Arbeitgeberimage
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„Die Fertigteilindustrie ist uncool“

Welches Image ein Arbeitgeber hat, liegt nicht allein in seiner eigenen Hand: Consumermarke, Branche und die Botschaften der eigenen Mitarbeiter sind wichtige Komponenten der Arbeitgebermarke, sagt Employer Branding-Experte Herbert Kling.

Im Gespräch mit jobnews erklärt er, warum ein mutiger Blick nach innen das Mitarbeiterengagement stärken kann – und warum sich das positiv auf die Arbeitgebermarke auswirkt.

Herr Kling, Studien zeigen, dass Absolventen am liebsten bei großen Marken Red Bull, BMW und Google anfangen. Was ist das Geheimnis dieser Arbeitgeber?

Das Arbeitgeberimage entsteht über mehrere Kanäle: Zum einen spielt die Consumermarke eine wichtige Rolle. Aber auch die Branche, in der ein Unternehmen tätig ist, hat großen Einfluss auf das Image. Hier gibt es teils gravierende Unterschiede: Die Fertigteilindustrie ist leider nicht so cool wie die Werbebranche. Auch Banken spüren die Auswirkung ihres negativen Images: Sie leiden unter einer Vertrauenskrise, die auch auf den Jobmarkt abfärbt.

Inwiefern wirkt sich das auf die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern aus?

Für viele Arbeitnehmer kommen manche Betriebe gar nicht in Betracht, weil sie in der „falschen“ Branche tätig sind.

Wie wirkt man dem entgegen?

Hier sind Branchenverbände gefragt: Sie müssen das Branchenimage aufpolieren und aufzeigen, was Qualitäten der jeweiligen Branche sind. Das können Arbeitszeiten sein, Kollektivverträge oder die Sicherheit der Arbeitsplätze. Es gibt viele Aspekte – man muss nur genau hinschauen.

Der Branchenverband allein wird es aber auch nicht richten können, oder?

Natürlich sind auch die Unternehmen selbst gefragt. Die gute Nachricht: Einiges hat man als Arbeitgeber auch in der Hand. Viel wichtiger als das Gehalt sind etwa emotionale Aspekte: Wie treten Arbeitgeber gegenüber ihren bestehenden Mitarbeitern auf, wie transportieren sie den Sinn der Arbeit?  Unternehmen, die ihre Mitarbeiter auf ein gemeinsames Ziel einschwören und kommunizieren, wohin die Reise geht, profitieren fast automatisch von motivierten Mitarbeitern – und polieren damit gleichzeitig ihr Unternehmensimage auf.

Inwiefern?

Indem die eigenen Mitarbeiter zu positiven Trägern der Arbeitgebermarke werden. Das Image eines Arbeitgebers entsteht auch von innen heraus – und darauf haben Arbeitgeber den größten Einfluss. Wer darauf achtet, dass bei den eigenen Leuten alles okay ist und sie zufrieden arbeiten können, reduziert seinen Recruiting-Aufwand, verringert die Fluktuation im Unternehmen und macht die eigenen Mitarbeiter zu Markenbotschaftern.

Wie stellt man das konkret an?

Mit einem klaren Arbeitgeberprofil und einem klaren Leistungsversprechen. Im Kern stehen die Mitarbeiter, die es zu halten und zu motivieren gilt. Sie werden zu Markenbotschaftern und sprechen jene Personen an, die bereits in direktem Kontakt mit ihnen stehen: Freunde, Verwandte, ehemalige Kollegen. Sie stellen im Rahmen des Employee Engagement das erste und wichtigste Potenzial im Recruiting dar.

Lohnt sich der Aufwand überhaupt?

Unsere Erfahrung zeigt: Nur 15% der Mitarbeiter spüren eine starke Bindung an das Unternehmen, in dem sie arbeiten. Der Rest ist irgendwo zwischen Wurschtigkeit, innerer Kündigung und Bewerbungsschreiben zu finden. Das ist ein irrsinniges Potential: Wenn ich die Bedürfnisse meiner Mitarbeiter kenne und entsprechende Pakete schnüre, hole ich meine Leute gut ab – und befeuere damit auch ihr positives Auftreten für mich nach außen hin.

employee engagementHerbert Kling war viele Jahre Unternehmer im Bereich Marktforschung und hat in dieser Zeit viel mit den Themen rund um Mitarbeitermotivation und Führung zu tun gehabt. Dabei interessiert ihn vor allem die Frage, was Bindung an ein Unternehmen ausmacht – und welche Handlungsspielräume Unternehmen haben.

Bildnachweis: master1305/Quelle: www.istockphoto.com



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