Boomerang Recruiting
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Boomerang Recruiting

Ehemalige Mitarbeiter wieder ins Boot holen

Die deutsche Bahn hatte ein Problem: Weil es zu wenig Fahrdienstleiter gab, musste zahlreiche Züge ausfallen. Der Regionalverkehr war eingeschränkt, internationale Züge wurden umgeleitet. Da zu wenige Fachkräfte vorhanden waren, um die Situation zu normalisieren, griff das Unternehmen auf einen Trick zurück – und rekrutierte ehemalige Mitarbeiter. „Boomerang Recruiting“ nennt sich diese Vorgangsweise, und sie ist gerade in Zeiten hoher Frühpensionierungsraten bei gleichzeitigem Fachkräftemangel eine gute Möglichkeit, die Belegschaft halbwegs stabil zu halten, ohne Know-How zu verlieren oder mühsam wieder anlernen zu müssen.

Experten schätzen, dass 15 bis 20 Prozent aller vakanten Positionen über Alumni-Netzwerke ehemaliger Angestellter besetzt werden können. Eine Verbindung über LinkedIn oder Facebook reicht oft schon aus, um ehemalige Mitarbeiter über offene Stellenagebote auf dem Laufenden zu halten und bei Bedarf auf ihre Arbeitskräfte zurückgreifen zu können. Vor allem die Kosten fallen ins Auge, zieht man ehemalige Angestellte in Betracht – ein langwieriger und teurer Recruiting-Prozess entfällt. Nachdem beide Parteien einander schon kennen, gibt es eine weitaus größere Wissensbasis als es ein Lebenslauf oder ein punktuelles Bewerbungsgespräch je liefern könnten.

Höhere Bleiberate bei Boomerang-Angestellten

Weil der ehemalige Mitarbeiter zudem bereits mit dem Unternehmen vertraut ist, ist die Bleiberate höher als bei Neueinstellungen, sagen Experten – schließlich weiß er oder sie bereits, auf was er sich einlässt. Auch die Entwicklung des Unternehmens kann von der Wiedereinstellunge eines ehemaligen Mitarbeiters profitieren, sagt Brad Harris von der Unvierstität Illinois, der Bomerang-Angestellte im Rahmen einer Studie untersucht hat. „Arbeitnehmer, die für die Konkurrenz tätig waren, können einiges an Know-How mitbringen, verstehen die Organisationskultur und wissen, dass das Gras auch auf der anderen Seite nicht immer grüner ist.“

Vor allem Angestellte, die aus persönlichen Gründen gehen müssen – etwa wegen einer Schwangerschaft oder einem ungeplanten Umzug – könnten teure Neueinstellungen obsolet machen. Allein in den USA suchen aktuell mehr als die Hälfte der Unternehmen, die in der Vergangenheit große Kündigungswellen hinter sich gebracht haben, wieder Personal, bestätigt eine aktuelle Studie von Accenture. Qualifizierte Leute zu finden, die genau das können, was die Firmen brauchen, wird jedoch immer schwieriger. Die Lücke füllen sollen nun ehemalige Angestellte. Um diese zu rekrutieren und möglichst reibungslos wieder ins Unternehmen zu integrieren, sollten jedoch einige Punkte beachtet werden.

Top-Performer wieder ins Boot holen

Vor der Wiedereinstellung sollten HR-Verantwortliche die genauen Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der zu besetzenden Position definieren. John Sullivan von der Universität San Francisco: „Man bittet nicht jeden zurück. Man holt sich die Top-Performer wieder.“ Auch ein Bewerbergespräch sollte nicht umgangen werden, rät der Experte. Was hat sich in der Zwischenzeit getan, mit welchen Erwartungen kommen ehemaliger Angestellter und Arbeitgeber aufeinander zu? Zudem sollten die Umstände, unter denen der ehemalige Mitarbeiter das Unternehmen verlassen hat, genauer unter die Lupe genommen werden.

Bereits vor der Wiedereinstellung können Unternehmen sich über ein Exit-Interview positiv im Gedächtnis verankern. Dabei sollten Personaler nichts beschönigen: Stehen wirtschaftliche Gründe hinter der Kündigung, sollten diese angesprochen und erläutert werden. Weil sich die Umstände aber auch ändern können, kann man bereits an dieser Stelle erfragen, ob sich der Mitarbeiter eine Rückkehr vorstellen kann, sollten die Voraussetzungen wieder stimmen. Um das Boomerang Recruiting firmenintern positiv zu verankern, raten Experten Unternehmen, ihre Mitarbeiter immer wieder daran zu erinnern, dass ihnen auch nach ihrer Kündigung ein Wiedereinstieg möglich ist. So könne man langfristige Beziehungen aufbauen und Personalengpässe vermeiden.

Beziehungen neu aufbauen

Auch ehemalige Mitarbeiter, die sich nach der Pensionierung noch beruflich verwirklichen wollen, frühere Praktikanten oder Freelancer aus vergangenen Projekten sind für das Boomerang Recruiting bestens geeignet. „Gehen Sie regelmäßig durch die Liste Ihrer ehemaligen Angestellten und suchen Sie potentielle Kandidaten für eine Wiedereinstellung heraus“, rät Sullivan. Um eine Beziehung zu ihnen auf neue Füße zu stellen, kann man diese Mitarbeiter auch für eine Probezeit oder als Berater an Bord bringen und sehen, ob das funktioniert.

Passt alles, sollte vor allem der Neueinstieg des ehemaligen Kollegen gut begleitet werden. Wie für jeden anderen Mitarbeiter, sollte auch hier klar kommuniziert werden, warum man sich für diese Person entschieden hat und welche Fähigkeiten sie mitbringt, um das Team gut zu ergänzen. Der Wiedereinsteiger sollte ein Briefing über die aktuelle Unternehmenssituation ebenso erhalten wie konkrete Arbeitsaufgaben und längerfristige Ziele, die es zu erreichen gilt.

Nicht zuletzt spielt auch der soziale Aspekt eine große Rolle: Sowohl den zurückgekehrten als auch den alteingesessenen Mitarbeitern sollte Zeit gegeben werden, sich in die neue Situation einzufinden. Wird dieser Prozess auch seitens der Unternehmensführung gut begleitet, kann die Rückkehr eines ehemaligen Mitarbeiters sich sogar positiv auf die Stimmung in der Belegschaft auswirken – und Leute wieder an einen Tisch bringen, die schon früher gut als Team funktioniert haben.

Bildnachweis: www.thinkstock.de



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