Brunout
#Work & Life | Team JOBnews

Diagnose Burnout

Hinschauen statt Wegschauen

Müde, ausgelaugt, am Ende: Die Diagnose „Burnout“ ist ein Ausdruck dafür, dass die zur Verfügung stehenden Ressourcen einer Person erschöpft sind. Die Erschöpfung betrifft alle Lebensbereiche und wirkt sich auf Körper, Seele und Geist aus. Drei wesentliche Elemente charakterisieren das Burnout-Syndrom: Die emotionale Erschöpfung geht einher mit Kraftlosigkeit, Ohnmacht und verstärkter Distanz zu Mitmenschen, um sich vor weiteren Belastungen zu schützen. Gegenüber Arbeit und Kollegen macht sich Zynismus bemerkbar, und es kommt zu einer Reduktion der beruflichen Leistungsfähigkeit und einem Verlust der persönlichen Motivation.

In Österreich geht man von etwa einer halben Million Burnout-Betroffener aus, eine weitere Million befindet sich bereits im gefährdeten Bereich. Das Krankheitsbild ist nicht nur Modeschlagwort, sondern lässt sich auch an handfesten Zahlen festmachen: Der Patientenbericht des WIFO geht davon aus, dass der heimischen Volkswirtschaft rund sieben Millionen Euro pro Jahr durch psychosoziale Erkrankungen wie Burnout-Symptomatik und Stress verlorengehen. Betroffene sind öfter krank, fallen länger aus und werden auch früher pensioniert – ein schlechter Deal für Unternehmen und Pensionskassen.

„Viele Unternehmen sind zwar froh über Mitarbeiter, die sehr gern sehr viel arbeiten“, erzählt Ingrid Pirker-Binder vom Zentrum für betriebliche Gesundheit, im Interview mit jobnews.at. Permanente Überforderung könne aber schnell zum Bumerang werden: „Menschen, die die Bedürfnisse des Körpers komplett negieren und sich keine Regenerationszeiten zustehen, fallen einfach um.“ Erste Warnzeichen sind laut Pirker-Binder viele Überstunden und Urlaubsstau: „Wer immer als Erstes in der Firma ist und als Letzter heimgeht,  neigt dazu, dass die Arbeit ein Eigenläufer wird.“ Niemand wird von heute auf morgen krank, so die Expertin: „Es beginnt damit, dass man sich immer mehr in die Arbeit vertieft und sein soziales Umfeld vernachlässig. Später werden die Leute immer aggressiver und reizbarer und fallen schließlich in die völlige Erschöpfung.“

Treffen kann ein Burnout jeden. Burnout-Symptome werden bei Angehörigen unterschiedlichster Berufe beobachtet, beispielsweise bei Servicepersonal, Bankangestellten, im Handel, im Versicherungswesen und in der IT-Branche. Laut einer Umfrage des ÖGB gemeinsam mit dem Karmasin Institut und den Business Doctors führen vor allem  fehlende Anerkennung, hoher Termindruck und Schichtdienste bzw. kurzfristige Änderung der Arbeitszeiten zur Erschöpfung der Beschäftigten. Auch wer privat wenig Möglichkeit hat, sich zu erholen, weil Familienmitglieder versorgt werden müssen, ist stärker vom Ausbrennen bedroht. Die psychische Erschöpfung manifestiert sich auch körperlich: „Bandscheibenvorfälle, Verdauungsprobleme, Migräne und Schlaflosigkeit sind ein Warnsignal des Körpers, das etwas nicht stimmt“, sagt Pirker-Binder. Die verminderte physische Belastbarkeit zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren, ist daher erstes Gebot für Führungskräfte und Personalabteilungen.

Was tun, wenn ein Mitarbeiter Burnout-gefährdet ist?

  1. Das Gespräch suchen: Wenn Mitarbeiter häufig unpässlich sind, nervös und gereizt wirken und sich die Fehlerquote selbst bei Routinetätigkeiten häuft, ist das Mitarbeitergespräch ein erster Schritt, um das Burnout bereits im Frühstadium abzufangen, rät Pirker-Binder: „Wenn das angesprochen wird, kann das für viele schon ein erstes Wachrütteln sein.“ Wichtig: Das Gespräch sollte ergebnisoffen und ohne Wertung stattfinden. Zudem hat sich das Vereinbaren eines Folgetermins bewährt, um den Prozesscharakter der Burnout-Begleitung deutlich zu machen.
  2. Unterstützung anbieten: Damit es nicht bei einer bloßen Bestandsaufnahme bleibt, sollte auf konkrete Unterstützungs- und Entlastungsangebote verwiesen werden.  Das kann ein Coaching zum Thema Work-Life-Balance oder eine arbeitspsychologische Beratung sein, rät das WIFI Unternehmensservice in einer Broschüre. Alternativ kann dem betroffenen Mitarbeiter auch ein Zeitausgleich verordnet oder die Überstunden begrenzt werden. Ingrid Pirker-Binder: „Diese Maßnahmen müssen immer eng mit der jeweiligen Person abgestimmt werden. Wer ständig auf 200 fährt, kann mit viel freier Zeit womöglich erst mal gar nichts anfangen und kommt erst recht nicht auf den Boden.“ Auch eine Kur oder ein Sabbatical kann den nötigen Freiraum schaffen, um in Ruhe wieder zu sich zu kommen.
  3. Rückkehr begleiten: Nach der Genesung des Mitarbeiters ist ein Rückkehrgespräch eine wichtige und sinnvolle Maßnahme, um die Zukunft im Unternehmen abzuklären. Ingrid Pirker-Binder rät, den Wiedereinstieg intensiv zu begleiten. „Die meisten Leute neigen dazu, nach zwei bis drei Wochen wieder in ihr altes Schema zu fallen. Das muss man abfangen, sonst riskiert man in einem Jahr das nächste Burnout.“
  4. Weitere Einsatzmöglichkeiten im Unternehmen abklären: Ist der Mitarbeiter nur mehr beschränkt einsatzfähig, kann ein Arbeitsplatzwechsel, Überstundenreduktion oder ein Wechsel auf eine Teilzeit-Stelle vereinbart werden. Auch eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes unter Reduktion der krankmachenden Faktoren ist eine Möglichkeit, den Mitarbeiter im Unternehmen zu halten.

Die beste Methode, ein Burnout zu vermeiden, ist die Prävention. Pirker-Binder: „Machen sie die Personen darauf aufmerksam, dass sie Ruhezeiten einhalten, lernen sie mit Ihren Mitarbeitern, wie sie körperliche und geistige Energie möglichst ressourcenschonend einsetzen.“ Führungskräfte sollten sich ihrer Vorbildwirkung bewusst sein: „Wenn Sie selbst aus dem Wochenende E-Mails verschicken und eine 60 Stunden-Woche haben, werden es Ihre Mitarbeiter Ihnen gleichtun. Von oben muss klar kommen, dass es nicht erwünscht ist, sich zu überarbeiten.“ Ein vertrauensvolles Gesprächsklima und offene Vorgesetzte können helfen, das eigene Leid in der Firma anzusprechen. Pirker-Binder rät zum raschen Handeln: „Bringen Sie das Thema so früh wie möglich auf den Tisch und suchen Sie sich Hilfe. Nicht Wegschauen, sondern Hinschauen heißt hier die Devise.“

INFO:

Infobroschüre „Burn On statt Burn out“
Zentrum für betriebliche Gesundheit

Autor: Barbara Oberrauter
Bildnachweis: www.thinkstock.de



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