#Arbeitsmarkt & Studien | Barbara Oberrauter

Das neue Arbeiten

Eigenverantwortung und Vertrauen

Es ist ein alter Hut: Die Arbeitswelt ändert sich. Klassische Bürojobs mit eigenem Schreibtisch, 9-to-5-Schichten und pünktlichem Feierabend werden in Zukunft zwar nicht verschwinden  aber immer weniger werden, konstatieren Barbara Covarrubias und Sabine Groblschlegg in ihrer aktuellen Studie für die Initivative „Das neue Arbeiten“ (DNA). Damit einher geht auch eine Umstellung auf Seiten der Belegschaft, und das quer durch alle Ebenen, schlussfolgern die Studienautorinnen: Nicht nur die Eigentverantwortung der Mitarbeiter muss sich steigern – auch auf Führungskräfte kommen neue Herausforderungen zu.

JOBnews.at: Frau Covarrubias, Frau Groblschegg: Gut zwei Drittel der Befragten ihrer Studie erwarten eine Veränderung der Arbeitswelt in den kommenden Jahren. Sind Unternehmen schon darauf eingestellt?

Barbara Covarrubias/ Sabine Groblschegg: Vor allem in Bezug auf Arbeitszeit und ?ort in Verbindung mit moderner Technologie setzen Firmen Veränderungen jetzt schon um. Es gibt zum Teil keinen fixen Arbeitsplatz mehr, Mitarbeiter wählen je nach Aufgabe ihren Ort. Es wird viel Raum für die informelle Zusammenarbeit bereitgestellt, es gibt Kreativitätszonen und interaktive Räume. Alles nach dem Motto, dass nicht jeder täglich an seinem Platz sitzt und konzentriert arbeitet, sondern dass man sich je nach Aufgabe eine spezifische Zone aussucht.

Inwiefern wirken sich diese räumlichen Veränderungen auf das Verhalten der Belegschaft aus?

Die Eigenverantwortung wird gestärkt: Wenn ich keinen fixen Arbeitsplatz habe, muss ich meinen Tag sehr viel genauer planen, als wenn ich jeden Tag am selben Schreibtisch sitze. Durch diese eigenverantwortliche Planung kann es auch eine gewisse Effizienzsteigerung geben. Andererseits haben aber viele Mitarbeiter auch Probleme wegen dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes.

Wie können Unternehmen diesen Ängsten begegnen?

Ganz wichtig ist die Kommunikation bei solchen Change-Prozessen. Es muss ermöglicht werden, über diese Ängste zu sprechen und Regeln für die weitere Zusammenarbeit zu definieren. Den Mitarbeitern muss Zeit und Raum für ihren Widerstand gegeben werden. Vor allem dann, wenn die Projektverantwortlichen selbst nicht vollständig von den Veränderungen betroffen ist, ist der wesentliche Erfolgsfaktor, dass die Mitarbeiter einbezogen werden.

Inwiefern sind Führungskräfte bei der Umstellung auf das neue Arbeiten gefordert?

In der Chefetage wird es immer wichtiger, eine Vision zu haben: Warum mache ich das, und wo geht die Reise hin? Das interessiert meine Mitarbeiter, und das muss ich auch klar und deutlich kommunizieren können. Eine zweite Forderung laut unserer Studie ist ergebnisorientiertes Arbeiten, das sowohl den Mitarbeitern als auch Führungskräften wichtig ist. Dafür ist aber Vertrauen gefragt: Beim Home Office habe ich keine pausenlose Kontrolle über meine Mitarbeiter. Führungskräften bereitet das oft noch Probleme.

Woher rührt diese Angst vor dem Kontrollverlust?

In Österreich gibt es einen hohen Grad an Unsicherheitsvermeidung, man möchte möglichst viel kontrollieren, damit ja keine Fehler passieren. Es gibt hierzulande auch eine relativ hohe Machtdistanz: Gerade in traditionellen Unternehmen wird Hierarchie durch Kontrolle abgesichert. Das Top-Management ist teilweise recht weit von den Mitarbeitern entfernt und sieht die Kontrolle als Möglichkeit, weiterhin im Business präsent zu sein. Das erklärt auch, warum die oberste Führungsebene dem Thema am kritischsten gegenübersteht. Das mittlere Management hat meistens weniger Probleme damit, dass die Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten.

Was können Führungskräfte tun, um dieses Missverhältnis zwischen Wollen und Sollen zu schließen?

Es hilft, wenn man das große Ganze im Blick hat und das auch kommuniziert. Wenn man den Mitarbeitern eine Vision gibt und Ziele vorlebt, dann laufen die von ganz alleine. Man braucht weniger Mechanismen und Steuerung dahinter. Wir erleben in Befragungen immer wieder, dass die Mitarbeiter Sinn und Werte des Unternehmens verstehen wollen. Es ist für die Leute wichtig, ein Zukunftsbild des Unternehmens vor Augen zu haben. Ganz wichtig ist auch, die Belegschaft bei der Entwicklung dieser Ziele zu involvieren, um die Bindung ans Unternehmen zu stärken. Wenn ich an einer Strategie selber mitgearbeitet habe, bin ich mehr committed als wenn sie mir auf dem Servierteller präsentiert wurde.

A propos Zukunftsvision: Welche Veränderungen sehen Sie auf Unternehmen in den kommenden Jahren zukommen?

Was sich über einen längeren Zeitraum auf jeden Fall verändern muss, ist das Thema Führung. Die Leute brauchen bei Themen wie Mitarbeiterpartizipation, virtuelle Teams und ähnlichen Dinge einfach Zeit, sich darauf einzustellen. Auch die Flexibilisierung der Arbeitsbereiche wird ein Thema bleiben: Mittlerweile stößt man da vor allem in Österreich an arbeitsrechtliche Grenzen. Es wird also neue gesetzliche Rahmenbedingungen brauchen, um diesen neuen Arbeitswelten entgegenzukommen. Zu guter Letzt wird auch die Technologie eine weiterhin wichtige Rolle spielen, vor allem deren effiziente Nutzung. Im Kommunikationsbereich wird sie schon sehr sinnvoll eingesetzt, aber bei Themen wie Wissensmanagement und dem unternehmensinternen Wissensaustausch ist noch ein großer Bereich offen.

Erste Ergebnisse der Studie gibt es hier.

INFO: FH Wien

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.