Betriebliches Gesundheitsmanagement
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Betriebliches Gesundheitsmanagement

Ein gesunder Arbeitsplatz

Es ist eine Tatsache: Die Menschen leben immer länger. Dass sie dabei auch immer gesünder bleiben, dafür sorgt nicht nur verbesserte medizinische Versorgung. Auch Firmen investieren einiges in das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter. Nicht zuletzt in Zeiten von Fachkräftemangel und Nachwuchssorgen ist dies eine ideale Möglichkeit, sich von Mitbewerbern abzuheben und Talente im Unternehmen zu halten. Was man dabei beachten sollte und warum der Obstkorb in der Küche nicht gleich gutes betriebliches Gesundheitsmanagement bedeutet, erklärt Dr. Gerhard Klicka von der Unternehmensberatung Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement im Interview mit JOBnews.at.

JOBnews: Herr Klicka, was kann man sich unter dem Begriff betriebliches Gesundheitsmanagement vorstellen?

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Gerhard Klicka: Manche Unternehmen verstehen darunter den gesunden Apfel und die Teilnahme eines Firmenteams beim Marathon. Gesundheitsmanagement ist aber mehr als nur ein bisschen Turnen: Zum einen geht es darum, die Gesundheit der Mitarbeiter wieder herzustellen, wenn etwas passiert ? Stichwort Arbeitsunfälle. Ein zweites großes Thema ist die Absicherung der physischen und psychischen Gesundheit des Arbeitnehmers im Rahmen des Arbeitnehmerschutzgesetzes. Und schließlich soll auch die Gesundheit der Mitarbeiter gefördert werden. Dieser Punkt nimmt immer mehr an Bedeutung zu, gerade hinsichtlich steigender Lebensarbeitszeit und ?erwartung.

Warum überhaupt betriebliches Gesundheitsmanagement?

Zunächst hat das ganz klare unternehmerische Vorteile: In Studien hat man festgestellt, dass Unternehmen, die ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement haben, der Umsatz pro Kopf höher ist als in Firmen, die nichts oder nur sehr wenig für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun. Außerdem kann eine betriebliche Gesundheitsförderung generell die Motivation der Mitarbeiter steigern: Wenn sie eine Tätigkeit ausüben, die sie handhaben können und ihnen einen Sinn gibt, kann das auch eine Quelle von Gesundheit sein und einem Struktur und Halt vermitteln. Grundsätzlich entsteht Gesundheit durch Produktivität und nicht vom auf der Couch liegen und Fernsehen. Dieses Wissen versuchen Betriebe mittlerweile einzubauen.

Wie ist betriebliche Gesundheitsförderung aufgebaut?

Ein Ansatz beschäftigt sich mit dem Verhalten der Person hinsichtlich Ernährung, Bewegung, Entspannung. Da spielen auch mit Suchtthematiken wie Alkohol und Rauchen eine Rolle.  Daneben halte ich es aber für enorm wichtig, Verhältnisse und Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass man die Probleme an der Wurzel packt und nicht nur Symptome bekämpft.

Gesunde Arbeitsbedingungen schaffen: Wie gelingt das?

Am Anfang steht eine Ist-Analyse: Welche Angebote gibt es schon, was hat sich bewährt, welcher Bedarf besteht bei den Mitarbeitern? Dann kann man etwa Gesundheitsdaten erheben, Blutdruck oder Cholesterin und schauen, wie gesund die Belegschaft überhaupt ist. Wichtig ist, die Mitarbeiter von Anfang an mit einzubinden – sie sind schließlich die Experten für ihre eigene Gesundheit. Am Schluss folgt die Zielsetzung, die mit allen abgestimmt und besprochen wurde.

Was sind gesunde Ziele?

Schnell umsetzbar sind etwa ergonomische Maßnahmen: Durch einfaches Umstellen der Arbeitsplätze kann man Haltungsschäden vorbeugen. Auch bei Kälte und Hitze im Büro kann man schnell spürbare Erfolge erzielen. Maßnahmen, um die körperliche Gesundheit der Mitarbeit sicherzustellen, greifen auch recht rasch: Vorsorgeuntersuchungen, Impfpläne, Begehungen des Arbeitsmediziners, aber auch das Trainieren von Ausgleichsübungen in Kurzpausen oder Sehtests, um Augenschäden vom Bildschirmarbeiten rechtzeitig zu erkennen und vorzubeugen.

Wie sieht Gesundheitsförderung im größeren Maßstab aus?

Mittelfristig könnte man beispielsweise die Führungskräfte zum Thema psychische Krankheiten oder hinsichtlich gesunder Führung schulen. Eher langfristige Maßnahmen betreffen Umbauten am Unternehmenskomplex oder eine Änderung der Unternehmensstruktur. Insgesamt geht man davon aus, dass ein sinnvoller Zeitrahmen für betriebliche Gesundheitsförderungsprojekte etwa drei Jahre beträgt. Diese können übrigens auch vom Fonds Gesundes Österreich gefördert werden.

Sie haben vorhin auch die psychische Gesundheit angesprochen.

Das wird als Thema immer wichtiger. Gerade in Dienstleistungsbetrieben kommen psychische Belastungen eher vor als Arbeitsunfälle: Multitasking und ständige Erreichbarkeit sind die neuen Krankmacher. Da sind Unternehmen gefordert, Hilfestellung auch von der psychischen Seite anzubieten, unter anderem zu den Themen Abgrenzung und Selbstschutz.

Welche Rolle spielen Führungskräfte beim Thema betriebliches Gesundheitsmanagement?

Eine sehr wichtige. Wo gearbeitet wird, arbeitet man ja mit Menschen zusammen, man hat ein soziales Netzwerk. Das kann eine wichtige Stütze und Quelle für die Gesundheit sein – wenn man es richtig angeht. Führungskräfte tun gut daran, das Thema Gesundheit als modernen Managementansatz zu sehen und nicht als Sozialleistung. Vorgesetzte haben zudem eine große Vorbildwirkung: Wie sie mit ihren eigenen Ressourcen umgehen, hat großen Einfluss auf das Verhalten des Teams.

Gibt es auch absolute No-Go’s beim betrieblichen Gesundheitsmanagement?

Wenn man so etwas im Unternehmen einführt, muss man sich von vornherein klar werden, was man will und was nicht. Wenn man falsche Erwartungen weckt und seine Mitarbeiter enttäuscht, kann das schnell in die Gegenrichtung ausschlagen. Das Wichtigste ist die Kommunikation: Mitarbeiter fühlen sich sicher, wenn man ihnen konkret sagt, warum man diese oder jene Maßnahme setzt und welche Ziele dahinter stehen. Sonst bringt man die Leute vielleicht noch gegen sich auf, weil sie glauben, sie sollen jetzt noch mehr für den Arbeitsprozess optimiert werden.

 

Mehr Info zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement:
Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement: http://www.ibg.co.at/
Fonds Soziales Österreich: http://www.fgoe.org/

Bildnachweis: www.thinkstock.de, Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement



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