downshifting
#Work & Life | Daniela Schlick

Downshifting

Freizeit schlägt Geld

Das Modell der Wahlmöglichkeit zwischen Gehaltserhöhung oder mehr Freizeit entstand im Industriesektor und war ursprünglich für die „Generation Gold“ gedacht. Langgediente Mitarbeiter sollten vor dem Pensionsantritt einen Gang zurück schalten können. Die meisten Downshifter sind – laut im Profil zitierter AK-Studie –  heute allerdings bei den 30- bis 40 jährigen Männern zu finden. Die Frage nach Arbeitszeitverkürzung wird immer früher gestellt, sogar für Berufsanfänger hat freie Zeit häufig mehr Reiz als ein hohes Gehalt.

Sehnsucht nach Work-Life Balance generationsübergreifend

Claudia Kernstock, Head of HR & Hospitality beim Instititut of Science and Technology Austria, berichtete im Rahmen des abz*austria Business Frühstücks zum Thema Generationenmanagement  über ihre Erfahrungen zum Thema Downshifting.  Sie weiß, dass sich die junge Generation vor allem ein sinnstiftendes Arbeiten wünscht und Beruf und Familie gut verbinden möchte. „Die jüngere Generation hat sehr früh erkannt, dass sie die vielzitierte Work-Life Balance brauchen, aber schließlich konnten sie auch schon von den Erfahrungen der anderen Generationen lernen“, meint Kernstock. „Im Wesentlichen gleichen sich die Bedürfnisse der heute über 50-Jährigen und der jungen Generation sehr stark an, gefragt sind flexiblere Arbeitszeiten, mehr Zeit für Erholung und Auszeiten“, so Kernstock weiter.

Traditionelle Anreizsysteme nutzlos

Der Wertewandel rückte nicht zuletzt durch die Trends Globalisierung, Demografie und Digitalisierung in den Mittelpunkt des Interesses. Er hat Folgen für die gängige Personalpolitik in vielen Firmen, denn er steht in Opposition zur hohen Bewertung von Geld und Titeln.  Unternehmen reagieren dennoch zurückhaltend. Etwa die Hälfte der Beschäftigten aller Branchen, die beruflich kürzer treten wollen, scheitert am Veto der Geschäftsleitung. Dabei wird es für Unternehmen weder teurer, noch müssen in der Regel zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden. Dafür sind in den mutigen Unternehmen positive Effekte auf die Motivation, Mitarbeiterbindung und Produktivität der Mitarbeiter zu verzeichnen.

Anwesenheit ist gleich Leistung?

Leistungsträgern fehlt immer häufiger das Verständnis für die Betrachtung ihrer Performance in den Unternehmen. Dem Input wird zumeist höchstes Augenmerk geschenkt, der Effizienz und Effektivität auf der Output-Seite hingegen nicht. Das Gros der Arbeitnehmer ist bereit sich für herausfordernde, sinnstiftende Aufgaben voll zu engagieren. Im Gegenzug wollen sie aber mit derselben Selbstverständlichkeit Auszeiten nehmen können.

Dort wo die Balance zwischen Arbeit und Freizeit nicht stimmt, zu hohe Arbeitsbelastung und Stress oder die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust herrscht, verlassen Arbeitnehmer heutzutage das Unternehmen schneller aus freien Stücken als noch vor ein paar Jahren.  Österreich ist bei der Diskussion über Arbeitszeitverkürzung aus der Übung. Vielleicht ist die Trendumkehr im Fluktuationswachstum ein Anreiz?

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Daniela Schlick

Daniela Schlick ist seit zwanzig Jahren mit Begeisterung in beratender Funktion tätig. Sie arbeitete als Personalberaterin in renommierten Personalberatungsunternehmen und als Recruiterin & Karriereredakteurin ehe sie 2008 ihr eigenes Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt werteorientierter Personaldiagnostik gründete. Seit 2011 ist sie zudem Vortragende zu verschiedenen HR-Themen: www.danielaschlick.at