Führungskräfte brauchen Unterstützung
#Leadership | Barbara Oberrauter

Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken

Warum Führungskräfte mehr Unterstützung brauchen

Schlecht vorbereitete Führungsverantwortliche können ein Unternehmen teuer zu stehen kommen: Ein schlechtes Arbeitsklima ist Kündigungsgrund Nummer 1, zeigt eine kürzlich erschienene Langzeitstudie der JOB bowl Personalberatung. Als Kündigungsgründe werden an erster Stelle das schlechte Arbeitsklima genannt, gefolgt von Mobbing und einem schlechten Verhältnis zum Vorgesetzten. Zum Vergleich: Nur etwa ein Fünftel der 700 Befragten gibt zu viele Überstunden als Kündigungsgrund an.

Beförderungen ohne Weiterbildung

Es ist also nicht die zu hohe Arbeitsbelastung, die Angestellte zur Kündigung treibt, sondern die zu hohe emotionale Belastung, die den Job wechseln lässt. „Wir arbeiten gerne auch viel, wenn notwendig – aber nicht, wenn es Stress mit Kollegen oder Vorgesetzten gibt“, sagt die Personalberaterin und Personalistin Geraldine Hofstetter. „Allzu oft werden aber junge Mitarbeiter mit geringer Führungserfahrung eingestellt oder interne fachliche Spezialisten in Führungspositionen gehoben und dann mit der Mitarbeiterführung alleine gelassen“, beklagt sie eine gängige Praxis, die zur Überforderung des Beförderten und zu mieser Stimmung unter den Mitarbeitern führt.

„Individuelle Fortbildung oder persönliches Coaching für den Beförderten sind zu selten mit einer Beförderung gekoppelt“, so Hofstetter. Vor allem in den unteren hierarchischen Ebenen sollten Vorgesetzte in ihre Aufgabe der Mitarbeiterführung und -motivation eingeführt werden, und dürfen nicht leichtfertig von Unternehmen mit der „Ehre“ der Beförderung im Regen stehen gelassen werden, wünscht sich die Personalexpertin.

Zu wenig Coaching auf unterer Führungsebene

Während in den höchsten Führungsetagen oft gecoacht und extern beraten wird, ist diese Praxis in den mittleren und unteren Führungsebenen wenig verbreitet. „Kleine und mittlere Führungskräfte sind oft sich selbst und ihrem Talent überlassen. Wenn das Talent nicht reicht, sind aber schlechtes Betriebsklima, Mobbing und Kündigungen die Folge“, warnt Hofstetter. Mitarbeiter sollten ihr Potential in einem wertschätzenden und motivierenden Umfeld entfalten können, fordert Hofstetter: „Tolle Vorgesetzte können Karrieren stiften. Vorgesetzte motivieren, fordern und lassen Fehler zu. Denn neue Mitarbeiter können noch nicht alles und müssen auch scheitern dürfen.“

Führungsverantwortung auf allen Ebenen eines Unternehmens umfasst neben fachlicher Kompetenz vor allem soziales Know How und Mitarbeiterführung. „Vorgesetzte mit fachlicher und sozialer Kompetenz haben keine Angst, Freiräume und Weiterentwicklung zuzulassen. Ganz im Gegenteil: Sie unterstützen ihre Mitarbeiter und ziehen dadurch wertvolle zukünftige Führungskräfte heran“, berichtet Hofstetter aus ihren Analysen.

Mitarbeiter wünschen sich individuelle Förderung

Grundsätzlich, so die Personalexpertin, sei für die nächsten Jahre jedoch mit einem Paradigmenwechsel zu rechnen: „Nicht Geld hält die Mitarbeiter, sondern sozial kompetente Mitarbeiterführung.“ Drei Punkte seien es, die ein ideales Arbeitsumfeld ausmachen würden: „Ein Mentor als Vorgesetzten, die richtige Mischung der Kollegen und die Berücksichtigung der aktuellen, individuellen Bedürfnisse bezüglich Arbeitszeit, Überstunden und Bezahlungsart.“

Das zeigt auch die Studie: Individuell abgestimmte Förderung ist einem Drittel der Befragten extrem wichtig, wird jedoch in der Praxis noch zu selten umgesetzt, bedauert die Expertin. „Auch wenn viele Firmen inzwischen Mitarbeiterschulungen anbieten, sind diese oft nicht der individuellen Situation angemessen und erreichen damit die Angestellten nicht richtig.“

Vielmehr würden Firmen stattdessen automatisch zu teuren Fringe Benefits wie Essenszuschüssen, Dienstautos oder einem Firmenhandy greifen, um ihre Mitarbeiter zu motivieren. „Diese Zuwendungen werden aber leider nur von weniger als einem Drittel der Angestellten als wichtig im Job gewürdigt“, sagt Hofstetter. Sie rät Unternehmen daher, diese Benefits besonders sorgfältig zu kommunizieren: „Sonst werden diese ‚goodies‘ leider unterbewertet, wenn nicht sogar übersehen – was mehr als schade ist.“

INFO: JOB bowl

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.