Büro zum Wohlfühlen
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Büro zum Wohlfühlen

Gestylte Büros suchen Top-Mitarbeiter

Ganz ehrlich: Würden Sie Ihr Zuhause einrichten wie Ihr Büro? Für die meisten Arbeitnehmer lautet die Antwort auf diese Frage wohl Nein. Findige Unternehmen haben längst erkannt, dass in Büros, in denen die Mitarbeiter sich wohl fühlen, kreativer und produktiver gearbeitet wird und die Angestellten mehr Freude an ihrer Tägigkeit haben. Dabei geht es nicht darum, ein paar Grünpflanzen im Großraumbüro aufzustellen – wer wirklich auf die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter eingehen möchte, scheut auch vor größeren Umbauten und neuen Möbeln nicht zurück.

Besonders Google tut sich immer wieder mit Geschichten über eine verspielte Büroumgebung hervor. Tatsächlich sind Obstbäume und Kletterwände keine Seltenheit in deren Büros. Besprechungen werden in ausrangierten Seilbahngondeln abgehalten, riesige Rutschen verkürzen Wege innerhalb des Gebäudes, und zum Telefonieren können sich Google-Mitarbeiter in hölzerne Kabinen zurückziehen, die mit dickem Teppichboden ausgelegt sind.

Pastellfarbene Sofas und Büros mitten im Wald

Die spanische Architekturfirma Selgas Cano wiederum hat einen gesamten Bürokomplex mitten im Wald aufstellen lassen – Blick auf die Vegetation inklusive. In der Inventionland Design Factory werkt man in riesigen In-House-Baumhäusern oder auf einem Piratenschiff, beim Start-Up-Portal Airbnb sitzt man auf pastellfarbenen Sofas, kocht in einer bunt gefliesten Küche oder spaziert an Wänden voller Bilder vorbei. Dennoch gilt es, nicht zu viel des Gutes anzubieten, zeigt der britische Designer Tom Dixon in einem Interview mit der ZEIT überzeugt. „Manche Büroräumlichkeiten sehen aus wie Spielplätze. Neben meinem eigenen Büro hat Innocent Smoothies sein Headquarter, sie gehören jetzt zu Coca-Cola. Dort gibt es alles. Sie haben Sitzsäcke auf dem Boden, Sessel, die von der Decke hängen, Tischfußball und sogar eine Schaukelbanane. Das wird immer mehr zum Standard.“Er selbst arbeite hingegen lieber in der gedienen Atmosphäre eines altenglischen Herrenclubs, erzählt Dixon. „Der Club ist für mich etwas sehr Britisches, aber auch ein sehr modernes Thema. Der Club ist heute nicht nur Freizeitraum, sondern auch Arbeitsraum. Es sieht aus wie Vergnügen, ist aber Arbeit. Allerdings mit besserem Kaffee und bequemeren Stühlen.“

Bürosessel des Grauens

Bevor Unternehmen jetzt große Lederfauteuils und Zigarrenräume einrichten, sollten sie zunächst ihre eigenen Mitarbeiter befragen. Oft haben diese recht konkrete Vorstellungen davon, wie das Büro zum Wohlfühlen sein soll –  oft mit ganz bescheidenen Mitteln. So sorgt das zusätzliche Einrichten von Meetingräumen oft schon für Entlastung, ein paar Sofas in einem anderen Zimmer können als mobile Arbeitsplätze dienen, wenn jemand genug vom klassischen Bürosessel hat.

A propos Bürostuhl: Nicht jedes Unternehmen ist diesbezüglich so gut bestückt. Ofmals harren Mitarbeiter auf harten, unverstellbaren Gestellen aus, die Bandscheibenprobleme anlocken wie das Licht die Motten. Ein erster Schritt der Arbeitgeber wäre daher, mit Hilfe eines Arbeitsmediziners ergonomische Tests durchzuführen und seine Mitarbeiter anschließend auf gut geformten Sesseln zu setzen. Auch Stehen setzt sich im Büroalltag immer häufiger durch: Flexible Pulte ermöglichen ein Verstellen des Arbeitsgerätes in jede beliebige Höhe. Als Alternative zum Sitzen ist Stehen jedoch nur bedingt geeignet: Je länger man in einer bestimmten Haltung ausharrt, desto wahrscheinlicher verfällt man in Zwangshaltungen, welche besonders die Bandscheiben über längere Zeit übermäßig belasten und zu Problemen führen.

Mit dem Vierbeiner ins Büro

Grundsätzlich raten Mediziner daher, öfter zwischen verschiedenen Haltungen zu wechseln und viel Bewegung zu machen. Eine Möglichkeit dafür ist, seinen Vierbeiner von zu Hause ins Büro mitzubringen. Wer die Genehmigung vom Chef erhält und einen halbwegs stubenreinen Hund sein Eigen nennt, kann damit nicht nur für sich selbst positive Wirkung erzielen: Studien zeigen, dass allein die Anwesenheit eines Tieres im selben Raum den Bluthochdruck und das Stressempfinden senkt sowie die Produktion von freien Radikalen verringern. Firmen wie das Softwareunternehmen Zynga legen sogar eigenen Kunstrasen im Büro aus, auf dem sich die Hunde austoben – und mitunter auch erleichtern – können.

Die Fakten sind bekannt – und doch halten sich nur wenige Arbeitgeber daran, erzählt Rudolf Schricker, Professor an der Fakultät für Design der Hochschule Coburg und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Innenarchitekten, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Die meisten Büros in Deutschland sind so eingerichtet, dass sich die Mitarbeiter darin nicht wohlfühlen können.“ Es reiche nicht, dass Möbel nur schön aussehen, sagt er: Die Mitareiter müssten das Gefühl haben, Herr über den eigenen Arbeitsplatz zu sein. Doch in Zeiten von Corporate Identity und Sparzwang bestellen viele Unternehmen lieber 600 Mal den gleichen Schreibtisch im Großauftrag, als auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Belegschaft einzugehen.

Durchdachtes Arbeitsumfeld – höhere Produktivität

Dass das keine so gute Idee ist, zeigt eine Studie des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation. Bei einer durchschnittlichen Produktivitätsrate in deutschen Büros von 60 Prozent könnte diese durch Verbesserungen im Arbeitsumfeld und -ausstattung – etwa durch ergonomisch günstig gestaltete Arbeitsplätze – um 36 Prozent gesteigert werden. Auch Herausforderungen wie zu lange Wege oder schlecht durchdachte Raumanordnungen und zu wenige informelle Treffpunkte für die Mitarbeiter sollte nach Ansicht der Forscher in Angriff genommen werden.

Letztendlich ist es zweitrangig, ob man in einem top gestylten Designer-Büro arbeitet oder im Container vor sich hin werkt: Wenn das Betriebsklima stimmt und die Mitarbeiter sich wohl fühlen, ist selbst das schäbigste Büro ein Ort, an dem man sich gerne aufhält.

 

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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