Digitalisierung
#Leadership | Andrea Heider

Digitale Disruption: aus alt mach neu

Leadership Report 2016

„Die digitale Revolution trifft ins bürgerliche Herz der Gesellschaft, denn sie betrifft nicht nur einzelne Berufsfelder, sondern alle.“ Franz Kühmayer, Management-Experte und Zukunftsforscher.

Digitale Disruption –  Wenn wir von disruptiver Technologie sprechen, meinen wir Innovationen, die bestehende Technologien, Produkte, Dienstleistungen, ja, sogar ganze Märkte umwerfen und schlimmsten oder besten Falles vollständig ersetzen. Aus alt mach neu. Diese Entwicklungen kommen meist überraschend und unerwartet. Disruption, das bedeutet auch, das Unbequeme zuzulassen, aus ihm zu lernen und besten Falles gestärkt aus der Situation hervorzugehen.

Das klassische Beispiel für eine digitale Disruption ist die Internetplattform airbnb, auf der Ferienwohnungen, Häuser und Zimmer an Privatpersonen zur Miete vermittelt werden. Vor allem Hoteliers fühlen sich dadurch in ihrem Kerngeschäft bedrängt. Denn private Unterkünfte sind meist günstiger als ein teures Zimmer in einem Hotel. Um zu überleben, muss nun die gesamte Hotelier Branche umdenken. Die Digitalisierung bringt nachhaltige Veränderungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Arbeitswelt mit sich. Allerdings ist sie auch einer der wichtigsten Treiber der Wirtschaft.

Phasen der Digitalisierung

Was zeichnet eine zukunftsfähige, digitale Organisation aus? Welche Herausforderungen und Chancen warten auf Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter? Franz Kühmayer, Gründer Zukunftsinstitut Österreich und Vordenker der neuen Arbeitswelt, liefert Antworten auf diese Fragen im „Leadership Report 2016“. Er beschreibt die digitale Revolution in drei Phasen:

  1. Phase 1: In der Phase des Austausches werden Abläufe und Produkte von analoger in die digitale Form überführt.
  2. Phase 2: In der Phase der Transformation werden bisher gültige Erfolgsfaktoren einer Branche durch Informations- und Kommunikationstechnologien obsolet.
  3. Phase 3: In der Phase der Disruption werden ganze Geschäftsmodelle durch den digitalen Wandel auf den Kopf gestellt.

Trends im Leadership

Führungsstile, die in erster Linie auf Kontrolle setzen, um Stabilität zu schaffen, werden in dieser neuen Gesellschaft nicht überleben. Kühmayer ist viel eher überzeugt, dass Führungskräfte vor allem eines brauchen: Mut, Richtungen vorzugeben und Bereitschaft, die Zukunft aktiv zu gestalten. Mitarbeitern muss dabei Raum und Eigenverantwortung übergeben werden. Jeder wird zum Chef. Gefragt sind Querdenker und Personen, die gegen den Strom schwimmen. Im Leadership Report werden folgende Trends beschrieben:

  1. Crazy Responsibility: Gefragt sind Querdenker und Personen mit verrückten Ideen. Ecken und Kanten stehen vor gleichförmiger Beliebigkeit und langweiligem Durchschnitt. Verrückte Leadership statt starrem Management ist die Devise. Führungskräfte sind gefragt, ein Klima zu schaffen, in dem die Zukunft spannend und nicht bedrohlich wirkt.
  2. Enabling Leadership: Räume öffnen und Chancen schaffen ? das ist die große Herausforderung für künftige Chefs. Es geht weniger ums Steuern, sondern viel eher darum zu navigieren. Leadership darf nicht länger als Joblevel oder Hierarchiestufe verstanden werden. In kooperativen Strukturen rücken Mitarbeiter ins Zentrum des Unternehmens. Jeder wird sein eigener Chef.
  3. Antiwork: Diese moralische Alternative zur gegenwärtigen Job-Obsession stellt Arbeit von Grund auf in Frage. Vor allem die Generation Y sind Antiworker. Für sie zählt Sinnhaftigkeit mehr, als Gewinnmaximierung. Schlagworte wie Sharing Economy, Social Entrepreneurship oder Coworking liegen im Trend. Durch selbstbestimmtes Arbeiten wird Verantwortung übernommen. Das Konzept der totalen Arbeitsverweigerung birgt auch die Chance, Arbeit wieder zu einer ganzheitlichen Tätigkeit werden zu lassen.

Digital Impact

Die Erfindung der Dampfmaschine und der Eisenbahn haben dazu geführt, dass eine völlig neue Gesellschaft aus Bourgeoisie und Proletariat entstanden ist. Kühmayer ist überzeugt, dass auch die zunehmende Digitalisierung neue soziale Strukturen entstehen lassen wird. Technologien ändern sich und Menschen – Bürger, Konsumenten, Mitarbeiter und Führungskräfte -, die sie nutzen, ebenfalls.

Kühmayer ist überzeugt, dass wir erst am Anfang der Digitalisierung stehen. In der bevorstehenden 4. Phase, wird Science Fiction bereits unseren Alltag bestimmen. Gefordert ist daher ein politischer Diskurs darüber, wie die grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Revolution, in eine für die Gesellschaft positive Zukunft lenken.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.