Die Macht der Stimme im HR
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Die Macht der Stimme im HR

Wie HR sich mehr Gehör verschaffen kann

Sie ist nach dem äußerlichen Erscheinungsbild der erste Eindruck, den andere von uns mitbekommen: Die Stimme. Unabhängig vom Inhalt vermittelt sie Emotionen, Haltungen, Fähigkeiten und Einstellungen. Manchmal verrät sie aber auch Geheimnisse, die man lieber für sich behalten würde. Der Stimmtrainer und Gründer der Plattform stimme.at, Arno Fischbacher, erzählt im Interivew mit JOBnews.at, wie Personaler ihre Stimme richtig einsetzen – und welche Erkenntnisse die Stimme über Bewerber und Belegschaft verrät.

JOBnews.at: Herr Fischbacher, wieso spielt die Stimme überhaupt so eine große Rolle?

Arno Fischbacher: Die Stimme hat eine große, aber unbewusste Macht. Im Grunde macht sie in jedem Moment transparent, wer wir eigentlich sind, welche Absichten wir verfolgen und was uns bewegt. Damit hat sie in der Kommunikation auch bestimmenden Einfluss auf den Ausgang von Gesprächen – obwohl wir sie nur in den seltensten Fällen bewusst einsetzen.

Die Stimme verrät also unser Innerstes?

Arno Fischbacher

Arno Fischbacher im Interview zur Macht der Stimme im HR

Im persönlichen Gespräch ist der allererste Eindruck visuell. In dem Moment aber, in dem der Mensch den Mund öffnet und spricht, wird vieles transparent, etwa die geografische und soziale Herkunft. Man hört aber auch, ob jemand in den Umständen, in denen er aufgewachsen ist, stehen geblieben ist oder die Bereitschaft zur Entwicklung in sich trägt. Das spielt natürlich vor allem im Geschäftsleben eine große Rolle.

Und ist vermutlich auch nicht uninteressant für Personaler.

Die Stimme gibt HR-Verantwortlichen eine Analysemöglichkeit jenseits von Körpersprache und Inhalt des Gesagten. Sie hören in der Stimme die Lebensenergie eines Menschen und wie vertrauenswürdig dieser Mensch in der Kommunikation wirken wird. Auch in der Führungskräfteentwicklung spielt die Stimme eine wichtige Rolle: Schon bei der Auswahl potentieller Führungskräfte kann man mögliche Dominanzpotentiale heraushören. Auf dieser Grundlage können Personaler dann auch entscheiden, ob und wie der subtile Wirkungsaspekt der Stimme gefördert wird. Eine gute Stimme wirkt ja nicht nur nach innen auf die Produktivität, sondern hat auch eine massive Außenwirkung in der Repräsentation des Unternehmens.

Spielt die Stimme auch beim Recruiting eine Rolle?

Selbstverständlich. Die Stimme ist ein untrüglicher Sensor für die leisesten Emotionen und innere Vorgänge. Im Recruiting ist das offene Ohr einfach ein Kanal mehr, der mir Ergebnisse liefern kann: Wo kommt der Mensch her, wo höre ich den heute, und wie wirkt die Tonalität dieses Menschen auf mich?

Wie wirkt sich der Stress einer Bewerbungssituation auf die Stimme aus?

Bei Stress wird es enger im Hals, man räuspert sich ab und zu, ist im Oberkörper gespannt, und fühlt sich beim Sprechen auch nicht mehr zu hundert Prozent wohl. Das hat auch schwerwiegende Effekte auf die HR-Verantwortlichen selbst: Diese Mitarbeiter gehen stimmlich gestresst aus Tagen mit vielen Bewerbeinterviews, weil die Bewerber ihren Stress mitbringen, der sich dann im Laufe des Tages auf die Gesprächspartner überträgt, in diesem Fall die Recruiter.

Was können Personaler dagegen tun?

HR-Mitarbeiter müssen lernen, mit dieser Übertragungswirkung umzugehen. Sie müssen ihre Ausdrucksfähigkeit und Stimme aufrecht halten, damit sie sich gut fühlen und gut klingen. Schultern loslassen, Oberkörper aufrichten, innerlich aufseufzen, das sind alles Methoden, um wieder zu seiner eigenen Stimmlage und zum so genannten „Eigenton“ zurückzufinden.

Was ist der Eigenton?

Im Stimmcoaching weiß man, wenn sie wahrhaft zuhören und das mit Lauten quittieren, klingt Ihre Stimme im Eigenton. Daran erkenne ich auch, dass Sie wirklich zugehört haben. Wenn jemand nur pro forma „mhm“ sagt, dann ist das zumindest um eine Terz höher. Zur Tonlage dieses eigenen „mhm“ gilt es immer wieder zurückzukehren, um die Stimme zu entlasten und insgesamt lockerer zu werden. Vertrauen hat immer auch etwas mit der persönlichen Tonhöhe zu tun, also mit dem, wie voll und spannungsfrei die Stimme klingt. Wenn man das weiß, kann man das auch bei öffentlichen Auftritten oder Verhandlungen nutzen.

Wie kann man seine Stimme dahingehend trainieren?

Ich empfehle meinen Klienten ein Mini-Programm mit einer Mischung aus Bewegung und Lauten. Ganz wichtig ist die Entspannung der Schultern, etwa durch das Ausschütteln von Schultern und Oberkörper, oder am Stand laufen und dabei die Schultern loslassen. Selbst mit einem gezielten 15-sekündigen Warming Up in einem geschützten Raum oder im Waschraum lassen sich schon gute Effekte erzielen.

Was kann ich mit einer entspannten Stimme bewirken?

Jeder Mensch ist beim Auftreten vor Publikum gestresst, selbst jemand, der das jeden Tag tut. Wie in jeder Leistungssituation spannen sich Schulter- und Nacken-Bereich an, und das engt den gestischen Radius ein. Dadurch wirkt man körpersprachlich weniger souverän. Gleichzeitig ist die Stimme deutlich weniger moduliert und klingt weniger lebendig. Mit einem kurzen Warming Up steigt nicht nur Ihre mentale Bereitschaft, sich dem Publikum auseinanderzusetzen, um zweihundert Prozent, Stimme und Sprechweise sind auch ein Gradmesser für Ihre Kompetenz. Und diesen Eindruck können wir beeinflussen.

INFO:
http://www.arno-fischbacher.com/

Bildnachweis: www.thinkstock.de, Arno Fischbacher



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