Arbeitgeberbewertungen als verborgene Chance am Jobmarkt
#Arbeitsmarkt & Studien | Barbara Oberrauter

Wenn Mitarbeiter aus dem Nähkästchen plaudern

Unternehmensbewertungen boomen

Ehrlich, authentisch und ungeschönt: Online-Bewertungen sind für Hotels, Restaurants und andere Dienstleistungen längst Standard. Auch den österreichischen Jobmarkt haben sie längst erobert, zeigt eine Studie von StepStone Österreich: Zwei von drei Studienteilnehmern sind überzeugt, dass Arbeitgeberbewertungen eine sehr oder eher gute Möglichkeit darstellen, ehrliche und authentische Einblicke ins Unternehmen zu erhalten. Und für knapp die Hälfte aller Befragten wirken sich positive oder negative Unternehmensbewertungen auch darauf aus, ob sie sich für eine Stelle bewerben oder nicht.

 

Arbeitgeber zum Angreifen

Auch Personalverantwortliche wissen um die Bedeutung von ehrlichen Bewertungen: In einer Umfrage von StepStone auf der Personal Austria 2017 rät knapp die Hälfte aller befragten Unternehmen dazu, sich mit Arbeitgeberbewertungen auseinanderzusetzen, um wichtige Bewerber nicht zu verlieren. Durch Bewertungen von aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern könnten Arbeitgeber viel über ihr derzeitiges Image am Bewerbermarkt erfahren. Zudem könnten sich Unternehmen so auch nachhaltig als Arbeitgeber zum Angreifen positionieren.

 

Kandidaten wollen ehrliche Einblicke – sonst sind sie weg

Das ist auch dringend nötig, zeigt ein Blick auf aktuelle Jobinserate: Austauschbare Floskeln wie „Work Life Balance“, „innovativen Projekten“ und „überdurchschnittlicher Bezahlung“ verraten nur wenig darüber, wie ein Arbeitgeber wirklich tickt. Kandidaten mit schöngefärbten Unternehmensdarstellungen an Bord zu holen, kann überdies fatale Konsequenzen haben, zeigt die StepStone-Studie: Stimmen vermitteltes Bild und Unternehmensrealität nämlich nicht überein, sind vor allem Berufseinsteiger und Absolventen ganz schnell wieder auf der Suche nach einem neuen Job.

 

Mit Arbeitgeberbewertungen die Employer Brand nachschärfen

Dabei sind Arbeitgeberbewertungen eine originelle Methode, sich von der Konkurrenz am Jobmarkt abzuheben: Ehrliche Aussagen schaffen einen unverwechselbaren USP für die eigene Employer Brand und verleihen Arbeitgebern eine authentische Stimme. Vor allem in Berufen, wo große Nachfrage nach qualifizierten Bewerbern und Nachwuchstalenten herrscht, können Firmen mit Unternehmensbewertungen so ihren Vorsprung vor der Konkurrenz ausbauen – und eine Arbeitgebermarke mit Herz und Seele präsentieren.

 

Bewertungen erzählen, was nicht im Stelleninserat steht

Die StepStone-Studie zeigt: Respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern, eine angenehme Arbeitsatmosphäre, nette Kollegen und kompetente Führungskräfte sind die wichtigsten Elemente, die ein Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber machen. Genau das lässt sich aber in einer klassischen Stellenanzeige nur schwer abbilden: Schlagworten schenken moderne Arbeitnehmern längst keinen Glauben mehr, wenn sie in Sekundenschnelle mit einem Mausklick entlarvt werden können. Umso stärker sind Arbeitgeber auf Erzählungen und Einschätzungen ihrer eigenen Mitarbeiter angewiesen. Sie fungieren immer stärker als Botschafter für die Arbeitgebermarke und vermitteln realistische Einblicke, die anderweitig nur schwer zu bekommen sind.

 

Mit Ehrlichkeit Fehleinstellungen verhindern

Damit schließen Arbeitgeberbewertungen eine Lücke in der Kommunikation zwischen Kandidaten und Unternehmen: Wer Kandidaten schon vorab vermittelt, was es bedeutet, bei diesem oder jenem Unternehmen zu arbeiten, schafft nicht nur eine ganz besondere Verbindung zwischen Kandidaten und Firma, sondern stellt auch sicher, dass die individuelle Unternehmenskultur authentisch vermittelt wird. Das wirkt sich auch auf die Qualität der Bewerber aus: Arbeitgeber, die sich ehrlich und offen mit allen Ecken und Kanten präsentieren, sprechen genau die Kandidaten an, die auch dazu passen. Damit wird die Vorauswahl passender Bewerber an eine Stelle verlegt, wo falsche Neueinstellungen noch keine Kosten verursachen oder für Frust auf beiden Seiten sorgen – und das wiederum spart Zeit, Nerven und Geld.

 

Arbeitgeberbewertungen sind keine Schmähkritik

Anders als von vielen Unternehmen befürchtet, geht es bei Arbeitgeberbewertungen dabei nicht um eine Abrechnung mit dem ehemaligen Arbeitgeber oder um klassische Schmäkritik, sondern um eine inhaltlich differenzierte Auseinandersetzung mit einem Arbeitgeber. Dass dabei auch Kritikpunkte genannt werden, müssen Unternehmen aushalten, profitieren sie doch gleich mehrfach davon: Zum einen wird ihre Arbeitgebermarke erleb- und nachvollziehbar, gestützt durch persönliche Erlebnisse aktueller oder ehemaliger Mitarbeiter. Und zum zweiten sind Bewertungen eine ideale Möglichkeit, ein ehrliches Stimmungsbild zu erheben: In der Anonymität des Internet wagen Mitarbeiter, auch unangenehme Wahrheiten zu formulieren.

 

Bewertungen als Feedback für die eigene Unternehmenskultur

Das auszuhalten, erfordert Mut, wird aber belohnt: Nirgendwo sonst erhalten Arbeitgeber so tiefe Einblicke in das Wesen ihrer Belegschaft – und erfahren, an welchen Stellschrauben im Unternehmen wirklich gedreht werden muss, damit sich Mitarbeiter und Bewerber wohlfühlen. Nicht sofort in die Verteidigungshaltung zu gehen, sondern sich offen anzuhören, was die eigenen Mitarbeiter sagen, nutzt schlussendlich auch der eigenen Employer Brand, denn: Wer in die Zufriedenheit der eigenen Mannschaft investiert, erhöht nicht nur die Leistung und Produktivität, sondern sorgt langfristig auch für engagierte Botschafter für die eigene Arbeitgebermarke. Und diese hinterlassen ihrem Arbeitgeber online sicher gerne die eine oder andere gute Bewertung.

 

Hier geht’s zu den StepStone-Arbeitgeberbewertungen!

 

Bildnachweis: MicroStockHub/Quelle: www.istockphoto.com



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Barbara Oberrauter
Barbara Oberrauter

Barbara Oberrauter ist langjährige Journalistin in Wien mit Schwerpunkt auf Karriere- und HR-Themen. Ihr Fokus liegt vor allem auf den vielfältigen Möglichkeiten, die moderne, digitale Arbeitswelten mit sich bringen - und wie sich Unternehmen und Mitarbeiter ideal darauf einstellen können.