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#Trends im Recruiting | Barbara Oberrauter

Die Zukunft im IT-Recruiting

Allen Unkenrufen zum Trotz bleiben Stellenanzeigen im IT-Recruiting unverzichtbar – zumindest, was den Aufbau einer positiven Arbeitgebermarke betrifft.

Für ein erfolgreiches IT-Recruiting sollten Unternehmen aber zusätzlich auf innovative Bereichsangebote setzen, rät Personalberater und IT-Recruitingexperte Frank Rechsteiner.

Personalanforderungen allgemein formulieren

„In Stellenausschreibungen formulieren Arbeitgeber Forderungen an die Arbeitnehmer. Wer diese nicht erfüllen kann, bewirbt sich nicht, auch wenn er prinzipiell gut zum Unternehmen passen würde“, beschreibt Rechsteiner das Problem. Doch können sich die Unternehmen ein solches „K.o.-Prinzip“ künftig kaum mehr leisten, da es ihnen an qualifizierten Bewerbern mangelt.

Statt für Vakanzen nach geeigneten Kandidaten zu suchen, sollten die Unternehmen ihre Personalanforderungen allgemeiner formulieren und einem breiten Interessentenkreis zugänglich machen: Etwa in Form von Bereichsangeboten. Diese Angebote bündeln bewerberrelevante Informationen aus den einzelnen Teams und Fachabteilungen. Ganz oben stehen die fachlichen und geschäftlichen Ziele, die in einem definierten Zeitraum verfolgt werden sollen.

Fachbereiche zeigen Perspektiven auf

Ein Beispiel dafür bietet ein Fachbereich eines IT-Beratungshauses, der sich in den kommenden fünf Jahren zum führenden SAP S/4HANA-Experten für mittelständische Fertigungsbetriebe entwickeln will. Dazu listet das Bereichsangebot auch die erforderlichen Projekte und Maßnahmen auf.

Die Bewerber erfahren auf diesem Weg, welche Kompetenzen und Erfahrungen der Fachbereich benötigt, um seine Ziele umsetzen zu können: Neben dem entsprechenden Technologie- und Prozess-Know-how sind Marktkenntnisse, Durchsetzungskraft und Stressresistenz gefragt.

Zudem können die Interessenten abschätzen, welche Aufstiegsmöglichkeiten sich ihnen bieten, wenn der Fachbereich zum Marktführer in seinem Segment avanciert. Während in den meisten Stellenanzeigen stereotyp von „guten Entwicklungschancen“ zu lesen ist, zeichnet das Bereichsangebot konkrete Karrierepfade vor.

Kandidaten wollen klare Aussagen

Zudem fließen Informationen zur Arbeitskultur in dem SAP-spezialisierten Fachbereich ein: Wird trotz aller Wachstumspläne auf Work-Life-Balance geachtet oder müssen sich die Mitarbeiter auch auf Nacht- und Wochenendschichten einstellen? Welche Werte und Normen stehen im täglichen Umgang mit Mitarbeitern, Partnern und Kunden ganz oben? Herrscht ein familiäres Arbeitsklima oder eher professionelle Distanz?

„Nur wer klare Aussagen dazu macht, kann neben der fachlichen Eignung von Kandidaten auch die kulturelle Passung – den Cultural Fit also – sicherstellen“, erklärt Frank Rechsteiner. Ansonsten drohen den Unternehmen kostspielige Fehlbesetzungen und eine hohe Personalfluktuation, da viele Arbeitnehmer eine nicht passende Arbeitskultur zum Anlass für einen Jobwechsel nehmen.

Content und Influencer Recruiting integrieren

Noch mehr Wirkung entfalten Bereichsangebote, wenn sie Content- und Influencer-Recruiting-Elemente integrieren, etwa in Form von Blog Posts, Infografiken, Videos, Studien, Experteninterviews und Gewinnspielen. So machen Arbeitgeber ihre Bewerber mit informierendem, beratendem und unterhaltendem Content auf sich aufmerksam.

Beim Influencer Recruiting wirken die eigenen Mitarbeiter als Markenbotschafter und sprechen im Rahmen von Bildmotiven, Interviews oder Videos Empfehlungen für ihren Arbeitgeber aus. Werden auf diese Weise zum Beispiel positive Statements zur Familienfreundlichkeit eines Arbeitgebers abgegeben, wirkt dies glaubwürdiger als sämtliche Argumente beim Vorstellungsgespräch.

So sind sich die HR-Experten einig, dass auch die beste geschriebene und designte Stellenanzeige nie mit einer persönlichen Story oder lobenden Beurteilung eines Arbeitnehmers mithalten kann.

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Mit visuellen Inhalten punkten

Wie aktuelle Studien belegen, werden Informationen stärker beachtet, wenn neben dem reinen Text auch Videos, Bilder, animierte Boxen, Grafiken und weitere interaktive Elemente eingebunden werden. So nehmen 65 Prozent der Menschen Informationen deutlich stärker über die Augen als mit ihren anderen Sinnen auf.

Diese Bilder sprechen Talente besonders an

Arbeitgeber tun also gut daran, die Attraktivität ihrer Bereichsangebote mit visuellen Inhalten aus dem Content- und Influencer Recruiting zu steigern. Sie vergrößern damit die Chance, dass mehr Kandidaten ihre Beiträge lesen, länger auf ihren Karriere-Webseiten verweilen und diese regelmäßig anklicken. Zudem vergrößert visueller Content die Online-Auffindbarkeit der Bereichsangebote.

Potenziale identifizieren und nachhaltig binden

Mit Bereichsangeboten bauen Arbeitgeber langfristige Beziehungen zu Kandidaten auf, die fachlich und kulturell in die eigene Karrierelandschaft passen und bei Bedarf gezielt angesprochen werden können. Um Kontakte systematisch zu sammeln, bietet sich der Aufbau von Talent Pools an, die zu Talent Communities erweitert werden können. So intensivieren Arbeitgeber vorhandene Kontakte und fördern den gegenseitigen Austausch zu interessanten branchen- und karrierebezogenen Themen.

„Mit Bereichsangeboten verfolgen Arbeitgeber nicht mehr länger das Ziel, kurzfristig offene Stellen zu besetzen – das wird ihnen im Zuge des zunehmenden Fachkräftemangels ohnehin kaum mehr gelingen“, zieht Rechsteiner Bilanz. „So identifizieren Unternehmen Potenziale für eine mögliche Zusammenarbeit und schaffen eine klassische Win-Win-Situation für alle Beteiligten.“

RecruitingZum Autor: Frank Rechsteiner ist Inhaber der Hype Group, die auf Executive-Recruiting und Strategieberatung für IT-Unternehmen spezialisiert ist. Als Recruiting Experte, Blogger, YouTuber und Autor gibt er regelmäßig Recruiting Impulse. Mehr Infos auf https://frankrechsteiner.de/

 

Bildnachweis: DragonImages / Quelle: www.istockphoto.com



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.