Apply Live
#Trends im Recruiting | Andrea Heider

Bewerben mit Apply live

Eine Bewerbung wie ein Blinddate

Bewerben mit Apply live – Früher war alles einfacher: Wer einen Job wollte ist aufgebrochen, um sich höchst persönlich vorzustellen beim Chef seiner Wahl. Heute ist alles anders: langwierige Bewerbungsprozesse, Kandidaten, die ewig auf eine Antwort warten auf der einen Seite. Überforderte Personalabteilungen, die sich vor E-Mail Bewerbungen nicht mehr retten können, auf der anderen Seite. Immer öfter werden Maschinen eingesetzt, um passende Bewerbungen herauszuklauben. Robert Kastner von Apply Live denkt jedoch gerne einen Schritt zurück und ist überzeugt: das persönliche Gespräch muss der eigentlichen Bewerbung vorgelagert werden. Denn nur, wer sich wirklich für einen Job interessiert, greift auch zum Telefonhörer. JOBnews hat Robert Kastner von Apply Live zum Interview gebeten.

JOBnews: Was ist Apply live?

Robert Kastner: Apply live ist ein Terminsystem für Stelleninserate. Für Bewerber ist es eine 100%ige Chance auf einen persönlichen Kontakt zum Entscheidungsträger. Im Vorfeld werden keine Unterlagen gesendet. Bei Apply Live steht das Gespräch im Vordergrund und dann folgen erst schriftliche Bewerbungsunterlagen. Das ist ein bisschen back to the roots, denn früher sind die Leute auch persönlich vorbeigekommen, um für einen Job vorzusprechen.

Wie ist Apply Live entstanden?

Eigentlich ist Apply Live aus einem EU-Projekt entstanden, in dem es um Gleichberechtigung geht. Auch bei Apply Live geht es um Gleichberechtigung. Bewerber bekommen die Chance sich persönlich zu präsentieren. Man kann mich nicht aussortieren, egal wie ich aussehe, wo ich herkomme, wie mein Name lautet oder wie alt ich bin.

Wie kann man sich diese Art der Bewerbung vorstellen?

Die Firma gibt Termine ein und entscheidet, ob die Bewerbung telefonisch über Skype oder richtig live, also persönlich erfolgt. Die Termine sind mit 10-15 Minuten sehr kurz gehalten. Die Bewerber bekommen von der Firma ein Aviso und können sich somit auf den Termin gut vorbereiten. Personaler müssen sich also nicht vor zahlreichen Anrufern fürchten, da die Termine vorab vergeben werden. Ich kann Zeitpunkt und Anzahl der Termine bestimmen.

Wie sieht so ein Aviso aus?

Bei der „Live-Bewerbung“ fallen viele Hürden weg, ich rede direkt mit dem Geschäftsführer, der die Entscheidungen trifft. Die Frage ist allerdings, was rede ich mit ihm, daher bekommen Bewerber vorab ein Aviso. Es enthält sämtliche Erwartungen des Unternehmens und alles, was beim ersten Termin besprochen wird.

Weiß der Geschäftsführer mit wem er es zu tun hat?

Nein. Auch der Geschäftsführer weiß nicht, mit wem er redet. Es ist wie ein Blind-Date. Dabei ist natürlich das Bauchgefühl enorm wichtig. Apply Live ist, wenn man so will, das Gegenteil zu komplett entpersonalisierten Bewerbungsverfahren, bei denen Kandidaten mittels Algorithmen ausgewählt werden. Mein Verfahren ist sogar hard-core-steinzeitlich. Es geht darum zum Menschen hinzuschnuppern und sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen. Wenn man nichts sieht muss man sich wieder auf seine Urinstinkte verlassen. Ich bin überzeugt: Menschen treffen bessere Entscheidungen, als Maschinen.

Warum braucht eine moderne Personalabteilung Apply Live?

Bewerber haben meist zwei Strategien: entweder sie suchen sehr individuell und nehmen sich Zeit für Ihre Bewerbungsunterlagen oder sie schießen 100 Bewerbungen raus – oft haben sie nur den Jobtitel gelesen und sich die Stellenanzeige gar nicht genau angesehen. Apply Live entspricht der ersten Variante: Nur wer den Job wirklich will bewirbt sich auf diese Weise. Die Bewerber melden sich pünktlich und verlässlich, wenn sie ein Aviso bekommen. Das funktioniert auf die Sekunde. Wenn Sie einen Schlosser suchen, dann meldet sich kein Bäcker. Eine Flut an unpassenden Bewerbern wird nur über die E-Mail Bewerbung kommen, nicht jedoch über unser System. Apply Live ist ein roter Teppich, den man Bewerbern auslegt. Es geht darum keine Perle zu übersehen. Als Personalverantwortlicher oder Geschäftsführer gebe ich etwas sehr wertvolles, nämlich meine Zeit. Ich frage nicht nach Unterlagen, sondern gebe meine Zeit, das ist ein Beziehungsangebot. Dadurch wird klar: wer so handelt lebt und denkt wie eine Open Company – aber nicht nur als Lippenbekenntnis.

Und am Ende des Erstkontaktes?

Am Ende des Erstkontaktes wird gleich eine Entscheidung getroffen. Nämlich ob die Bewerbung weiter geht oder nicht. Wenn es weiter geht, dann wird der Bewerber im zweiten Schritt aufgefordert, seine Bewerbungsunterlagen zu schicken. Ich führe zwar mehr Erstgespräche, habe aber wesentlich weniger Unterlagen. Als Unternehmen kann ich damit Zeit sparen.

Danke für das Gespräch!

Infos: www.apply-live.com
Bildnachweis: www.istockphoto.com



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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.