Betriebliche Kinderbetreuung
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Betriebliche Kinderbetreuung

Mit Kind und Kegel in die Firma

Wer betreuungspflichtige Kinder im Kindergarten- oder Schulalter daheim hat, kennt das Problem: Wohin mit dem Nachwuchs, wenn in der Firma Überstunden zu leisten sind oder der Partner keine Zeit hat, das Kind aus dem Kindergarten abzuholen? Einige Firmen springen in solchen Fällen mit speziellen Betreuungsleistungen ein. Österreichweit leisten sich rund 160 Unternehmen eine eigene Kinderbetreuung, hat eine Studie am österreichischen Institut für Familienforschung an der Universität Wien ergeben. Krankenanstalten, Industrie und Universitäten sind Vorreiter in Sachen betrieblicher Kinderbetreuung, das Schlusslicht bilden Handel, Interessensvertretungen und Gewerbe. Die meisten Unternehmen lagern die Kinderbetreuung übrigens an professionelle externe Anbieter aus, so das Fazit der Studie. Betriebsübergreifend wird dabei kaum gearbeitet: Nur 22 Prozent der Firmen schließen sich zusammen. Die meisten Angebote gibt es für Kinder im Vorschulalter: Ein- bis Fünfjährige sind die häufigsten Besucher im Betriebskindergarten.

Mit Kinderbetreuung zum Recruiting-Star

Von verbesserter betrieblicher Kinderbetreuung erhoffen sich die Unternehmen einiges: Zum einen soll Eltern so der Wiedereinstieg nach der Karenz schneller ermöglicht und wichtiges Know-How im Unternehmen gehalten werden. Aber auch für das Firmenimage ist die Sorge für die jüngsten Unternehmensmitglieder ein Gewinn. Gerade bei Recruiting-Engpässen kann das Betreuungsangebot für die Jüngsten den Ausschlag für dringend gesuchte Fachkräfte geben. Zudem weisen Mitarbeiter, denen solchermaßen unter die Arme gegriffen wird, eine höhere Loyalität und Bindung an die Firma auf und arbeiten generell entspannter, wenn sie ihre Kinder gut betreut wissen. „Die hohe Nachfrage an ganzjähriger Kinderbetreuung und Frühkindpädagogik wurde einer Erhebung zufolge im Raum Kärnten nicht ausreichend gedeckt. Darauf haben wir reagiert“, erzählt Monika Kircher, Vorstandsvorsitzende der Infineon Austria. Das Unternehmen hat mit dem International Day Care Center eine biliguale Betreuungseinrichtung für Kinder von ein bis sechs Jahren geschaffen. Die Resultate überzeugen, so Kircher: „Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde mit der ganztägigen Betreuung ein wichtiges Zeichen gesetzt: Eltern können zwischen sieben Uhr morgens bis halb sechs abends flexibel Kinder bringen und abholen, und das auch in Ferienzeiten. Insgesamt gibt es nur sehr wenige Schließtage und die flexibel gestaltete Öffnungszeitenregelung geht beispielsweise auch auf die Bedürfnisse von Mitarbeitern im Schichtbetrieb ein.“

Investition in Kinderbetreuung lohnt sich trotz der Kosten

Betriebliche Kinderbetreuung gibt es nicht umsonst: Auch wenn landes- und bundesweit Förderungen beantragt werden können, geben 75 Prozent der befragten Unternehmen an, einen Kostenbeitrag zur Kinderbetreuung leisten zu müssen. Vor allem Klein- und Mittelunternehmen scheuen oft noch vor Investitionen zurück. Dabei gibt es neben dem klassischen Firmenkindergarten zahlreiche Varianten, den Nachwuchs der Mitarbeiter betreuuen zu lassen, zeigt das Familienministerium in einer Broschüre zum Thema auf. Ob Tagesmütter, die im Schichtdienst eine gesamte Arbeitswoche abdecken, oder eine Zusammenarbeit mit bereits vorhandenen lokalen Kinderbetreuungseinrichtungen, die Angebotspalette ist breit. Beim steirischen Unternehmen Great Lengths werden Kinder beispielsweise von Betriebstagesmüttern betreut. Das Unternehmen gewinnt eigenen Angaben zufolge dadurch vor allem beim Recruiting: „Welche Firma hat schon eine interne Kinderbetreuung, die auch Müttern flexible Teilzeitarbeit ermöglicht?“, heißt es aus dem Unternehmen. Die Universität Wien bietet ihren Mitarbeitern die Unterstützung so genannter „flying nannies“: Bei längeren Sitzungen und Fortbildungen bzw. während schulfreier Tage wird Kinderbetreuung genau zu dem Zeitpunkt und an dem Ort geboten, wo sie benötigt wird.

Bedarfsanalyse und verschiedene Betreuungsmodelle

Das Familienministerium rät, in einem ersten Schritt zunächst den Bedarf zu klären: Wie viele Kinder gäbe es zu betreuen, wie alt sind sie, und wann genau muss eine Betreuung gewährleistet sein? Erst danach können spezifische Maßnahmen geplant und umgesetzt werden. Dabei muss jedes Unternehmen für sich überlegen, wie viel investiert werden kann und wie dauerhaft das Engagement sein soll. Einige Unternehmen bieten auch nur punktuelle Kinderbetreuung an, etwa bei Firmenfeiern oder in den Ferienzeiten. Auch Spielgruppen oder die Nachmittagsbetreuung von Schulkindern sind eine Möglichkeit, Eltern im Betrieb zu entlasten. Davon profitieren auch Unternehmen: Studienergebnisse bestätigen, dass in familienfreundlichen Unternehmen 23 Prozent weniger krankheitsbedingte Fehltage als im Durchschnitt anfallen. Zudem wirkt sich mehr Produktivität durch Freude an der Arbeit und am Arbeitsplatz nachhaltig betriebswirtschaftlich positiv aus. Auch Professionalität, Qualität, Eigenverantwortung und Vertrauen steigen und schaffen sowohl ein angenehmes Betriebsklima, in dem sich um die Belange der Kunden zuvorkommend und vorbildlich gekümmert wird. In Kinderbetreuung zu investieren, ist also für Unternehmen rundum gesehen ein Gewinn. INFO: Leitfaden Betriebliche Kinderbetreuung



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