Empowerment für selbstständige Mitarbeiter
#Leadership | Barbara Oberrauter

Empowerment

Selbstständiges Arbeiten fördern mit Empowerment

Manche Unternehmen erinnern an einen Kindergarten: Oben ein Chef, der sagt, was zu tun ist, unten die gesammelte Belegschaft, die auf Anweisungen wartet und diese mehr oder weniger motiviert umsetzt. Ansätze, das zu ändern, gibt es viele. Einer davon ist die Strategie, den Mitarbeitern mehr Autonomie, Entscheidungskraft und Selbstverantwortlichkeit zu übertragen – mit Empowerment.

Was zunächst wie ein Modeschlagwort klingt, hat im Kern einen fundierten Hintergrund: Nämlich all jene Strategien und Maßnahmen, die geeignet sind, den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung im Leben der Menschen zu erhöhen und ihnen zu ermöglichen, ihre Interessen eigenständig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten und zu gestalten. Was in der Theorie einfach und selbstverständlich klingt, ist in der betrieblichen Praxis jedoch nicht immer ganz leicht umzusetzen. Zu eingefahren sind gewisse Abläufe, zu viele Feedbackschleifen, die Ideen an der Umsetzung hindern.

Mitarbeiter mit Empowerment verfügen eigenständig über ihre Ressourcen

Hier setzt das Konzept des Empowerment an: Ausgehend vom Individuum ist damit sowohl der Prozess der Selbstbemächtigung gemeint als auch die professionelle Unterstützung der Menschen, ihre Gestaltungsspielräume und Ressourcen wahrzunehmen und zu nutzen. Selbstbestimmte und verantwortliche Mitarbeiter bekommt man jedoch nicht über Nacht: Gut geplante Empowerment-Konzepte sehen eine schrittweise Erhöhung der Kompetenzen und Verringerung der hierarchischen und bürokratischen Hürden vor, bis die Wege schlussendlich wirklich kürzer werden und die Kommunikation einfacher verläuft.

Besonders wichtig ist die offene Verfügbarkeit von Informationen. Mit einer offenen Kommunikation zur wirtschaftlichen Lage und zur Performance des Unternehmens wird Mitarbeitern das Verstehen von Politik und Strategie des Unternehmens erleichtert und die Selbstkontrolle erst ermöglicht. Dafür braucht es klare Visionen: Gemeinsam sollten diese in Meilensteine übersetzt und die Wege dahin definiert werden. Auch neue Regeln für die Entscheidungsfindung sowie Empowerment-orientierte Richtlinien für das Management unterstützen Mitarbeiter dabei, sich vom Befehlsempfänger zum eigenmächtigen Subunternehmer zu wandeln.

Führungskräfte: Mut zum Machtverlust

Dabei spielen Führungskräfte eine große Rolle: Sie müssen neben dem Verlust der vollständigen Kontrolle auch Mut zur Veränderung mitbringen und lernen, mit Fehlern des Teams produktiv umzugehen. Das erfordert Mut: Nicht jede Führungskraft ist mit flachen Hierarchien zufrieden und fühlt sich dabei wohl, wenn Mitarbeitern die Möglichkeit zur Partizipation an Entscheidungen an die Hand gegeben wird. Nicht zuletzt deshalb sollten umfassende Empowerment-Strategien bei der Implementierung stets begleitet werden, um Missverständnisse und Unvereinbarkeiten bereits im Vorfeld aufzufangen und alltagstaugliche Lösungen zu finden.

Hier kommt das Personalmanagement ins Spiel: Mit Know-How in Change-Prozessen und dem Einfühlungsvermögen in die Wünsche, Sorgen und Bedürfnisse der Belegschaft können HR-Spezialisten einen Großteil dazu beitragen, dass Projekt „Empowerment“ auf Schiene zu halten und zum Erfolg zu führen. Durch Schulungen und Coachings können sie Führungskräfte von den Vorteilen des Empowerment überzeugen und Unternehmensstrategien auf ein Umfeld hin ausrichten, das Mitarbeiter fördert und das Verständnis von Kundeninteressen fordert. Nicht zuletzt ist auch die Personalentwicklung in Richtung unternehmerischen Denkens auszurichten: Das interne und externe Verhalten von Mitarbeitern kann und soll auf die Eigenverantwortung und Initiative einzelner Personen ausgerichtet und damit die Gestaltungsräume geöffnet werden.

Neue Aufgaben für Personalmanager

Auch bei Rollenkonflikten kann die Personalabteilung steuernd eingreifen und die Wogen glätten: Wenn einzelne Mitarbeiter plötzlich Führungsverantwortung übernehmen und Führungskräften ihre „Schäfchen“ abhandenkommen, geht das nicht immer reibungslos über die Bühne. Das Besprechen und die Neudefinition von Rollen kann daher ebenso ein Thema sein wie die gemeinsame Überlegung von Zielen zur Personalentwicklung ? diese ist und bleibt Aufgabe von Führungskräften, die ihre Mitarbeiter bestmöglich für das Bestehen als autonome Arbeitseinheit stärken wollen.

Auch auf Verwaltungsebene führt Empowerment zu mehr Selbstständigkeit im Arbeitsalltag: Immer mehr HR-Prozesse werden via Employee Self Service und Management Self Service Potential an die einzelnen Mitarbeiter übergeben und die Datenpflege somit vereinfacht. Webbasierte Anwendungen ermöglichen eine kostensparende Automatisierung von Routineaufgaben. Gerade für kleinere Unternehmen stellt dies nicht nur eine Möglichkeit dar, wertvolle HR-Ressourcen sinnvoller einzusetzen, sondern bietet dem Einzelnen auch die Möglichkeit, selbst für seine Daten zu sorgen.



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.