Employer Branding best practice
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Employer Branding #1

Best Practice aus Österreich

Arbeitgeber gibt es viele. Wer sich am heiß umkämpften Markt der Talente besonders gut positionieren will, braucht neue Ideen, durchdachte Konzepte und außergewöhnliche Maßnahmen. JOBnews.at stellt Ihnen in dieser Serie österreichische Unternehmen vor, für die Employer Branding mehr ist als eine bloße Marketing-Maßnahme. Mario Debout, Geschäftsführer der Werbeagentur Robin des Bois in Wien, über soziales Engagement, Mitbestimmung der Mitarbeiter und eine Arbeitgebermarke, die für sich steht.

JOBnews.at: Herr Debout, was bedeutet Employer Branding für Sie persönlich?

Mario Debout: Für mich ist Employer Branding auch immer ein bisschen ein Schlagwort. Grob gesagt geht es aber darum, die Werte des Unternehmens auch bei den Mitarbeitern zu leben und zu spüren. Das kann je nach Größe des Unternehmens schwierig sein. Bei uns als kleiner Firma ist das um einiges einfacher.

Auf welchen Grundlagen baut Employer Branding für Sie auf?

Die Unternehmenskultur ist extrem wichtig. Sobald die Mitarbeiter das Gefühl haben, dass Employer Branding nur eine Hülle ist oder etwas, das man für Werbezwecke nach außen kommuniziert, wird das innen extrem kritisch betrachtet. Und wehe das wird nicht gelebt! Das kann extrem ins Auge gehen. Wenn ich dort arbeite, und man hört immer, wie super das alles bei uns ist, aber ich spür nix davon, komm ich mir gefrotzelt vor.

Wie setzen Sie diese Beobachtungen in Ihrer Unternehmenskultur um?

Werbeagentur Robin des Bois

Employer Branding best practice – Robin des Bois im Interview

Wir haben vier Säulen definiert, die unsere Grundlagen ausmachen. Zum einen sind das die Kreativität und die Qualitätsmerkmale, die wir im Sinne unserer Tätigkeit haben. Die zweite Säule ist unser soziales Engagement: Bei uns wird der Auftraggeber sozusagen zum Robin Hood. Zusätzlich zu der Leistung, die der Kunde bei uns zu 100 Prozent bekommt, setzen wir noch 20 Prozent Leistung für soziale Unternehmen drauf. Wir versuchen unser Know-How und unseren Erfahrungsschatz weiterzugeben. Das kann in Form einer Website sein, eine social Media Strategie, ein Folder oder ein Plakat – was auch immer in der Kommunikationsarbeit der Sozialkunden gerade gebraucht wird.

Der Name „Robin des Bois“ ist also Programm?

Auf alle Fälle. Wir wollten eine Marke kreieren. Wie wir uns den Markt angeschaut haben, haben wir entdeckt, dass Kommunikationsmarken sehr austauschbar sind. Eine Marke muss aber für etwas stehen und etwas aussagen. Das wird gerade im Kreativbereich nicht unbedingt gelebt. Man weiß oft nichts über das Team hinter dem Namen. Bei uns ist die Firma um ein festes Team herum gegründet worden, das schon lange zusammenarbeitet, und hinter unserem Firmennamen steht eine Philosophie, die wir im täglichen Arbeitsalltag auch umsetzen.

 

„Wenn ich dort arbeite, und man hört immer, wie super das alles bei uns ist, aber ich spür nix davon, komm ich mir gefrotzelt vor.“

 

Sie haben vorhin vier Säulen erwähnt.

Neben dem Qualitätsanspruch an unsere Arbeit und dem sozialen Engagement versuchen wir das, was wir nach außen hin leben, auch an unsere Mitarbeiter weiterzugeben. Wir haben einen Betriebsrat namens Bruder Tuck, der mit 25 Prozent Anteilshaber der Firma ist und damit auch ein Veto-Recht hat. Wenn den Mitarbeitern etwas überhaupt nicht passt, muss also darüber verhandelt werden. Zusätzlich, und das ist die vierte Säule, sind die Mitarbeiter bei jedem Auftrag mit zehn Prozent am Gewinn beteiligt. Am Ende des Jahres kann das Team gemeinsam entscheiden, was mit dem Geld passiert: Ob sie jetzt auf eine gemeinsame Reise fahren, sich das Geld auszahlen oder es einer einzelnen Person geben, die gerade einen privaten Notfall, da mischen wir uns als Unternehmensführung nicht ein.

Das heißt, die Mitarbeiter können den Kurs des Unternehmens maßgeblich mitbestimmen?

Auf jeden Fall. In unserer Branche wird mit Mitarbeitern oft extrem schlecht umgegangen. Trotz hohem persönlichen Einsatz sind die Gehälter oft sehr niedrig, wir haben zum Teil extrem hohe Arbeitsstunden und ein hohes Engagement, das nicht anerkannt oder gar abgegolten wird. Wir versuchen mit unserem Konzept, hier einen Ausgleich zu schaffen und auf die Wünsche der Mitarbeiter einzugehen. Ganz wichtig ist auch, dass man als Geschäftsführer mit gutem Beispiel vorangeht und das soziale Verständnis im Alltag auch lebt. Das ist bei großen Unternehmen mit mehreren Managementebenen natürlich schwieriger als in unserem kleinen Team.

Das Unternehmen als Familie?

Wir haben relativ flache Hierarchien, unsere Leute verbringen teilweise auch die Freizeit miteinander oder fahren zusammen auf Urlaub. In der Firma haben wir versucht, gemeinsam ein Umfeld zu schaffen, wo sich jeder wohlfühlen und entfalten kann – vom 21-jährigen Bachelor bis hin zum 50-jährigen Partner. Es gibt bei uns Gleitzeit, man kann von zu Hause arbeiten, wenn man will, wir versuchen, so flexibel wie möglich zu sein. Vieles davon kommt auch von den Mitarbeitern selber, die sich an den Betriebsrat wenden und der kommt dann auf uns zu. Gemeinsam steckt man dann Richtlinien ab und macht ein paar Probeläufe, und wenn dann alles passt, kann man relativ rasch neue Maßnahmen implementieren.

Wo sehen Sie noch Schwachstellen in Ihrem Employer Branding-Konzept?

Das Problem bei uns sind vielleicht die hohen Erwartungen. 20 Prozent sind ganz ordentlich, wenn wir diese Ziele nicht erfüllen, stehen wir eigentlich wieder auf einer Linie mit den Konkurrenten. Wenn wir von unseren Grundwerten im Management abrücken, wir es kritisch. Man muss da schon sehr dahinter sein, dass man diese Werte nicht außer Acht lässt bei all dem, was man als Unternehmen tut.

Wozu braucht eine Firma wie Sie überhaupt Employer Branding? In der Kreativbranche herrscht doch wahrlich kein Fachkräftemangel.

Natürlich sind wir in einer privilegierten Position, dass der Arbeitsmarkt sehr eng ist und wir sehr viele Bewerbungen bekommen, auch aus dem Ausland. Uns ist es aber trotzdem wichtig, eine Arbeitgebermarke zu schaffen, weil unsere Branche sehr hart ist und extrem viel Einsatz von jedem Einzelnen verlangt. In der Hinsicht ist es wichtig, dass man als Marke und Unternehmen gut dasteht, weil jeder, der in der Kommunikationsbranche tätig ist, gerne wo arbeitet, wo es modern und cool ist. Als Dienstleistungsunternehmen geht bei uns Consumer Brand und Employer Brand auch Hand in Hand: Die Kunden haben immer mit Persönlichkeiten zu tun. Genauer gesagt mit den Robins: Den Robins von RDB.

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