb auch nicht bezahlt. Außerhalb der Arbeitszeit liegt es also sowohl am Mitarbeiter, als auch am Unternehmer klare Grenzen zur Erreichbarkeit zu ziehen. Daran sollte sich im eigenen Interesse auch der Arbeitgeber halten, denn der ist schlussendlich für die Einhaltung der Höchstarbeits- und Ruhezeiten verantwortlich.

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