Cultural Fit
#Arbeitsmarkt & Studien | Andrea Heider

Cultural Fit

Mitarbeiterbindung dank Cultural Fit

„Ein Team zu haben, das gleiche Werte teilt, erhöht die Bindung, die Motivation, das Vertrauen untereinander und den Spaß bei der Arbeit.“ HR Business-Partner, Branche: Energie- und Wasserversorgung

Mitarbeiterfindung durch Cultural Fit – Wie gut passen Kandidaten ins Unternehmen? Ein Bewerber muss die richtigen fachlichen Qualifikationen mitbringen und von seiner Persönlichkeit her ins Unternehmen passen. Neben dem Professional Fit hat vor allem in den letzten Jahren auch der sogenannte Cultural Fit an Bedeutung gewonnen. Hard Skills lassen sich meist leicht überprüfen, Soft Skills und Cultural Fit hingegen sind oftmals erst bei genauerer Betrachtung erkennbar. Gibt es überhaupt eine Möglichkeit diese zu messen? Ja, die gibt es, die meisten Personaler wenden jedoch keine standardisierte Methode zur Messung des Cultural Fit an, dies ergab die „Cultural Fit Studie“ von metaHR Emplloyour talents and culture.

Genau genommen zeigt der Cultural Fit den Grad der unternehmenskulturellen Passung von Bewerber und Unternehmen an. „Unternehmenskulturelle Passung“ – das ist eine sperrige Formulierung, aber führt zum Erfolg. Die Studienautoren erklären Cultural Fit folgendermaßen: „Auf Unternehmensseite spielen dabei typische Kulturartefakte und (Verhaltens-)Rituale sowie tiefliegenden, nur teilbewussten kollektiven Wertevorstellungen eine Rolle. Demgegenüber haben Bewerber bevorzugte Handlungs- und Verhaltensstrategien für spezifische Situationen und eine eigene teilbewusste Wertehierarchie. Den Abgleich zwischen diesen Aspekten und den Grad dieser hierbei erzielten Übereinstimmung bezeichnet man als Cultural Fit.“ Oder anders gesagt: Je höher der Cultural Fit zwischen Unternehmen und Bewerber, desto besser, denn kulturpassende Kandidaten bringen nicht nur bessere Leistung, sondern sind auch zufriedener und weisen eine stärkere Mitarbeiterbindung auf.

Hoher Cultural Fit bei Führungspositionen erwartet

Die grundlegende Basis für Cultural Fit ist eine funktionierende Unternehmenskultur – ein wichtiges Thema für eine Mehrheit der befragten Personalverantwortlichen. Auch die kulturelle Passung von Bewerbern ist für 42,3% ein wichtiges, für 37,5% der Befragten ein eher wichtiges Thema. Vor allen in folgenden unterschiedlichen Funktionen ist ein hoher Cultural Fit ein Einstellkriterium: Top-Management und mittlere Führungsebene (70%), Personal (70%) Kundenservice (60%) und Marketing (57%). Von Führungskräften wird demnach eine besondere Kompatibilität mit der Unternehmenskultur erwartet. Wir wissen: Unternehmenskultur ist Chefsache.

Weniger bedeutend ist der Cultural Fit jedoch bei IT-Mitarbeitern (23%), bei Finance-Positionen (18%) und überraschender Weise auch bei Auszubildenden (32%). Die meisten Personaler sind sich also der Wichtigkeit von kultureller Passung von Kandidaten bewusst, diese ist jedoch auch stark von der zu besetzenden Position abhängig. Den Personalverantwortlichen zur Folge wirkt sich eine hohe kulturelle Passung nämlich enorm positiv auf Mitarbeiterbindung (62,5%), niedrige Recrutierungskosten (52 %) sowie gesteigerte Mitarbeitermotivation (49,3%) aus. Trotzdem nehmen nur 16,8% der Unternehmen für ihre Cultural Fit Vorgaben direkt Bezug auf die eigene Arbeitgebermarke. Bezüglich Employer Branding und Cultural Fit gibt es also noch Aufholbedarf. Tatsächlich erwartet nämlich jeder zweite Personaler, sich in Zukunft mehr mit dem Thema Cultural Fit auseinanderzusetzen.

„Hire for attitude, train for skills“

Was kann nun getan werden, um den Cultural Fit eines Kandidaten herauszufinden? Nun ja, relativ wenige Personalverantwortliche (8,8%) nutzen dafür ein standardisiertes Verfahren. Etwa 12% der Recruiter planen jedoch die Einführung eines solchen Verfahrens. Knapp die Hälfte (49,7%)der Befragten gibt an, kein spezielles Verfahren zur Ermittlung des Cultural Fits anzuwenden. Ein gutes Viertel der Befragten ermittelt den Cultural Fit mittels nicht standardisierten Verfahren. Das mit Abstand am meisten genutzte Verfahren ist das Face-to-Face-Interview (91%), gefolgt von der Auswertung der Bewerbungsunterlagen (80%), dem Telefoninterview (33%), AC (13%) oder Probetagen (19%). Am wenigsten verwendet werden Persönlichkeitstests.

Ein Recruiting-Tool für den Cultural Fit kann in der Personalauswahl ein guter Kompass sein. Der Schwerpunkt sollte dabei auf der Ermittlung der Wertepassung zwischen Kultur und Kandidat liegen. Unternehmenskultur basiert auf Werten. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass Karrierewünsche oder Work-Life-Balance keine Cultural-Fit-Aussagen, sondern viel eher lebensabschnittliche Vorlieben sind. Sie empfehlen nutzerfreundliche, fokussierte und wissenschaftliche Tools, etwa in Form von All-in-One-Tests für Cultural Fit, Skills, Motivation u.ä., die nicht länger als 10 Minuten dauern. Darüber hinaus empfiehlt es sich auch erstmals die eigene Kultur kennenzulernen, denn vor dem Cultural Fit steht der Blick nach innen. Doch wie geht das? In einem ersten Schritt, beispielsweise durch ein extern moderiertes Kulturfeedback oder einen Kulturworkshop mit HR-Vertretern und Vertretern aus anderen Bereichen des Unternehmens. Dabei können gelebte und gewünschte Leitwerte und typische Verhaltensweisen skizziert und hinterfragt werden.

Quelle: Cultural Fit Studie
metaHR Employour talents and culture.
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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.