Big Data-Scientists: kaum zu finden
#Trends im Recruiting | Barbara Oberrauter

Big Data-Scientists

Jung, sexy, kaum zu finden

Big Data-Scientists – Jung, sexy, kaum zu finden. Die Nähe zum jeweiligen Business gehört dazu, um aus Big Data Smart Data zu machen. Fragt man Bewerber danach, welche Jobs sie sexy finden, so würden vermutlich nur wenige den Beruf des Datenanalysten nennen. Und doch ist der Data Scientist der „sexiest job“ des 21. Jahrhunderts – wenn man dem Voting des Harvard Business Review Glauben schenken darf. Tatsächlich sind jene Experten, die Algorithmus gestützt große Datenmengen analysieren und daraus Prognosen ableiten können, im Moment am Markt so begehrt, dass sich die meisten Unternehmen gar keinen Data Scientist leisten könnten. Wenn sie denn überhaupt einen fänden: Laut einer Studie von MGI und McKinsey fehlen alleine in den USA zwischen 140.000 und 190.000 Personen auf analytischer Ebene, die in der Lage sind, aus riesigen Datenmengen Vorhersagen und Prognosen zu errechnen.

Data Scientists brauchen neben IT- auch Fachkompetenz

Weltweit schätzt das Statistik-Portal Statista einen Bedarf von mehr als vier Millionen Fachkräften für 2015. Spezifische Ausbildungen gibt es zwar, aber erst seit kurzer Zeit. Erste Absolventen werden daher erst in einigen Jahren für den Arbeitsmarkt verfügbar sein. Gebraucht werden sie aber schon jetzt: Bis 2016 werden dank Big Data 4,4 Millionen neue Jobs entstehen, prophezeien die Marktforscher von Gartner. Für den Umgang mit Datenmengen, die in die Terabyte-Regionen reichen, ist ein solider Hintergrund im Business-Bereich gefragt: „Gute Data Scientists wählen diejenigen Fragestellungen und Herausforderungen aus, die den höchsten Wert für das jeweilige Unternehmensziel darstellen“, definiert der Softwaregigant IBM den potentiellen Einsatzbereich.

Das bestätigt auch Angelika Voss vom deutschen Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS: Sie definiert drei Felder, auf denen künftige Big Data-Spezialisten firm sein sollten, wenn entsprechende Analysen sinnvoll im Unternehmen eingesetzt werden sollen. „Zunächst einmal müssen Data Scientists IT-Experten sein, die Systeme und Anwendungen für den Umgang mit großen Datenmengen entwickeln können. Zusätzlich brauchen sie Analysekompetenzen, um aus den gewonnenen Daten auch Ergebnisse zu extrahieren. Und nicht zuletzt ist die Fachkompetenz ganz wichtig – die Nähe zum jeweiligen Business gehört dazu, um aus Big Data Smart Data zu machen.“

Datenexperten im eigenen Haus finden und weiterbilden

Das Problem, so Voss: „Genau diese Kombination ist derzeit fast nicht zu kriegen. Diese Leute werden überall gesucht.“ Unternehmen sollten daher versuchen, weiterbildungsfähige Talente im eigenen Haus zu entdecken: „Die meisten Firmen haben schon Datenexperten bei sich sitzen, beispielsweise in der IT oder im Bereich Business Intelligence. Der Schritt hin zum Big-Data-Spezialisten bedeutet, ihnen das nötige Know-how an die Hand zu geben, um neben der Analyse der Vergangenheit auch Modelle erstellen zu können, die eine Prognose der Zukunft möglich machen.“

Oft reicht eine einzige Person aber nicht aus, um verwertbare Voraussagen erstellen zu können: „Am besten bildet man Teams aus Geschäftsfachleuten, Analysten und IT-Spezialisten. Jeder bringt sein eigenes Fachwissen ein, damit können Projekte im Datenbereich einfacher abgearbeitet werden“, sagt Voss. Sie rät Personalern, auch Absolventen anderer Studiengänge in Betracht zu ziehen, wenn es um den Aufbau von Big Data-Teams geht. „Physiker zum Beispiel haben oft mit großen Datenmengen und statistischen Berechnungen zu tun, aber auch Analysten aus den Life Sciences. Sie alle arbeiten mit Verfahren, die man für die Verarbeitung von Big Data brauchen kann.“ Genau dieser Blick über den Tellerrand ist es, der für den Umgang mit großen Datenmengen so wertvoll ist: Es geht schließlich nicht um stures Abarbeiten von Suchalgorithmen, sondern um die Einbindung von Datenanalysen in das große Ganze.

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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.