Arbeitgeberbewertungen als verborgene Chance am Jobmarkt
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Wenn Mitarbeiter aus dem Nähkästchen plaudern

Unternehmensbewertungen boomen

Ehrlich, authentisch und ungeschönt: Online-Bewertungen sind für Hotels, Restaurants und andere Dienstleistungen längst Standard. Auch den österreichischen Jobmarkt haben sie längst erobert, zeigt eine Studie von StepStone Österreich: Zwei von drei Studienteilnehmern sind überzeugt, dass Arbeitgeberbewertungen eine sehr oder eher gute Möglichkeit darstellen, ehrliche und authentische Einblicke ins Unternehmen zu erhalten. Und für knapp die Hälfte aller Befragten wirken sich positive oder negative Unternehmensbewertungen auch darauf aus, ob sie sich für eine Stelle bewerben oder nicht.

 

Arbeitgeber zum Angreifen

Auch Personalverantwortliche wissen um die Bedeutung von ehrlichen Bewertungen: In einer Umfrage von StepStone rät knapp die Hälfte aller befragten Unternehmen dazu, sich mit Arbeitgeberbewertungen auseinanderzusetzen, um wichtige Bewerber nicht zu verlieren. Durch Bewertungen von aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern könnten Arbeitgeber viel über ihr derzeitiges Image am Bewerbermarkt erfahren. Zudem könnten sich Unternehmen so auch nachhaltig als Arbeitgeber zum Angreifen positionieren.

 

Kandidaten wollen ehrliche Einblicke – sonst sind sie weg

Das ist auch dringend nötig, zeigt ein Blick auf aktuelle Jobinserate: Austauschbare Floskeln wie „Work-Life-Balance“, „innovative Projekte“ und „überdurchschnittliche Bezahlung“ verraten nur wenig darüber, wie ein Arbeitgeber wirklich tickt. Kandidaten mit schöngefärbten Unternehmensdarstellungen an Bord zu holen, kann überdies fatale Konsequenzen haben, zeigt die StepStone-Studie: Stimmen vermitteltes Bild und Unternehmensrealität nämlich nicht überein, sind vor allem Berufseinsteiger und Absolventen ganz schnell wieder auf der Suche nach einem neuen Job.

 

Was bringen Arbeitgeber-Bewertungen?

Aktuelle Studien belegen: Jeder Dritte liest Arbeitgeber-Bewertungen. Eine Zahl, die man keinesfalls ignorieren sollte. Vor allem im Nachwuchssektor und generell bei Bewerbern unter 30 Jahren werden Online-Bewertungen besonders oft gelesen. Natürlich sind diese subjektiv, aber sie bieten eine Möglichkeit, mehr über Ihr Unternehmen zu erfahren, als das bei der Stellenanzeige der Fall ist. Je mehr Bewertungen abgegeben wurden, desto eher lässt sich eine Tendenz über das Betriebsklima und die Arbeitsbedingungen eines Unternehmens ablesen. Während eine Bewertung noch als Einzelfall abgetan werden kann, zeichnet sich mit jeder weiteren Beurteilung bereits ein Bild ab – und das kann positiv oder negativ sein. Fest steht jedoch: Es steckt zu viel Potenzial in diesen Bewertungen, als dass man sie komplett aus dem Bewerbungsprozess ausklammern sollte.

 

Bewertungen erzählen, was nicht im Stelleninserat steht

Die StepStone-Studie zeigt: Respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern, eine angenehme Arbeitsatmosphäre, nette Kollegen und kompetente Führungskräfte sind die wichtigsten Elemente, die ein Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber machen. Genau das lässt sich aber in einer klassischen Stellenanzeige nur schwer abbilden: Schlagworten schenken moderne Arbeitnehmer längst keinen Glauben mehr, wenn sie in Sekundenschnelle mit einem Mausklick entlarvt werden können. Umso stärker sind Arbeitgeber auf Erzählungen und Einschätzungen ihrer eigenen Mitarbeiter angewiesen. Sie fungieren immer stärker als Botschafter für die Arbeitgebermarke und vermitteln realistische Einblicke, die anderweitig nur schwer zu bekommen sind.

 

Mit Arbeitgeberbewertungen die Employer Brand nachschärfen

Arbeitgeberbewertungen sind eine originelle Methode, sich von der Konkurrenz am Jobmarkt abzuheben: Ehrliche Aussagen schaffen einen unverwechselbaren USP für die eigene Employer Brand und verleihen Arbeitgebern eine authentische Stimme. Vor allem in Berufen, wo große Nachfrage nach qualifizierten Bewerbern und Nachwuchstalenten herrscht, können Firmen mit Unternehmensbewertungen so ihren Vorsprung vor der Konkurrenz ausbauen – und eine Arbeitgebermarke mit Herz und Seele präsentieren.

 

Wie Sie Arbeitgeberbewertungen in Ihre Employer Brand integrieren:

– Nutzen Sie die Bewertungen, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie Ihr Unternehmen von bestehenden und ehemaligen Mitarbeitern gesehen wird.

– Vor allem negative Bewertungen geben Ihnen Aufschluss darüber, wo es Verbesserungspotenzial in Ihrem Unternehmen geben kann. Stellen Sie sich ehrlich die Frage, wieviel Ärger und wieviel Wahrheit in den Aussagen liegen und ziehen Sie Schlüsse daraus, wie Sie strategisch daraus lernen können mit dem Ziel, ein attraktiverer Arbeitgeber zu werden. Dies ist nicht nur dafür wichtig, um im nächsten Recruitingprozess genügend Bewerber anzusprechen, sondern auch dafür, bestehende Mitarbeiter im Unternehmen zu halten und weiter zu binden.

– Positive Bewertungen sind hingegen nicht nur erfreulich, sie können auch dazu genutzt werden, Ihre Employer Brand zu stärken. Vielleicht werden darin Aspekte angesprochen, die Sie so noch gar nicht als Vorteil Ihres Unternehmens im Recruitingprozess herausstreichen. Und damit auch mehr Bewerber lukrieren.

 

Mit Ehrlichkeit Fehleinstellungen verhindern

Damit schließen Arbeitgeberbewertungen eine Lücke in der Kommunikation zwischen Kandidaten und Unternehmen: Wer Kandidaten schon vorab vermittelt, was es bedeutet, bei diesem oder jenem Unternehmen zu arbeiten, schafft nicht nur eine ganz besondere Verbindung zwischen Kandidaten und Firma, sondern stellt auch sicher, dass die individuelle Unternehmenskultur authentisch vermittelt wird. Das wirkt sich auch auf die Qualität der Bewerber aus: Arbeitgeber, die sich ehrlich und offen mit allen Ecken und Kanten präsentieren, sprechen genau die Kandidaten an, die auch dazu passen. Damit wird die Vorauswahl passender Bewerber an eine Stelle verlegt, wo falsche Neueinstellungen noch keine Kosten verursachen oder für Frust auf beiden Seiten sorgen – und das wiederum spart Zeit, Nerven und Geld.

 

Arbeitgeberbewertungen sind keine Schmähkritik

Anders als von vielen Unternehmen befürchtet, geht es bei Arbeitgeberbewertungen dabei nicht um eine Abrechnung mit dem ehemaligen Arbeitgeber oder um klassische Schmähkritik, sondern um eine inhaltlich differenzierte Auseinandersetzung mit einem Arbeitgeber. Dass dabei auch Kritikpunkte genannt werden, müssen Unternehmen aushalten, profitieren sie doch gleich mehrfach davon: Zum einen wird ihre Arbeitgebermarke erleb- und nachvollziehbar, gestützt durch persönliche Erlebnisse aktueller oder ehemaliger Mitarbeiter. Und zum zweiten sind Bewertungen eine ideale Möglichkeit, ein ehrliches Stimmungsbild zu erheben: In der Anonymität des Internet wagen Mitarbeiter, auch unangenehme Wahrheiten zu formulieren.

 

Auf Bewertungen reagieren, aber auch proaktiv agieren

Sollten Sie sich schon einmal die Frage gestellt haben, ob Bewertungen gekommen sind, um zu bleiben – die Antwort lautet JA! Das Internet vergisst nicht. Umso wichtiger ist es, darauf zu reagieren. Aber mehr noch: Auch proaktives Agieren ist gefragt. Wir verraten Ihnen, worauf es ankommt:

 

Wer sollte auf Arbeitgeberbewertungen antworten?

Für die Auswahl der richtigen Person(en) für das Verfassen der Antworten sollte auf jeden Fall über eine ausgeprägte Kommunikationsstärke verfügen. In vielen Unternehmen ist das jemand aus dem HR-Team. Damit die Antworten auch etwas variieren, können auch zwei oder drei Personen herangezogen werden, um für eine abwechslungsreichere Gestaltung zu sorgen. Während viele Unternehmen auf ein einheitliches Erscheinungsbild achten, indem beispielsweise mit „HR-Team“ unterzeichnet wird, verleiht es der Antwort jedoch eine persönlichere Note, wenn die Antwort mit Namen der schreibenden Person erfolgt.

 

Auf welche Bewertungen sollte geantwortet werden?

Oft ist es so, dass Unternehmen aus Zeitgründen nur auf jene Bewertungen reagieren, die sie als besonders negativ empfinden. Denn hier besteht das Bedürfnis, sich zu rechtfertigen bzw. Dinge richtigzustellen. Es empfiehlt sich jedoch, sich auch die Zeit dafür zu nehmen, auf positive Bewertungen zu antworten, indem Sie sich dafür bedanken, denn dadurch werden die getätigten Aussagen weiter bestärkt.

 

Wie sollte auf Bewertungen geantwortet werden?

Unternehmenskommunikation variiert von Betrieb zu Betrieb. Natürlich ist es wichtig, auch bei der Beantwortung von Bewertungen den Kommunikationsrichtlinien treu zu bleiben. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie keine Standardtexte verwenden oder Antworten lediglich nach dem Copy & Paste – Verfahren verteilen. Denn das kommt bei Bewerbern gar nicht gut an. Individuelle Antworten erfordern zwar etwas mehr Zeit, aber vermitteln dafür das Gefühl, dass die Aussagen wertgeschätzt werden und die Feedback-Kultur in Ihrem Unternehmen ausgeprägt ist. Achten Sie außerdem darauf, sachlich zu antworten.

 

In welchem Zeitraum ist eine Antwort gefragt?

Um den Lesern der Bewertungen das Bild zu vermitteln, dass Sie die Kommentare ernst nehmen und die Bereitschaft da ist, sich damit auseinanderzusetzen und sich stetig zu verbessern, ist es wichtig, dass Sie regelmäßig auf Bewertungen antworten. Planen Sie beispielsweise einen Tag pro Woche ein, an dem Sie sich – je nach Anzahl der Bewertungen – eine gewisse Zeitspanne einplanen.

 

Bewertungen ehemaliger vs. bestehender Mitarbeiter – was ist besser?

Tendenziell lässt sich natürlich sagen, dass bestehende Mitarbeiter ein positiveres Feedback abgeben als ehemalige. Das liegt alleine schon daran, dass es vermutlich einen Grund gegeben hat, dass Ex-Mitarbeiter nicht mehr in Ihrem Unternehmen arbeiten. Genau hier müssen Sie auch ansetzen und proaktiv werden: Ermuntern Sie bestehende Mitarbeiter dazu, Sie zu bewerten. Wenn sie zufrieden sind, kommt meist gar nicht der Gedanke auf, eine Bewertung zu verfassen. Führen Sie beispielsweise im Rahmen des Mitarbeitergespräches, bei dem es ja hauptsächlich um die Leistungen und zukünftige Laufbahn des jeweiligen Mitarbeiters geht, den Usus ein, auch sich bewerten zu lassen und weisen Sie dabei auf die Möglichkeit einer Arbeitgeberbewertung im Internet hin.

 

Bewertungen als Feedback für die eigene Unternehmenskultur

Das alles auszuhalten, erfordert Mut, wird aber belohnt: Nirgendwo sonst erhalten Arbeitgeber so tiefe Einblicke in das Wesen ihrer Belegschaft – und erfahren, an welchen Stellschrauben im Unternehmen wirklich gedreht werden muss, damit sich Mitarbeiter und Bewerber wohlfühlen. Nicht sofort in die Verteidigungshaltung zu gehen, sondern sich offen anzuhören, was die eigenen Mitarbeiter sagen, nutzt schlussendlich auch der eigenen Employer Brand, denn: Wer in die Zufriedenheit der eigenen Mannschaft investiert, erhöht nicht nur die Leistung und Produktivität, sondern sorgt langfristig auch für engagierte Botschafter für die eigene Arbeitgebermarke. Und diese hinterlassen ihrem Arbeitgeber online sicher gerne die eine oder andere gute Bewertung.

 

Hier geht’s zu den StepStone-Arbeitgeberbewertungen!

 

Autorin: Beatrix Mittermann

 

Bildnachweis: MicroStockHub/Quelle: www.istockphoto.com



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