#Recruiting | Andrea Heider

Auf dem Hot-Seat: Panel Interview

Panel Interviews sollten kein Verhör werden

Wer auf dem Hot-Seat sitzt, befindet sich in einem Kreuzverhör und kommt gehörig unter Druck. So geht es vielen Bewerbern, die zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Insbesondere Panel Interviews also, Interviews, bei denen zwei oder mehrere Interviewer einen Bewerber gleichzeitig befragen, sind Stresssituationen. Diese Interviewart bietet sich oftmals aus logistischen Gründen an. Statt diverser Einzelinterviews, ist es für Unternehmen, aber auch für Bewerber tatsächlich manchmal kostengünstiger und zeitsparender alle Interviewer bei einem Gespräch zusammenzubringen. Die Vorteile liegen auf der Hand: der Kandidat muss nur einmal kommen, dies ist speziell für Bewerbern, die in einem Beschäftigungsverhältnis sind, ein wichtiger Punkt. Außerdem kann der Recruiter gleich nach dem Gespräch Feedback von den anderen Interviewern einholen – das beschleunigt den Recruitingprozess. Nicht zu vergessen: das Mehr-Augen-Prinzip kommt zur Geltung.

Recruiter sollten sich jedoch auch über mögliche Nachteile eines Panel Interviews im Klaren sein. Es ist gut möglich, dass ein qualifizierter Bewerber, der einen hervorragenden Job machen würde, in einem Panel Interview nur eine schwache Leistung bring. Warum? Panel Interviews lösen bei manchen Kandidaten enormen Stress aus. In einem Vier-Augen-Gespräch gelingt es Interviewern häufig, das Eis schneller zu brechen und Vertrauen besser aufzubauen. Kandidaten fühlen sich dann wohler und öffnen sich, trotz Stresssituation. Ein Panel Interview hingegen erinnert eher an ein Tribunal mit unklarem Ausgang. Keine schöne Vorstellung. Nun ja, wir sehen: Das Panel Interview hat Vor- und Nachteile.

Sorgen Sie für ein angenehmes Setting

Im Vorfeld sollte natürlich geklärt werden, wer denn überhaupt am Panel Interview teilnimmt. Neben dem Recruiter sollten auch andere Kollegen aus unterschiedlichen Abteilungen, mit unterschiedlichen Funktionen und selbstverständlich Persönlichkeiten anwesend sein. Idealerweise werden die Rollen vorab besprochen und vergeben. Der Techniker stellt dabei technische Frage, der Abteilungsleiter fragt sich durch den Lebenslauf und der Recruiter kann dabei entweder die Moderation übernehmen oder einfach als stiller Zuhörer und Beobachter dabei sein. Wichtig ist natürlich auch das Setting, in dem das Interview stattfindet.

Ein Panel Interview sollte kein Verhör sein. Es kann aber Informationen darüber liefern, wie Kandidaten mit Stresssituationen umgehen und ob sie gut vor unbekannten Personen präsentieren können. Ganz klar: Für manche Positionen sind dies Grundvoraussetzungen. Recruiter sollten dennoch versuchen, ein angenehmes Setting für das Interview zu schaffen. Unter uns gesagt: ein entspannter Kandidat liefert vielschichtigere Informationen, als ein gestresster. Es gilt: Kein Interviewer sollte hinter dem Bewerber sitzen. Ein massiver Besprechungstisch, der eine Barriere zwischen den Interviewern und dem Interviewten schaffen, sollte ebenfalls vermieden werden. Sämtliche Interviewer sollten viel eher in einem angenehmen Winkel zum Kandidaten sitzen. Die Sitzordnung sollte angenehm aufgelockert sein.

Good Cop versus Bad Cop

Wie bereits erwähnt ist es vorab wichtig, die unterschiedlichen Rollen zu besprechen. Ein Panel Interview ohne Strategie kann nämlich auch sehr schnell zur Recruiting Katastrophe werden. Folgende Szenarien sind dabei vorstellbar:

  • Good Cop versus Bad Cop: Eine Variante des Panel Interviews mit zwei Interviewern kann die Version „Good Cop – Bad Cop“ sein. Dabei gibt sich ein Interviewer freundlich, der andere hingegen stellt schwierige Fragen und übt Druck aus. Dabei kann gut festgestellt werden, wie Kandidaten mit Stress und unangenehmen Situationen umgehen.
  • Rollenspiel: Bei dieser Variante stellt jeder Interviewer spezifische Fragen. Ein Interviewer stellt ausschließlich Management-Fragen, ein anderer hingegen fragt den Bewerber über seine berufliche Vergangenheit, einer beobachtet Körperhaltung, Mimik und Gestik, ein weiterer Interviewer stellt fachliche Fragen. Damit ist sichergestellt, dass keine wichtigen Aspekte vergessen werden.
  • Präsentation: Der Kandidat erhält vorab die Aufgabe, ein bestimmtes Thema vor dem Panel zu präsentieren. Im Nachhinein werden vertiefende Fragen gestellt. Dies ist eine Möglichkeit, um die Kommunikationsfähigkeit eines Bewerbers abzufragen.
  • Stressinterview: Bei dieser Form des Panel Interviews wird der Kandidat sozusagen mit Fragen befeuert, die er dann schnell beantworten muss. Dies ist besonders stressig. Wozu ist das gut? Recruiter können herausfinden, wie ein Kandidat in einer enorm stressigen Situation umgeht und ob er/sie in der Lage ist unter Druck kompetent und freundlich zu bleiben.

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Andrea Heider
Andrea Heider

Beschäftigt sich mit der Frage, wie die Arbeitswelt ein menschgerechter Ort werden kann und, wie jeder Mitarbeiter seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen und weiterentwickeln kann; bloggt über Karriere- und HR-Trends. Besonderes Interesse für Themen rund um Achtsamkeit, Glücksforschung und Motivation.