Ausgebrannte Manager - Kommunikation im Burnout.
#Work & Life | Andrea Heider

Ausgebrannte Manager

Kommunikation im Burnout

Müde, antriebslos und leer – dies kann das Resultat von ständiger Überlastung am Arbeitsplatz sein. Die Anzahl der psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz hat sich seit Mitte der 1990er Jahre verdoppelt. Einerseits hat dies möglicherweise mit sensibleren ärztlichen Diagnosen zu tun, andererseits aber bestimmt auch mit veränderten Arbeitsbedingungen in einer globalisierten, digitalisierten, schnelllebigen Welt, in der ständige Verfügbarkeit zur Normalität geworden ist: am Wochenende E-Mails beantworten, im Urlaub das Handy eingeschalten lassen. Wochen mit 60 Arbeitsstunden, eine nie kleiner werdende Flut an E-Mails, Verzicht auf Freizeit, Familie oder Hobbies. Panikattacken, Depression und Erschöpfung: Diagnose Burnout. Vorallem ausgebrannte Manager sind keine Seltenheit.

„Bei einem Burnout geht es um das Gefühl, ausgeliefert zu sein, im Gegensatz zur Dominanz. Betroffene empfinden Gefühle der Hilfslosigkeit und Ohnmacht.“ erklärt Evelyne Huber, Gesundheitsjournalistin, Kommunikationstrainerin und Autorin des Buches „Burn-out bei Führungskräften – warum auch Mitarbeiter leiden“ im Gespräch mit Jobnews. Ausgelöst werden diese Gefühle durch zu hohe Werte und zu hoch gesteckte Ziele und die Unmöglichkeit diese zu realisieren. Ein Zustand der Erschöpfung, Kraft- und Energielosigkeit mit seelischen und körperlichen Symptomen entstehe, so die Autorin.

Im Hamsterrad

Die Ursachen für diese Stresssymptome können vielfältig sein. „Es fehlen Muster und alternative Handlungsmöglichkeiten wie mit diesen umgegangen werden kann. Daher wird mit ständig steigendem Aufwand an Energie versucht, die Stresssituation auszugleichen,“ meint Huber. Das endet im bekannten „Hamsterrad“. Das heißt: Der Druck steigt, die Bemühungen werden immer größer und die Erholungsphasen immer weniger. „Betroffene funktionieren dann einfach nur mehr. Schließlich entsteht für sie das Gefühl, persönlich nichts mehr erreichen, bewirken oder leisten zu können“, erklärt die Autorin.

Nicht selten sind aber auch speziell Manager und Führungskräfte hohem Druck ausgesetzt, selbst gefährdet auszubrennen und an der Grenze der Belastbarkeit. Gleichzeitig sollten sie ihre Mitarbeiter vor dauerhafter Belastung bewahren. Führungskräfte sind also in doppelter Hinsicht gefährdet. Denn es ist eine Gradwanderung, einerseits eine Vorbildfunktion hinsichtlich Gesundheitsvorsorge einzunehmen, andererseits auf sich selbst zu schauen. Hinzu kommt, dass die Mechanismen und Hintergründe, wie es zu einem Burnout kommt, noch viel zu wenig bewusst sind.

Kommunikation im Burnout

Vorsorge ist besser als Nachsorge – denn psychische Erkrankungen sind nicht nur auf persönlicher Ebene eine große Herausforderung, sondern kosten Unternehmen jährlich mehrere Millionen Euro. Doch wie verändert sich das Verhalten einer ausgebrannten Führungskraft? Woran merken Mitarbeiter und Kollegen, dass mit dem Chef etwas nicht stimmt? Evelyne Huber geht jeden Falles davon aus, dass die Auswirkung eines Burnouts über die betroffene Person hinausreicht bis ins Unternehmen hinein. Die kommunikativen Beziehungen, die ein Chef normalerweise zu seinen Mitarbeitern führt, werden durch das Burnout verändert. In ihrer Analyse zur Kommunikation im Burnout hat sie folgende 10 Charakteristika formuliert:

  1. Eine verminderte Wahrnehmung führt dazu, dass Prozesse in der Kommunikation mit den Mitarbeitern nicht mehr richtig eingeschätzt und ausgeführt werden können.
  2. Ein betroffener Manager fokussiert sich zunehmend auf Einzelheiten. Die Wahrnehmung der Vielfältigkeit, der Gesamtheit und der Überblick sowie Weitblick gehen verloren. Zusammenhänge können nicht mehr erfasst werden.
  3. Zielvereinbarungen und Entscheidungen werden weniger klar formuliert und kommuniziert.
  4. Stufenweise bleibt immer weniger Raum für die zwischenmenschliche Kommunikation gegeben. Ein betroffener Manager zieht sich zunehmend von seinen Mitarbeitern zurück. Die Kommunikation zu den Mitarbeitern „verengt“ sich.
  5. Die Beziehungsebene reduziert sich auf die Sachebene beziehungsweise Inhaltsebene. Oftmals werden vermehrt E-Mails versendet.
  6. Das Einfühlungsvermögen, die Empathiefähigkeit, die Sensibilität und die lebendige Beteiligung an einem Gespräch verringern sich.
  7. Die Konzentrations- und Konfliktfähigkeit sinken. Die Gespräche verlieren an Offenheit und ihre Inhalte an Klarheit.
  8. Die Defizite in der Kommunikation sind den betroffenen Managern bewusst. Diese werden überspielt, indem eine Art „Maske“ aufgesetzt wird. Dadurch wirkt ein betroffener Manager für seine Mitarbeiter unnatürlich (inkongruentes Verhalten), ohne dass diese erkennen können woran es liegt.
  9. Die Teamfähigkeit und die Fähigkeit, Vertrauen und Halt zu geben, vermindern sich. In der Folge des brüchigen Vertrauensklimas werden Mitarbeiter von betroffenen Managern kritischer analysiert und bewertet.
  10. Betroffene Manager werden ungeduldiger und bringen ihren Mitarbeitern mehr an Verurteilung und Abwertung sowie weniger an Wertschätzung entgegen. Ihnen fehlen Alternativen für angemessene Worte, die verbindlich und wertschätzend sind und dennoch Wünsche und Bedürfnisse ausdrücken.

Lernen mit Misserfolgen umzugehen

Durch vermehrte Missverständnisse und Diskrepanz zwischen Managern und Mitarbeitern kann auch ein sogenanntes OBO, Organizational Burnout, entstehen – ein ganzes Unternehmen ist ausgebrannt. Es befindet sich in einem erschöpften, handlungsunfähigen Zustand. Aus eigener Kraft ist es schwierig, da wieder herauszukommen. Betroffenen Managern sollte Verständnis und Hilfe entgegengebracht werden, sodass sie in einem schützenden sozialen Umfeld aufgefangen werden.

„Professionelle Unterstützung und Reflexions-Strategien sind erforderlich. Damit kann ein Burnout zu einer Chance für das gesamte Unternehmen werden und seine Heilung die Beziehungsebene zu den Mitarbeitern verbessern, was neues Wachstum möglich macht.“ Schwächen offen zeigen, ist ein Beitrag zu einer realistischen Kultur des Scheiterns und des Lernens. „Zusammenarbeit trägt immer die Gefahr des Missverstehens, des Misslingens oder der Erfolgslosigkeit in sich. Wir müssen lernen, damit umzugehen,“ so Huber abschließend.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.