Glück
#Work & Life | Andrea Heider

Das Geheimnis des Glücks

Positive Psychologie und Mitarbeiterführung

„Mitarbeiter sind unser höchstes Gut“ – ein allseits beliebtes Mantra der Unternehmensführung. Jedoch: ist das wirklich so? Die Realität im Unternehmen sieht nämlich leider meistens anders aus, das bestätigt auch Dr. Nico Rose bei seinem Vortrag „Über Einsatz und Wirkung von Positiver Psychologie im Management“ am HR Inside Summit 2016 in der Wiener Hofburg. Studien zeigen, dass Mitarbeiter, die am Arbeitsplatz glücklich sind dem Unternehmen bessere Umsätze bringen. Rose spricht von einem „Return of Flourishing“ kurz ROFL. Mitarbeiter blühen auf, dies führt wiederrum zu einer besseren Kapitalmarkt-Performance. Das heißt: Win-Win-Situation. Mitarbeiter sind glücklicher, Chefs auch.

„Das Glück ist ein Vogerl“, so lautet zumindest ein Wiener Sprichwort. Kurz gesagt bedeutet dies folgendes: Glück kann eine sehr temporär empfundene Emotion sein. Dies bestätigen Glücksforscher. Ein neuer Job? Ein gutes Essen? Eine schöne Reise? All das kann dazu beitragen, dass wir uns glücklich fühlen – jedoch meist nur kurzfristig. Doch wie ist es möglich dieses kurzfristige Gefühl in einen langfristigen, immerwährenden Zustand umzuwandeln? Genau auf diese Frage versuchen Glücksforscher im Rahmen der Positiven Psychologie wissenschaftliche Antworten zu erhalten.

Glückliche Mitarbeiter

Positive Psychologie im Unternehmen

Positive Psychologie ist eine relativ neue Forschungsrichtung, die in den 1990er Jahren in den USA entstanden ist. Die Psychologie hat sich in den letzten 150 Jahren eher damit beschäftigt, warum Menschen krank werden, dabei geht es fast ausschließlich um die negativen Seiten des menschlichen Erlebens. Nun haben einige einflussreiche Forscher, allen voran Martin Seligman, angefangen die positiven Erfahrungen und Emotionen, die wir tagtäglich empfinden, näher zu erforschen. Dabei stellten sie sich folgende Fragen: Was ist Glück? Was ist Erfolg? Was ist Sinn? Wenn es um das Wohlbefinden der Mitarbeiter geht sprechen wir in der Glücksforschung jeden Falles von der sogenannten „hedonischen Achse“ und von der „eudaimonischen Achse“.

Erstere bezieht sich auf das kurzfristige Wohlbefinden der Mitarbeiter: „Beispielsweise Feel-Good-Managment, Pizzaabende für die Belegschaft oder ein Wuzzler für den Pausenraum sind Maßnahmen, die zum kurzfristigen Wohlbefinden der Mitarbeiter beitragen. Es geht um Spaß und Freude.“ Zweiteres bezieht sich auf langfristige Maßnahmen zur Glückssteigerung der Mitarbeiter. Rose meint, dass dies in erster Linie die Frage nach dem Sinn sei. Jedoch widersprechen sich diese beiden Achsen auch teilweise. Denn: „Dort wo wir Spaß haben, ist nicht immer Sinn drinnen.“ Es ist also gar nicht so leicht. Rose ist überzeugt, dass das Wohlbefinden der Mitarbeiter langfristig zum Unternehmenserfolg beiträgt. Er ist sogar der Meinung, dass man Mitarbeiterzufriedenheit an der Kapitalmarkt-Performance ablesen kann.

Positive Katzen machen glücklichPsychologie in der Mitarbeiterführung

Nun gut, Glück ist flüchtig, aber wichtig. Glückliche Mitarbeiter sind eindeutig ein Gewinn für das Unternehmen. Doch wie wird eine ganze Belegschaft glücklich? Was ist das Geheimnis des Glückes? „Führung“, ist sich Rose sicher. „Das meiste kann man bewegen, indem gute Führungskräfte an Bord geholt werden, die auch aktiv gecoacht werden“. Und tatsächlich: Mitarbeiter, die mit ihren Führungskräften zufrieden sind, sind auch in ihrem Job zufriedener.

Eines noch: Was bedeutet gute Führung aus Sicht der Positiven Psychologie? Der Psychologe Michael Steger hat das sogenannte: KARMA-Model entwickelt. Das Akronym steht für: K larheit, A uthentizität, R espekt, M ehrwert, A utonomie. Was bedeutet das für CEOs? Unternehmen können mit glücklichen Mitarbeitern viel Geld einsparen. Auf gut Deutsch gesagt heißt das: „Mehr Cash in der Täsch“. Warum schauen sich eigentlich so viele Menschen Katzenvideos an? Rose ist davon überzeugt, dass Katzenvideos gut für gestresste, genervte Mitarbeiter sind, da sie Emotionen regulieren.

 

 

„Mehr Cash in der Täsch“ Faktencheck: Glückliche Mitarbeiter

  • Glückliche Mitarbeiter sind motivierter, sie müssen weniger durch externe Anreize motiviert werden. Sie sind intrinsisch motivierter, das heißt sie müssen weniger extrinsisch motiviert werden. CEOs können somit langfristig Kosten niedrig halten.
  • Glückliche Mitarbeiter sind weniger oft und weniger lange krank. Eine gesunde Psyche ist ein Schutzfaktor für den Körper. Glück ist ein Schutz gegen Herzkreislaufprobleme, Depressionen oder auch Burnout. Es wird zu einer deutlichen Senkung der Krankheitskosten kommen.
  • Glückliche Mitarbeiter bleiben länger im Unternehmen und empfehlen ihre Firma häufiger aktiv weiter. Glückliche Mitarbeiter sind ein Recruiting-Empfehlungs- und Effizienzprogramm gleichzeitig. Mitarbeiter, die länger bleiben, müssen nicht nachbesetzt werden. Das bedeutet: weniger Kosten durch Neuanstellungen.
  • Glückliche Mitarbeiter sind kreativer, denn positive Emotionen lassen uns spielerischer werden und machen uns offen für neues. Emotionen haben auch evolutionär betrachtet einen Nutzen: wenn wir uns fürchten, denn ziehen wir uns zusammen, körperlich und mental. Wenn wir ängstlich sind gehen wir auf das Basisprogramm zurück. Rose ist überzeugt: Glück brauchen wir, um zu wachsen. Kreativität braucht Glück. Glück führt zum Erfolg.
  • Glückliche Mitarbeiter sehen mehr Sinn in der Arbeit. Sinn ist einer der stärksten Motivatoren überhaupt. Glückliche Mitarbeiter empfinden ihren Job fast immer als sinnvoll. Wenn wir Sinn empfinden, dann können wir auch über Durststrecken hinweg.

 
Bildnachweis: www.istockphoto.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.