chefsache empowerment
#Buchtipp | Andrea Heider

Chefsache Empowerment

Mitarbeiter richtig motivieren

„Seit ich mich selbst verwundbar zeige und mich konstruktiv und vorwurfsfrei ausdrücke, arbeiten meine Mitarbeiter selbstständig und eigenverantwortlich. Und hier liegt der Schlüssel zum modernen Management: in der Grundeinstellung, dass das Unternehmen wichtiger ist als der Unternehmer und sein Ego“ bringt Torsten Osthus Autor des Buches „Chefsache Empowerment“ seinen Führungsstil auf den Punkt.

Osthus ist Gründer und Geschäftsführer der Osthus GmbH. Das boomende Unternehmen mit Stammsitz in Aachen ist spezialisiert auf Beratung und Softwareentwicklung und hat Standorte in Deutschland, den USA, China und Israel. Seit 20 Jahren ist der Vollblutunternehmer in der Rolle des executive leaders, beschäftigt sich mit Führungssystemen und ist sicher: „Wirtschaft wird in Zukunft funktionieren wie Evolution. Business wird wie ein lebender Organismus, in dem alle Zellen zusammenspielen, um gemeinsam einen Nutzen zu erzeugen“. Osthus lebt sogar in seinem Unternehmen und schafft in der unternehmensinternen Akademie auch für seine Mitarbeiter Räume, ihre persönlichen und fachlichen Entwicklungsmöglichkeiten auszuschöpfen und ermächtigt sie, ihre Stärken zu entwickeln und einzusetzen.

„sich überflüssig machen, ist der Weg der Meisterschaft“

In dem gut lesbaren Buch fasst Osthus seine jahrelange Erfahrung als Unternehmer, Manager und Chef zusammen. Mit vielen Beispielen aus der Praxis berichtet er von persönlichen und beruflichen Erfolgserlebnissen, aber auch von Misserfolgen und Enttäuschungen. Dadurch wird das Buch spannend und vielseitig. Der Leser bekommt den Eindruck, dass Osthus ein empathischer, nachdenklicher und gleichzeitig zielstrebiger Manager ist, der seinen Mitarbeitern zuhört, ihnen Vertrauen und Wertschätzung entgegenbringt, aus Fehlern lernt und sich dadurch ständig weiterentwickelt.

Der Managementvordenker sieht Empowerment als Fundament für Unternehmenserfolg. Sein Motto ist: statt Macht von oben, Verantwortung von unten. „Sich überflüssig machen, ist der Weg der Meisterschaft“ – nach diesem Prinzip führt er jeden Falles seine Mitarbeiter. Allerdings weiß er aus eigener Erfahrung, dass es nicht einfach ist diese Empowerment-Idee umzusetzen. Er ist überzeugt: „Meist liegt es nicht an den Mitarbeitern, sondern an den Führungskräften und deren Einstellung, die im Verborgenen noch an ihrer Macht festhalten.“ Das eigene Ego in Zaum halten, Macht abgeben und Mitarbeiter ermächtigen, wäre in einer modernen Unternehmensführung jedoch eher angebracht.

Chefs müssen loslassen

Speziell patriarchalische Chefs oder Perfektionisten können oft schwer loslassen und übertreiben es dann mit der Kontrolle. Übertriebene Kontrolle kann im Extremfall zu Misstrauen und Überwachung führen. Osthus ist der Meinung, dass Perfektionismus in der Führung von Menschen nichts verloren hat und ein Führungsstil der Beherrschung, Gehorsam, Ordnung, Autorität und Fügsamkeit propagiert von vorvorgestern ist. Der Preis von zu viel Kontrolle ist nämlich, dass die persönliche Entwicklung aller Beteiligten auf der Strecke bleibt.

Freiheit und Entfaltung bedeutet allerdings nicht, Mitarbeiter alleine zu lassen, sondern vielmehr sie zu begleiten und zu befähigen. „Wenn ich einem Mitarbeiter Freiheit und Verantwortung gebe, ohne ihn zu begleiten, zu empowern, dann sind bei ihm Stress, Überforderung und schlechte Ergebnisse 100 Prozent garantiert, insbesondere dann, wenn das Zutrauen des Chefs fehlt“, so der Manager und Autor. Führungskräfte müssen also lernen loszulassen und zu vertrauen. Jedoch sollte dieses Abgeben von Verantwortung nicht mit Wegdelegieren verwechselt werden. Denn Druck Spüren, ohne Rückhalt zu haben, das ist für Mitarbeiter schwer auszuhalten

Fehlende Führung ist nämlich genauso gefährlich, wie übertriebene Führung, da ist sich Osthus sicher. Bei fehlender Führung dehnt jeder Mitarbeiter seinen Raum aus. Die erhaltenen Freiheiten werden dann oftmals nach persönlichen, nicht nach unternehmerischen Interessen eingesetzt. Ohne Richtung, fangen die Mitarbeiter an zu schwimmen. Je unklarer das Ziel desto mehr zerren verschiedene Kräfte in verschiedene Richtungen. Osthus ist überzeugt: „Wer sich aus dem operativen Geschäft vollständig zurückzieht, der begeht unternehmerischen Selbstmord“.

Gemeinsame Unternehmenswerte

Mitarbeiterführung ist also eine heikle Sache. Nicht jeder hat die Kompetenz dazu. Dennoch sind zufriedene Mitarbeiter für den nachhaltigen Unternehmenserfolg unerlässlich. Außerdem ist Osthus der Meinung, dass viele Führungskräfte sich nur ungerne mit ihrer eigenen Inkompetenz auseinander setzten. Ihm zufolge ist also etwas mehr Eigenkritik und Selbstreflexion auf Managementseiten angedacht. Unternehmen kümmern sich zwar um ihre Angestellten, jedoch hält die Marke nicht immer was sie verspricht. Etwa ein Viertel, der in einer Studie befragten Angestellten, ist mit ihrer Arbeitssituation unzufrieden, da sie zu wenig Anerkennung und Wertschöpfung vom Chef bekommen. Dies sollte zu denken geben!

Osthus ist überzeugt, eine Führungskraft, die die Bedürfnisse der Mitarbeiter missachtet, wird sie nicht als Menschen gewinnen. Eine Führungskraft, die Interesse zeigt, wird hingegen wache und aufmerksame Mitarbeiter haben. Ein gemeinsames Wertesystem ist ihm in seinem Unternehmen daher besonders wichtig. Damit eine von gemeinsamen Werten bestimmte Arbeitskultur entstehen kann, braucht es eine Art Codex. Osthus hat folgende Werte als Grundlage für den Unternehmenserfolg definiert: Verantwortung, Vertrauen, Ergebnisse und Lernen.

Fazit: Führungskräfte von Gestern setzen bei der Mitarbeiterführung auf Kontrolle und Überwachung. Oftmals ist es für Chefs nicht einfach, die Zügel aus der Hand zu geben. Eine moderner Manager sollte seinen Mitarbeitern vertrauen und sie selbstständig agieren lassen – jedoch immer beratend zur Seite stehen. Mit Sicherheit können sich einige Führungskräfte noch ein Scheibchen von Osthus jahrelanger Erfahrung abschneiden. Daher: Buch sehr lesenswert!

Torsten Osthus: „Chefsache Empowerment. Wie es einem Unternehmer gelingt, dass seine Mitarbeiter Verantwortung übernehmen und über sich selbst hinauswachsen.“
LINDE VERLAG Ges.m.b.H
163 Seiten
ISBN 978-3-7093-0599-7 (Print)

Bildnachweis: www.istockphotos.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.