Employer Branding für KMU
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Employer Branding für KMU

Der Mittelstand als attraktiver Arbeitgeber

Die eigene Marke als Arbeitgeber stärken: In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel wichtiger denn je. Vor allem Klein- und Mittelunternehmen müssen für Nachwuchstalente interessant bleiben, um dem Personalengpass vorzubeugen. Warum Employer Branding hierzulande oft immer noch falsch verstanden wird und wie KMU zu attraktiven Arbeitgebern werden, verrät Wolfgang Immerschitt, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Plenos, im Interview mit JOBnews.at.

JOBnews.at: Herr Immerschitt, welche Probleme stellen sich speziell für öst. KMU hinsichtlich Employer Branding?

Wolfgang Immerschitt: In der Beratung stellen wir fest, dass sich die meisten KMU in Österreich mit dem Thema Employer Branding nicht auseinandersetzen, und wenn, dann nur rudimentär und von der Seite des Recruitings her. Die Onboarding-Phase und die Mitarbeiterbindung werden völlig außen vor gelassen. Oft herrscht auch die Meinung vor, wenn ich mit einem Mitarbeiter Schwierigkeiten habe, hole ich mir einfach einen neuen Mitarbeiter. Laut AMS haben in Österreich allein im letzten Jahr 1,3 Millionen unselbstständig Beschäftigte den Arbeitsplatz gewechselt. Das ist eine gewaltige Fluktuationsrate von 30 Prozent. Da muss man sich schon Gedanken machen, wie man die Mitarbeiterbindung verbessern kann.

Warum ist das Thema Employer Branding bei heimischen KMU noch nicht angekommen?

Employer Branding für KMU

Herr Immerschitt zum Thema Employer Branding für KMU

Das liegt zum großen Teil daran, dass der Druck vom Arbeitsmarkt her momentan nicht so groß ist, wie er in Zukunft sein wird. Die Demografie spielt den Unternehmen nicht in die Karten. Wir werden auch eine gesteigerte Nachfrage aus Deutschland erleben, weil dort die Situation schon viel dramatischer ist als in Österreich. Aber auch bei uns gibt es jetzt schon Mängel, vor allem in MINT-Berufen, im Bereich des Gesundheitswesen und im Dienstleistungsbereich. Wenn Sie für solche Positionen außerhalb ihre direkten Wirkungskreises rekrutieren wollen, müssen Sie eine Rundumbetreuung bieten.

Welche Maßnahmen können KMU setzen, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben?

Grundsätzlich brauchen KMU keine komplizierten Maßnahmen. Entscheidend wäre, dass sie sich überhaupt einmal bewusst werden, was sie jetzt schon leisten. Gerade kleine Unternehmen neigen dazu, immer einen Scheffel zu finden, unter den sie ihr Licht stellen können. Viele KMU behaupten von sich, sie sind keine Marke, weil sie sich mit großen Konzernen vergleichen. Bei genauer Analyse findet man aber viele Ansätze, die KMU durchaus als Arbeitgeber sehr gut positionieren könnten. Da muss man die Erfolgsfaktoren und Alleinstellungsmerkmale mehr herauskitzeln. Der Systemfehler von KMU ist, dass sie ihre Vorteile nicht gezielt als Arbeitgeberinformation darstellen und Argumente, die für sie sprechen, einfach unterschlagen.

Was können KMU für sich ins Treffen führen?

Unsere Befragungen haben ergeben, dass die Menschen etwas tun wollen, was ihnen Spaß macht, gesellschaftlich sinnvoll ist und Stolz erzeugt. Das kann ein KMU durchaus erfolgreich darstellen. Da brauche ich keine Milliarden, das kann ein Installateur auch, er muss nur den Erfolg nach außen vermitteln. Auch der Teamfaktor in KMU ist ein wertvolles Argument: Neben kurzen Wegen und flachen Hierarchien gibt es oft auch ein sehr viel stärkeres Zusammenhaltsgefühl als in Großkonzernen. Ein weiteres ganz wesentliches Argument gerade für den ländlichen Raum ist, dass ich dort arbeiten kann, wo ich zu Hause bin. Ich muss nicht jeden Tag pendeln oder womöglich die ganze Woche woanders verbringen.

Wo bringen KMU diese Argumente denn am besten unter?

Man muss die Kontaktpunkte im gesamten Spektrum der Marke nutzen. Das beginnt beim Recruiting: Sie überlegen sich, wie Sie sich auf Ihren Recruiting-Plattformen am besten präsentieren. Viele Karriereseiten kommen nach wie vor sehr lieblos daher und liefern Arbeitnehmern nur wenige Informationen. Auch ein gutes Onboarding ist wichtig. Das kann durch die Übergabe eines fix fertigen Arbeitsplatzes mit allen eingerichteten Zugängen passieren, durch gute Informationsunterlagen oder durch einen Coach, den man dem neuen Mitarbeiter an die Seite stellt. Wichtig ist, dass die Leute sich gut abgeholt fühlen.

Und nach dem Firmeneintritt?

In der Bindungsphase geht es neben der Unternehmenskultur über Mitarbeitergespräche bis hin zu Überlegungen, was man mit jemandem macht, der aus dem Betrieb ausscheidet. Wir haben festgestellt, dass sich viele Unternehmen gar nicht mit dem auseinandersetzen, was ihren Mitarbeitern Sorgen macht. Hier einmal nachzufragen, wo der Schuh drückt, wäre ein erster Anfang, um Anhaltspunkte für Employer-Branding-Maßnahmen zu erheben. Sehr vieles, was im Employer Branding passieren kann, hat damit zu tun, dass ich mir Gedanken mache, was ich tun kann, und nicht, dass ich Geld in die Hand nehme. Der Faktor Geld spielt bei der Investition in Bindungsmaßnahmen eine Rolle. Aber es rechnet sich hundertfach, wenn gute Leute ein paar Jahre länger bleiben.

GEWINNSPIEL – Wir verlosen drei Bücher:

Immerschitt, Wolfgang/ Stumpf, Marcus: „Employer Branding für KMU. Der Mittelstand als attraktiver Arbeitgeber“ Springer 2014, 263 Seiten, 39,99 Euro. ISBN 978-3-658-01204-5.

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Bildnachweis: www.thinkstock.de



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