Dankbarkeit im Job
#Trends im Recruiting | Andrea Heider

Dankbarkeit am Arbeitsplatz

Sag' doch einfach einmal Danke

Dankbarkeit am Arbeitsplatz – „Nicht geschimpft ist Lob genug“, so lautet die Devise mancher archaischer Chefs aus dem letzten Jahrtausend. Stimmt nicht: Dankbarkeit am Arbeitsplatz führt zu motivierten Mitarbeitern, meinen Wissenschaftler der Berkeley University. Denn Mitarbeiter werden gerne mit Wertschätzung behandelt, das ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Forschungen ergeben sogar: Chefs, die ihren Mitarbeitern gegenüber Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, können mit besseren Ergebnissen und mehr Motivation rechnen. Frei nach dem Motto: Was für die Mitarbeiter gut ist, ist auch für das Unternehmen gut.

Doch sind wir einmal ehrlich – wer bringt am Arbeitsplatz schon Team, Mitarbeitern oder Kollegen aufrichtig gemeinte Dankbarkeit entgegen? Einer Studie der John Templeton Foundation zufolge ist der Arbeitsplatz nämlich jener Ort, an dem Menschen am wenigsten Dankbarkeit fühlen oder gar zum Ausdruck bringen. Befragt wurden 2.000 US-Amerikaner. Für den Job dankbar ist nicht einmal eine Handvoll der Studienteilnehmer. Ganz im Gegenteil: Auf einer Liste mit Dingen, für die die Befragten dankbar sind, rangiert der derzeitige Job an letzter Stelle. Dankbarkeit: Fremdwort.

Sag‘ doch einfach einmal Danke

Danke seems to be the hardest word, aber es wirkt: 93% der Befragten sind überzeugt, dass Vorgesetzte, die sich bei ihren Mitarbeitern regelmäßig bedanken erfolgreicher sind. Außerdem gaben die Meisten an, dass sie sich durch ein „Dankeschön“ motiviert fühlen. Nur 18% der Befragten waren der Meinung, dass Chefs, die dankbar sind, Schwäche zeigen. Eine überwältigende Mehrheit gab sogar an, dass sie sich glücklicher und erfüllter fühlen, wenn sie ihren Kollegen danken – mysteriös. Allerdings: nur 10% der Befragten gehen dem Impuls sich reflexartig zu bedanken nach, der Rest unterdrück ihn! 60% der Beteiligten drücken ihre Dankbarkeit niemals oder maximal einmal jährlich aus. Soll heißen: Amerikaner sind wahre Dankesmuffeln.

Dabei gibt es doch so viel wofür wir dankbar sein dürfen. Oder etwa nicht? Wie wäre es zum Beispiel, mit erfolgreich beendeten Projekten, netten Gesprächen mit Kollegen oder einfach nur einem lecker schmeckenden Kaffee, den wir uns regelmäßig im Büro gönnen? Doch sind wir jemals dankbar, für die positiven Erlebnisse die das Leben bzw. der durchschnittliche Arbeitstag für uns bereit hält? Eher nein. Dabei ist es wichtig, Dankbarkeit ganz bewusst als Teil der Unternehmenskultur zu kultivieren. Wie geht das? Jeremy Adam Smith vom Greater Good Science Center der Berkeley University hat 5 durch wissenschaftliche Studien belegte Tipps, wie Dankbarkeit am Arbeitsplatz kultiviert werden kann.

5 Tipps zur Kultivierung von Dankbarkeit im Büro

  1. Dankbarkeit top down
    Das wichtigste Dankeschön ist für die meisten Mitarbeiter jenes des Vorgesetzten – ob nun privat oder öffentlich mitgeteilt. Tipp vom Autor: Wenn Sie neue Mitarbeiter einstellen, warum fragen Sie sie nicht einfach auf welche Art und Weise sie am liebsten Anerkennung erhalten? Oder, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt, warum schmeißen Sie nicht einfach eine „Dankesparty“ für ihn? Haben Sie schon einmal überlegt sich vor jeder Teambesprechung 5 Minuten Zeit zu nehmen, um ihren Mitarbeitern zu danken?
  2. Danken Sie jenen, die sonst wenig Dank bekommen
    Ist es nicht so: jedes Unternehmen hat seine Leuchttürme, die das Lob und den Ruhm einheimsen. Im Spital sind das Ärzte, auf der Uni sind es die Professoren. Aber was ist mit jenen, die dafür sorgen, dass die Kaffeemaschine funktioniert, dass die Toiletten sauber sind oder dass wir am Ende des Monats unser Gehalt bekommen? Auch Mitarbeiter, deren Tätigkeit hinter den Kulissen abläuft, haben Dank verdient.
  3. Qualität nicht Quantität
    Mitarbeiter zur Dankbarkeit zwingen ist keine gute Idee. Bleiben Sie authentisch. Ein Dankeschön, das vom Herzen kommt, wird besser aufgenommen, als auswendig gelernte Dankesfloskeln. Üben Sie freiwillige, spontane und vor allem ehrlich gemeinte Dankbarkeit bei jeder Gelegenheit.
  4. Schaffen Sie einen Rahmen für Dankbarkeit
    Idealerweise sollte es viele unterschiedliche Möglichkeiten geben, Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Forscher haben jedoch herausgefunden, dass Personen, die ein Dankbarkeits-Tagebuch führen, sich um ganze 25% zufriedener fühlen, als Personen, die dies nicht tun. Also: Warum dokumentieren Sie nicht alles, wofür Sie Ihren Kollegen, Ihrem Team, Ihrem Vorgesetzten oder ganz allgemein Ihrem Arbeitgeber, dankbar sind? Die Finanzabteilung der Berkeley University hat beispielsweise eine „Anerkennungs-Plattform“ ins Leben gerufen. Diese ermöglicht es Angestellten die Tätigkeiten der Kollegen zu würdigen. Oder wie wäre es mit einer „Dankbarkeits-Wand“, an der sich alle jederzeit bedanken können.
  5. Danksagungen in Zeiten der Krise
    Forschungen ergeben, dass dankbare Menschen besser mit Konflikten umgehen können und stressresistenter sind. Warum machen Sie Dankbarkeit nicht zur unternehmerischen Richtlinie? Dankbarkeit ermöglicht es Mitarbeitern auch über Krisen hinwegzusehen, ist der Psychologe Robert Emmons überzeugt. Emmons hat sich einige Fragen überlegt, die Unternehmen, die durch eine Krise gehen, unterstützen sollen: Was lernen wir aus der Krise? Können wir gar dankbar sein, für alles was passiert ist? Konnten wir uns durch die Krise weiterentwickeln und sind wir jetzt vielleicht sogar ein besserer Arbeitsplatz als vorher? Emmons ist überzeugt, dass man mit dieser Strategie gestärkt aus Krisen herausgehen kann. In diesem Sinne: danke, dass Sie diesen Text bis zum Schluss gelesen haben.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.