Emtionen in der Personalarbeit
#Work & Life | Barbara Oberrauter

Emotionen in der Personalarbeit

So unterstützen Emotionen die eigene Personalarbeit

Der Mensch ist ein Gefühlswesen – auch in der oft sehr rationalen Arbeitswelt. Das sollten Personalverantwortliche und Führungskräfte bedenken, wenn sie mit Mitarbeitern umgehen. Wie sie auf die Emotionen ihrer Belegschaft achten und was gefühlvolle Unternehmen ausmacht, erzählt der Therapeut und Autor Udo Baer exklusiv im Interview mit JOBnews.at.

JOBnews.at: Herr Baer, warum sind Emotionen in der Personalarbeit überhaupt ein Thema?

Udo Baer: Die Personalarbeit hat mit Menschen zu tun, und Menschen sind immer voller Emotionen. Wenn jemand zum Personalverantwortlichen geht und seinen Arbeitsvertrag ändern möchte oder eine Gehaltserhöhung will, spielt zum Beispiel Angst eine Rolle, Sehnsucht, Selbstsicherheit oder Unsicherheit. Gefühle sind immer da, ob man sie sieht und drauf eingeht oder nicht. Und: Gefühle sind oft wichtiger als Argumente und Sachfragen, weil sie oft wie ein Subtext unter dem liegen, was besprochen wird.

Wie merkt man, dass bei einem Gespräch starke Gefühle im Spiel sind?

Man merkt das oft eher daran, wie etwas gesagt wird, als was gesagt wird. Es kann zum Beispiel sein, dass jemand auf der sachlichen Ebene sehr forsch ist, Klang und Blick aber nicht damit übereinstimmen. Wenn das nicht stimmig ist, stellt sich beim Gegenüber kein Gefühl der Kohärenz ein. Solche Sachen sollte man sehr ernst nehmen, weil das ein Hinweis auf einen Widerspruch innerhalb der anderen Person sein kann. In so einem Fall sollte man die eigenen Gefühle ernst nehmen und fragen, was eigentlich los ist.

Wie ist das mit den eigenen Gefühlen? Wie gehe ich damit um?

In personalverantwortlicher Rolle ist es natürlich schwierig, eigene Gefühle zu zeigen. Im Business ist der allgemeine Code, dass man sachlich miteinander umgeht. Das ist auch nützlich: Sogar wenn man voller Hass ist oder Rache üben will, geht man immer noch zivilisiert miteinander um. Es gibt aber trotzdem immer wieder Situationen, wo ich selber voller Gefühle bin, zum Beispiel bei privaten Problemen oder Sorgen. In einem Gespräch sollte ich daher gleich am Anfang erwähnen, dass ich mit einem Teil meiner Gedanken wo anders bin. Dann weiß mein Gegenüber, dass die derzeitigen Emotionen nicht mit ihm zu tun haben.

Wie können Personaler und Führungskräfte emotional schwierige Situationen im Berufsleben bewältigen?

Da gilt die Grundregel: Wenn etwas sehr stark ist, sollte man das auch ausdrücken. Wenn ich zum Beispiel jemanden entlassen muss, ist das keine einfache Situation. Da kann man durchaus sagen, mir fällt das schwer, was ich tun muss, da bin ich aufgeregt oder auch traurig. Wichtig ist, dass alle Gefühle, die gezeigt wird, auch wirklich stimmen – also nichts aufgesetzt ist.

Gibt es bestimmte Gefühle, die im Berufsalltag Schaden anrichten können?

Drei große Gefühlsgruppen spielen da eine Rolle. Zum einen Eifersucht und Neid, wenn man andere niedermacht, um das eigene Selbst zu erhöhen. Das zweite große Gefühl ist heruntergeschluckter Ärger. Das beeinflusst den Tonfall der Kommunikation und sabotiert Arbeitsbeziehungen. Das dritte ist eine Art Gefühllosigkeit: Wenn ich ständig überhört werde oder mein Blick nicht erwidert wird, tut das weh. Im wiederholten Fall kann sich das Gefühl festsetzen, dass ich es nicht wert bin, gesehen, gehört zu werden. Damit schleicht sich eine Art Minderwertigkeit ein, die sich in innere Emigration, Hass, Selbstzweifel oder auch eine Art Betäubung umwandeln kann.

Wie können Führungskräfte und Personaler verhindern, dass Emotionen im Alltag überhand nehmen und den Betrieb schlimmstenfalls lahmlegen?

Indem sie die Emotionen an- und ernst nehmen und ausgewählt in die Arbeitsbeziehungen bringen. Wenn ich mich Gefühlen nicht stelle, gewinnen sie Macht über mich. Das Wichtigste ist daher, möglichst konkret und differenziert Rückmeldungen zu geben. Außerdem sollte man Konflikte ansprechen, auch wenn man das Gefühl hat, dass es eigentlich zu spät dafür ist. Wenn etwas nachhängt, ist es besser, das ans Tageslicht zu bringen, sonst sammelt sich der nächste Ärger drauf und das Ganze explodiert dann irgendwann.

Wie bringt man die Mitarbeiter dazu, mehr Emotion zu zeigen?

Das wichtigste beim Thema Gefühle ist, ein Vorbild zu sein. Da sind vor allem Führungskräfte gefragt. Wenn ich immer nur das strenge und coole, unberührbare Image nach außen trage, kann ich von den Mitarbeitern nichts anderes erwarten. Es ist völlig in Ordnung, wenn sich ein Chef mal ärgert oder freut. Wichtig ist auch die Frage, wen meiner Mitarbeiter ich fördere: Unterstütze ich ehrliche Leute, die auch mal Mist machen, oder jene, die mir nur nach dem Mund reden?

Haben eigentlich auch Unternehmen Gefühle?

Buch der Gefühle

Udo Baer/ Gabriele Frick-Baer schreiben über Gefühle

Vielleicht weniger Gefühle an sich, aber auf jeden Fall eine emotional geprägte Atmosphäre. Die kann man nicht verordnen oder mit Betriebsausflügen erreichen. Das sind viele kleine Dinge im gelebten Alltag, den Mitarbeiter, Führungskräfte und Personalverantwortliche jeden Tag miteinander gestalten.

Buchtipp:

Gabriele Frick-Baer / Udo Baer: „Das große Buch der Gefühle“

Beltz Verlag, 1. Auflage (2014)
360 Seiten, 22,95 Euro
ISBN: 978-3-407-85846-7

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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.