Achtsamkeit
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Achtsamkeit

Auf seine Mitarbeiter Acht geben

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen völlig entspannt an Ihrem Arbeitsplatz. Mit Ruhe und Gelassenheit erledigen Sie eine Aufgabe nach der anderen und nehmen sich genug Zeit, um auf die Signale ihres Körpers zu hören. In stressigen Momenten bleiben Sie in der Balance, der Kontakt mit Ihren Kollegen ist geprägt von Herzlichkeit und Wertschätzung.

Geht nicht? Geht doch, schenkt man renommierten Forschern und aktuellen Trends Glauben. Achtsamkeit heißt das Zauberwort, das nicht nur positive Effekte fürs Privatleben hat, sondern Mitarbeiter glücklicher, motivierter und stressresistenter machen soll. Wie die Psychologin Ute Hülsheger herausgefunden hat, sind Menschen, die in anstrengenden Jobs achtsamer waren oder sich Achtsamkeit antrainiert hatten, im Beruf weniger erschöpft und zufriedener, berichtet das Magazin „Wirtschaftspsychologie aktuell“.

„Wir alle tragen die Fähigkeit in uns, achtsam zu sein“, erklärt Unternehmensberaterin und Achtsamkeitstrainerin Maria Richter im Gespräch mit JOBnews. „Als Kinder durften wir das alle erleben, aber als Erwachsene können wir uns kaum daran erinnern.“ Die gute Nachricht: Achtsamkeit lässt sich trainieren und wieder neu erlernen. „Das Ganze ist eine innere Haltung, bei der es darum geht, mit einer gewissen Offenheit an seine Umwelt und sich selbst heranzugehen“, definiert Richter den Begriff. „Zentral ist die Achtung vor uns selbst und anderen. Man vertraut den Dingen und ist im Moment präsent.“

Wahrnehmen, was ist, ohne es zu bewerten, klingt vielleicht einfach, ist es aber nicht, so die Expertin: „Wenn etwas passiert, laufen bei uns innere Filme ab, wir reagieren automatisch. Achtsamkeit hilft uns, innezuhalten und zu schauen, was wirklich da ist. Dann können wir aus uns selbst heraus reagieren.“ Eine Atempause mit Folgen: „Wenn wir diese innere Haltung ausbilden, entwickeln wir Gelassenheit und innere Ruhe“, erläutert Maria Richter. „Wir können in Beziehungen und mit uns selbst anders umgehen.“

Ruth Baer von der Universität von Kentucky hat gemeinsam mit ihren Kollegen vier zentrale Komponenten der Achtsamkeit identifiziert:

  1. Beobachten: aufmerksame Beobachtung und Wahrnehmung einer Vielzahl äußerer und innnerer Reize wie Körperempfindungen, Emotionen, Kognitionen, Geräusche oder Gerüche
  2. Beschreiben: kurzes „begriffliches“ Beschreiben der wahrgenommenen Phänomene
  3. Mit Aufmerksamkeit handeln: sich ganz auf Aktivität einlassen und nur aufmerksam auf eine Sache sein & den „Autopiloten“ abschalten und bewusst wahrnehmen, welche Wirkung das eigene Handeln auslöst
  4. Akzeptieren ohne Bewertung: eine nicht-wertende Haltung gegenüber der aktuellen Erfahrung, Dinge so sein lassen können, wie sie sind & keine automatische Werthaltung wie gut/schlecht oder richtig/falsch

Eine achtsame Unternehmenskultur findet auf Augenhöhe stattfindet und ist von Respekt und Achtung füreinander geprägt, so Richter. „Wenn es mir im Unternehmen gelingt, Achtsamkeit als Grundhaltung einfließen zu lassen, erlebe ich ein anderes Miteinander: Gespräche auf Augenhöhe, Zuhören ohne Unterbrechen und ohne Ratschläge. Man ist sich eigener Bewertungen bewusster und offener für andere Sichtweisen.“ In Zeiten erhöhten Burnout-Risikos und psychischer Erkrankungen ist die Achtung des eigenen Selbst für sie auch die beste Vorsorge: „Mitarbeiter können ihre Grenzen besser erkennen und eigene Bedürfnisse leichter ausdrücken.“

Wer Achtsamkeit in seinem Unternehmen einführen will, sollte mit Geduld vorgehen. „Ich muss die Menschen erleben lassen, was Achtsamkeit bedeutet. Das ist ein sehr stetiger und langsamer Prozess, das muss wachsen.“ Grundvoraussetzung ist die Freiwilligkeit aller Beteiligten: „Das wichtigste ist eine gemeinsame Basis. Man kann zum Beispiel in Form von Informationsveranstaltungen abtasten, wie die Mitarbeiter reagieren, und anschließend Trainings in Einzel- und Gruppensettings durchführen“, so Richter.

Der Nutzen achtsamer Mitarbeiter liegt für die Expertin auf der Hand: „Wenn ich Achtsamkeit kultiviere und übe, steigert das mein Selbstbewusstsein, fördert die  Konzentration und erhöht die Stressbewältigungskompetenz.“ Auch in Punkto Mitarbeiterbindung sei Achtsamkeit unschlagbar: „Es entsteht ein konstruktiver Umgang mit Konflikten und eine gewisse Leichtigkeit miteinander. Das bedeutet für die Leute auch weniger Stress.“

Sie betont die Vorbildwirkung der Führungspositionen hinsichtlich der Implementierung von Achtsamkeit ins Konzernleitbild: „Das muss von oben getragen und vorgelebt werden. Es geht hier nicht um einen supersoften, neuen Führungsstil, sondern um eine Kommunikation, die auf der Wahrnehmung basiert und nicht auf Bewertungen.“ Andreas Tietze von der Universität Lüneburg hat in einer Studie erhoben, dass Achtsamkeit bei Führungskräften zu mehr Feingefühl, Konzentration und Offenheit für Innovationen und nachhaltige Veränderungen führt: „Insofern ist Achtsamkeitsorientierung eine qualitativ hochwertige Managementstrategie.“

Schon wenige Minuten Achtsamkeitstraining pro Tag reichen, um sich einen Puffer gegen Arbeitsstress zulegen zu können, so die Autorinnen der Achtsamkeitsstudie rund um Ute Hülsheger. Maria Richter: „Es geht darum, sich im Moment zu verankern. Achtsamkeit hat damit zu tun, dass ich meinen Körper und meine Gedanken wahrnehme.“ Das Training sei jederzeit möglich und sollte in den Ablauf des Arbeitsalltags eingeplant werden.

„Sie können zum Beispiel vor jedem Telefonat kurz durchatmen und ihren Körper checken ? wie fühlen Sie sich gerade, welche Gefühle sind vor diesem Gespräch da?“ Eine Führungskraft könne Meetings mit einer Minute der Stille beginnen, in der sich die Teilnehmer sammeln und auf das bevorstehende Gespräch konzentrieren können. „Oder Sie achten jedes Mal, wenn Sie zum Drucken gehen, auf Ihre Fußsohlen ? das erdet ungemein.“

 

INFO:
http://www.ausgleichimgarten.at/

Autor: Barbara Oberrauter
Bildnachweis: www.thinkstock.de



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