Mosaikkarriere
#Trends im Recruiting | Andrea Heider

Die Mosaikkarriere

Mit dem Mosaik zum großen Ganzen

„Wir glauben an die Mosaikkarriere. Die Karriereleiter, die Stufe um Stufe erklommen wird, hat ausgedient“ Sophie von Rundstedt

Mosaikkarriere – Schritt für Schritt die Karriereleiter erklimmen, 12-Stunden-Tage, ein Leben lang im selben Unternehmen – all dies hört sich an, wie Mantras aus vergangener Zeit. Denn Karrieremodelle verändern sich. Karrieren werden bunter, vielfältiger, mosaikartiger. Die sogenannte Mosaikkarriere ist heutzutage keine Seltenheit mehr. Personaler sollten also darauf vorbereitet sein, dass vor allem Angehörige der Generation Y, also alle, die nach 1980 geboren wurden, oftmals einen bunten Lebenslauf mitbringen. Sind das dann Lebensläufe ohne roten Faden? Oder schlichtweg Zeugnisse einer Generation, die andere Vorstellungen vom Berufsleben hat, als deren Eltern- bzw. gar Großeltern? Kurz gesagt: Zweiteres.

Wer heute in einem Unternehmen seine berufliche Laufbahn anfängt, wird dort wohl kaum in Pension gehen. Ganz im Gegenteil: Mehr denn je wird die Sinnhaftigkeit von Tätigkeiten hinterfragt. Es gibt den Wunsch den Beruf auch zur Berufung zu machen. Mindestens genauso wichtig ist eine gesunde Work-Life-Balance. Langeweile im Job wird durch einen abwechslungsreichen Karriereweg ersetzt: die Festanstellung wechselt sich durch einen Projekteinsatz ab, Menschen machen Sabbaticals und nutzen diese Zeit zum Reisen oder nehmen sich eine Auszeit, ehrenamtliche Tätigkeiten werden immer wichtiger. Der Wechsel von der Führungsperson zum Experten geht heute schneller als noch vor einigen Jahren. Karriere kann horizontal, diagonal, vertikal oder projektorientiert gelebt werden, wie auch in der Studie „Talent & Karriere 2015“ nachzulesen ist.

Statusdenken war gestern

MosaikkarriereSind Sie Statusdenker oder offen für alternative Karrierewege? Bewerber mit Mosaikkarrieren haben es teilweise immer noch schwer. Das altbewährte Statusdenken herrscht in vielen Bereichen immer noch vor – auch bei Personalverantwortlichen der alten Schule. Karriere wird in diesem Zusammenhang weiterhin mit dem steilen Aufstieg in eine Führungsposition verbunden. Statussymbole begünstigen diese ausgediente Denkweise. Doch ganz ehrlich: Statusdenken war gestern. Um den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens auch weiterhin zu garantieren, muss also unbedingt hinsichtlich Mitarbeiter weiter- und umgedacht werden. Die Arbeitswelt ist im Wandeln und die neuen Karrierewege sind im Kommen, die Generation Y ist bereits voll im Arbeitsleben und wird dieses nachhaltig verändern. Unternehmen müssen also flexibler werden und mehr auf die Bedürfnisse dieser neuen Mitarbeiter eingehen.

Die Karriereleiter wird also durch das Leitbild des „Mosaiks“ abgelöst. Es kommt zu einem Aufweichen des Karrierebegriffes. Brüche in der Vita entstehen dadurch. Dies sollte jedoch von Seite des Recruiters nicht mehr als etwas Negatives betrachtet werden. Im Gegenteil: „Durch Umwege kennt man die Gegend besser“ – so lautet auch schon ein altes Sprichwort. Und in der Tat: Es ist wahr, die Mosaikkarriere kommt unseren Lebensphasen und Talenten entgegen. Karrierewege werden individueller und spiegeln auch immer häufiger die persönliche Entwicklung eines Kandidaten wider. Diese fragen sich immer häufiger, was ihre Talente sind und wie sie diese auf unterschiedlichste Art und Weise einsetzten und weiterentwickeln können. Lebensphasenorientierung kann und soll in der Karriereentwicklung umgesetzt werden.

Horizontale Karrierewege

Bei der klassischen Karriereleiter handelt es sich um einen vertikalen Aufstieg. Menschen mit Mosaikkarrieren hingegen leben ihre Karrieren eher horizontal. Das bedeutet, dass in unterschiedlichen Bereichen und verschiedenen Hierarchieebenen Erfahrungen gesammelt werden. Einmal als Teamleiter, einmal als Experte oder Leiter eines Projektes. Arbeitgeber werden dabei gewechselt. Wir sprechen also nicht von einer internen Karriere, einer sogenannten Patchwork- oder Treppenkarriere.

Bewerber mit Mosaikkarriere beweisen durch ihre umfangreichen Erfahrungen einerseits viel Wissen und praktische Fähigkeiten aus anderen Branchen und Tätigkeitsbereichen, andererseits sind sie in der Lage sich schnell in neue Materien einzuarbeiten, sind meist flexibel und anpassungsfähig. Sie wünschen sich Abwechslung und Perspektiven, als auch eine ausgewogene Work-Life-Balance vom Arbeitgeber. Außerdem muss der Beruf Freude bereiten und eine gewisse Sinnhaftigkeit aufweisen. Auch das Thema Sicherheit sollte bei der Generation Y nicht unterschätzt werden. Denn Sicherheit ist definitiv ein Thema. Möglicherweise ist es gar nicht so einfach, all diese Anforderungen unter einen Hut zu bringen. Doch kurz- oder langfristig müssen sich Unternehmen und auch Personalverantwortliche mit diesen veränderten Ausgangssituationen, der Kandidaten und Top-Talente abfinden und vor allem darauf eingehen. Nicht zuletzt, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.
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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.