#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Das macht krank: unsichere Jobs

Gesundheitliche Probleme durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse

Schlecht für das Arbeitsklima: Wer unzufrieden im Job ist, leistet weniger. Doch wie zufrieden sind österreichische Arbeitnehmer mit ihrer sozialen Position, mit ihren Rechten und ihrem Gehalt eigentlich wirklich? Wie wohl fühlen sie sich am Arbeitsplatz? Geht die Arbeit leicht von der Hand oder überwiegt die Unzufriedenheit? Und überhaupt: Welche Auswirkungen hat Unzufriedenheit auf Gesundheit und Motivation? Der Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich misst und beschreibt seit 19 Jahren vierteljährlich genau diese wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen aus Sicht der Arbeitnehmer.

Ganz klar: Unsicherheit im Job wirkt sich nicht gut auf Gesundheit und Motivation der Belegschaft aus. Existenzängste, psychische Belastungen und gesundheitliche Probleme treten vermehrt bei Personen in prekären Beschäftigungsverhältnissen auf. Was führt zu Unsicherheit im Job? Etwa Leiharbeit, befristete Verträge aber auch geringfügige Beschäftigung, freie Dienstverträge oder auch Beschäftigungen in Teilzeit. Vor allem in den letzten Jahren gab es einen Trend von unbefristeten Vollzeitverträgen hin zu befristeten Verträgen.

Das macht krank: im Detail

Dem Arbeitsklima Index zur Folge leiden Mitarbeiter in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen wesentlich häufiger an Erschöpfung, Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen oder Migräne, Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich, Kreuzschmerzen, hohem Blutdruck, Herzrasen und Atembeschwerden. Mitarbeiter in prekären Jobs greifen auch immer häufiger zu Medikamenten. Krank in der Arbeit? Auch dieses Phänomen tritt bei Arbeitnehmern mit prekären Arbeitsbedingungen vermehrt auf. Ein sicherer Job führt zu einem sicheren Lebensgefühl. Wer hingegen täglich um den Job bangen muss, spürt dies gesundheitlich.

Sicherer Job oder unsicherer Job? Die Ergebnisse weisen eindeutige Trends auf: Zufrieden mit sozialer Position und Rechten ist nur knapp die Hälfte der Beschäftigten mit unsicheren Jobs und immerhin mehr als drei Viertel der Beschäftigten mit sicheren Jobs. Prekäre Jobs sind meist auch schlecht entlohnt: nur 31 Prozent der Arbeitnehmer in unsicheren Jobs sind mit ihrem Gehalt zufrieden. Personen mit sicheren Jobs hingegen sind zu zwei Drittel mit dem was am Ende im Börserl bleibt, zufrieden. Ausgelaugt durch die Arbeit fühlen sich 26 Prozent der Unzufriedenen und nur 12 Prozent der Zufriedenen. Spaß an der Arbeit haben nur 31 Prozent.

Kranke Belegschaft durch Teilzeit und Leiharbeit

Ein möglicher Arbeitsplatzverlust ist einer der häufigsten Gründe für arbeitsbedingten Stress. Fehlende Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten führen ebenfalls zu erhöhter Unzufriedenheit. Auch Menschen in sehr geringen Teilzeitbeschäftigungen kämpfen oftmals um ihre finanzielle Existenz. Was kann getan werden, um unsichere Arbeitsplätze zu vermeiden? Die Bedingungen für Teilzeitkräfte verbessern, Leiharbeit und befristete Verträge weitestgehend verhindern und laufend psychische Belastungen am Arbeitsplatz evaluieren, etwa durch den aktiven Einsatz von Betriebsräten.

  • Teilzeit: Teilzeitkräfte müssen Dank Informationspflicht seit letztem Jahr darüber informiert werden, wenn Jobs ausgeschrieben werden. „Diese gesetzliche Verpflichtung muss weiterentwickelt werden zu einem Rechtsanspruch auf Aufstockung für vor allem Teilzeitbeschäftigte mit sehr geringem Stundenausmaß statt Ausschreibung weiterer Teilzeitbeschäftigungen“ fordert diesbezüglich AK-Präsident Johann Kalliauer.
  • Leiharbeit: Der Anteil der Leiharbeiter in Betrieben muss auf 10 Prozent beschränkt werden. Außerdem sollte Leiharbeit zukünftig nicht mehr unter Sachkosten, sondern unter Personalkosten verrechnet werden. Darüber hinaus fordert die AK, dass Leiharbeit ausschließlich zur Abdeckung von Arbeitsspitzen dienen darf, nicht jedoch zur dauerhaften Deckung des Personalbedarfs. Und: Betriebe sollten sich dazu verpflichten, Leiharbeiter anschließend in ein reguläres Arbeitsverhältnis zu übernehmen.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.