Nach Generation Y & Z folgt jetzt die Generation Global
#Trends im Recruiting | Barbara Oberrauter

Die neue Generation Global

Junge Talente fordern Nachhaltigkeit

Jung, gut ausgebildet, vernetzt und immer auf Sinnsuche: Die neue Generation Global, die aktuell den Arbeitsmarkt erobert, denkt nicht nur in großen Dimensionen, sondern vor allem nachhaltig. Der achtsame Umgang mit Menschen und Umwelt ist ihnen ebenso wichtig wie ihre kosmopolitische Ausrichtung. Das stellt Arbeitgeber vor neue Herausforderungen – die zugleich auch Chancen bietet.

Vernetzung als Normalzustand

Die jungen Globalen sind aufgeklärt über Massentierhaltung, Kinderarbeit, Umweltverschmutzung und Lebensmittelverschwendung. Dieses neue Bewusstsein schwingt bei ihren Kauf- und Konsumentscheidungen mit. Für sie ist es genauso verpönt, bei Primark einzukaufen wie bei McDonald’s zu essen oder Pelz zu tragen – die globalen Auswirkungen des eigenen Handelns stehen ihnen stets klar vor Augen. Mit digitalen Medien aufgewachsen, ist Vernetzung für sie keine zu diskutierende Entwicklung, sondern Grundvoraussetzung ihres Handelns und Denkens. Vernetzung ist ihr Normalzustand.

Generation Global: Das Sahnehäubchen unter den Nachwuchstalenten

Tatsächlich verändert die Generation Y Unternehmenskulturen, Incentive-Strategien und die Bedeutung von HR und Employer Branding grundlegend. Die Nachwuchstalente stellen an ihren Job ähnliche Ansprüche wie an ihr Privatleben: Sinn, Spaß, Erfüllung und eine moralisch vertretbare Lebensweise. Und: Auch wenn sie unterschiedlich aussehen könnnen, stammen die Vertreter der neuen „Generation Global“ doch hauptsächlich aus mehr oder weniger wohlhabenden Familien der Mittelschicht – also einem Umfeld, in dem existenzielle Nöte und Ängste keine Rolle spielen und jungen Menschen die Möglichkeit bieten, sich schon früh damit zu beschäftigen, was das Leben lebenswert macht.

Hamsterrad oder Karriereleiter?

Dabei ähneln sich die Antworten auf diese Frage rund um den Globus: Dem „höher, schneller, weiter“ der Wirtschaftswunderzeit wird kein Glauben mehr geschenkt – Wirtschaftskrise, Erderwärmung und nationalistische Tendenzen in immer mehr Ländern sei Dank. Diese Generation ist die erste, die mit dem Krankheitsbild des Burn-Out aufgewachsen ist. Sie wissen, dass ein Hamsterrad von innen aussieht wie eine Karriereleiter – und man aus dem Laufrad aussteigen muss, um sinnloses Leiden und psychische Belastungen zu vermeiden.

Ethisch handeln – im allerkleinsten Kreis

Stattdessen setzt die Generation Global auf Vernetzung – und ethisches Handeln im nächsten Umfeld. Auch wenn sie sich als Weltbürger verstehen, spielen politische Bewegungen keine große Rolle in ihrem Leben. Stattdessen wird das Leben in eng vernetzten Peergroups geteilt – erweitert um die digitale Dimension rund um den Globus. Das bedeutet für Arbeitgeber zweierlei: Zum einen denkt diese Generation wie noch keine vor ihr weltweit und hat keinerlei Berührungsängste mit fremden Kulturen und internationalen Herausforderungen.

Gut ausgebildet in faire Anstellungsverhältnisse

Ihre Herkunft aus der gut gebildeten, wohlhabenden Mittelschicht garantiert hohe Ausbildungsgrade und ideale Voraussetzungen für einen raschen Aufstieg. Der darf jedoch – und das ist der große Unterschied zu vorhergehenden Generationen wie etwa den Babyboomern – nicht zu Lasten des Privatlebens gehen. Auf gar keinen Fall will sich die Generation Global im Job aufreiben und erst im zweiten Frühling – oder gar nicht – ihr Familienglück genießen. Die Arbeit muss stattdessen ähnlichen Anforderungen genügen wie die fair produzierten Kleidungsstücke und Lebensmittel, die sie einkaufen: Am Menschen orientiert, sinnstiftend und mit Achtsamkeit auf die Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter. Nur dann kommen die jungen Fachkräfte an Bord – und sind bereit, gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber auch Unmögliches zu schaffen.

Mit diesen fünf Tricks holen Unternehmen die Generation Global an Bord

1. Vernetzung: Die Generation Global teilt Wissen weltweit und rasend schnell. In themenspezifischen Communities tüfteln die hellsten Köpfe der Generation an spannenden Herausforderungen – ein Umstand, den sich Firmen zunutze machen können. Sei es mit Talent Communities  oder über Kommunikation in bestehenden Netzwerken – wer sich hier einklinkt und themenbezogenen Mehrwert beisteuern kann, landet ganz schnell in den Köpfen der Nachwuchstalente.

2. Privatleben ernst nehmen: „Wir schuften uns zu Tode“ war einmal. Unternehmen, die das Freiheitsstreben ihrer Mitarbeiter ernst nehmen und Interesse an deren Privatleben zeigen, gewinnen gleich zweifach: Mit topmotivierten Mitarbeitern, die gerne die Extra-Meile gehen, wenn es spannend genug ist. Und einem Image als Arbeitgeber, das neue Talente anzieht und im Kampf um die besten Köpfe die eigene Arbeitgebermarke stärkt.

3. Fairness und Nachhaltigkeit: In einer vernetzten Welt hat alles Auswirkungen. Nachhaltigkeit ist daher kein Lippenbekenntnis mehr, sondern ein Lebensstil – und das auch hinsichtlich der eigenen Belegschaft. Hire and fire war einmal. Heute werden Beziehungen gepflegt und in Netzwerke investiert – auch wenn sich daraus kein unmittelbarer Vorteil ergibt. Plus: Wer seine Leute fair und anständig behandelt, profitiert von Mitarbeitern, die gerne als Markenbotschafter unter die Leute gehen.

4. Umweltbewusstsein wird chic: Vorbei die Zeiten von Öko-Mode und Birkenstock. Wer heute auf seine Umwelt achtet, kauft nachhaltig und fair produziert. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern aktive Teilhabe an karitativen Projekten ermöglichen und sich selbst sozial engagieren, punkten. Kaffee wird nachhaltig gekauft, moderne Fortbewegungswege wie Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel gefördert. In der Sharing Economy muss nicht mehr jeder einen eigenen Arbeitsplatz haben: Co-Working Spaces und Desksharing sind die Schlagworte der Zukunft.

5. Arbeit wird neu organisiert: Ob in Communities, Projekten oder erweiterten Co-Working-Netzwerken, die Generation Global widmet sich Problemen unabhängig von Arbeitszeit und -ort. Netzwerke werden nach außen hin geöffnet, Wissen wird geteilt und Herausforderungen werden in immer neu gebildeten Peergroups behandelt. Altes Silo-Denken hat keine Chance mehr: Wer Probleme bestmöglich lösen will, muss weltweit die Besten der Besten zusammenbringen – und ihnen Zeit und Raum zum Arbeiten geben.

Bildnachweis: South_agency / Quelle: istockphoto.com



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.






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