9 Gründe warum die besten Mitarbeiter kündigen
#Recruiting | Barbara Oberrauter

Darum gehen die besten Mitarbeiter

Talente fordern Freiheit und Wertschätzung

Das Problem: Ein guter Mitarbeiter ist nicht automatisch ein guter Vorgesetzter. Vor allem der Umgang mit Top-Talenten ist mitunter nicht ganz leicht – weil sich diese Menschen nicht immer in ein Schema F pressen lassen und mit unvorhergesehenen Ideen und Forderungen Personalverantwortliche schnell aus dem Konzept bringen. Wer damit nicht umgehen kann, vertreibt seine besten Leute – und schädigt damit das Unternehmen nachhaltig. Wir zeigen Ihnen die acht Kardinalfehler, die Personalverantwortliche im Umgang mit High Potentials machen.

1. Sie überlasten ihre Mitarbeiter

Jeder Mensch hat sein Limit. Bei manchen ist es schneller erreicht, andere haben mehr freie Ressourcen, die sie dem Unternehmen – und damit ihrem Vorgesetzten – zur Verfügung stellen können. Zu erkennen, wer wann wie viel geben kann und will, ist nicht immer ganz einfach – im Sinne des guten Zusammenarbeitens aber lebensnotwendig für Vorgesetzte. Wer seine Mitarbeiter schindet wie den letzten Ackergaul, um auch das letzte bisschen Kraft aus ihnen herauszuholen, hat kurzfristig vielleicht Erfolg damit, leidet aber langfristig unter einer ausgebrannten Truppe, die zu immer weniger Leistung imstande ist – und im schlimmsten Fall gleich ganz den Hut draufhaut.

2. Sie würdigen Leistung zu wenig

Es ist klar: Nicht für jede Leistung muss es gleich den ganz großen Applaus geben. Hat ein Mitarbeiter aber Außergewöhnliches geleistet oder sich für ein Projekt richtig ins Zeug gelegt, sollte der oder die Vorgesetzte sich nicht zu schade sein, dies auch lobend zu erwähnen – und so Anerkennung und Wertschätzung für die erbrachten Leistungen zu zeigen. Selbstverständlich können auch externe Anreize wie Boni oder eine Gehaltserhöhung als Gegenleistung für besonders gute Arbeit eingesetzt werden. Das persönliche Wort, die menschliche Anerkennung ist aber oft noch viel mehr wert als das bisschen mehr Gehalt am Konto.

3. Sie kümmern sich nicht um ihre Leute

Ein Vorgesetzter oder jemand mit Personalverantwortung ist nicht nur Führungskraft, sondern auch Coach, Animateur, Ratgeber und Kummerkastentante gleichzeitig. Wer sich rein auf die berufliche Ebene zurückzieht, übersieht, dass seine Angestellten auch nur Menschen sind – und als solche Hochs und Tiefs durchleben. Wer das Privatleben seiner Mitarbeiter ernst nimmt und darauf achtet, dass seine Mitarbeiter genug Energie für private Herausforderungen zur Verfügung steht, profitiert längerfristig von motivierten Leuten, die dankbar sind für das Verständnis, das ihnen und ihren Alltagssorgen entgegengebracht wird.

4. Sie halten Versprechen nicht ein

Was gesagt wird, sollte auch gelten. Und zwar – in Zeiten erhöhter Transparenz und Mitarbeitern, die auch nach Dienstschluss miteinander reden – für alle gleichermaßen. Unfaire Bevorzugung hat am Arbeitsplatz ebensowenig zu suchen wie Versprechen, die zwar gegeben, aber nie eingehalten werden. Wer meint, was er sagt, gilt automatisch als verlässlich – und als Führungskraft, auf dessen Wort man sich verlassen kann.

5. Sie stellen die falschen Leute ein

Wer Personalverantwortung hat, weiß, wie schwer es oft sein kann, die richtige Person für eine offene Stelle zu finden. Als Schnellschuss aber einfach irgendjemanden einzustellen, kann mächtig nach hinten losgehen – dann nämlich, wenn der neue Mitarbeiter so überhaupt nicht zur restlichen Truppe passt. Es lohnt sich daher, sich genau hier die Zeit zu nehmen, die kulturelle Passung ganz genau zu überprüfen – und notfalls auch ein bisschen länger nach jemandem zu suchen, der das Team ideal ergänzt und nicht alle aus der Bahn wirft.

6. Sie befördern die Falschen

Fast jeder hat es schon erlebt: Der völlig unfähige Kollege wurde befördert, eine Kollegen, die fachlich weitaus schwächer ist, zieht plötzlich auf der Karriereleiter an einem vorbei. Wer klare Regeln dafür aufstellt, wann jemand in eine höhere Position wechseln kann, und diese auch klar kommuniziert, schafft nicht nur Transparenz und Verständnis: Mitarbeiter, die wissen, was sie tun müssen, um weiterzukommen, sind automatisch motivierter – und können auch ihre eigene Karriere im Unternehmen besser planen.

7. Sie ignorieren die Leidenschaften ihrer Mitarbeiter

Leidenschaft, Herzblut, Hingabe: Die meisten Unternehmen verlangen von ihren Mitarbeitern mittlerweile nicht mehr bloß das reine Abarbeiten von Tasks, sondern auch die völlige Identifikation mit dem Unternehmen. Damit das gelingt, müssen Personalverantwortliche aber weg vom Einbahn-Denken: Nicht nur der Mitarbeiter soll fürs Unternehmen brennen, sondern auch das Unternehmen für seinen Mitarbeiter. Wer seine besten Leute darin fördert, worin sie sich gerne verwirklichen wollen, dem ist nicht nur die Dankbarkeit der Top-Talente sicher – sondern auch die Hingabe eines Menschen, der sich vollwertig in seinen Interessen und Leidenschaften ernst genommen fühlt.

8. Sie missachten die Kreativität und den Intellekt ihrer Talente

Die besten, schlauesten Köpfe denken oft über den Tellerrand hinaus. Sie finden Lösungen für Probleme, die sonst niemand sieht, und wollen Dinge umkrempeln, die man im Unternehmen „schon immer so gemacht“ hat. Das sorgt zwar zunächst für Unruhe – kann aber wertvollen Input liefern. Vorgesetzte sollten daher genau zuhören, wenn ihre Top-Talente mit neuen Ideen kommen – und sie ermutigen, in neuen, unbekannten Bahnen zu denken, um Innovationen im Unternehmen zu fördern und vom kreativen Geist ihrer besten Mitarbeiter zu profitieren.

Bildnachweis: www.istockphoto.com / leremy



Verwandte Artikel






Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.






Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *