Absageschreiben
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Absageschreiben

Absageschreiben als Employer Branding Maßnahme?

Absagen sind niemals schön. Noch weniger, wenn die Worte klingen, als kämen sie aus dem Maul eines Amtsschimmels. Floskeln „Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen…“ oder „…Ihnen abschlägig Bescheid zu geben“ klingen wie aus der höfischen Etikette des 16. Jahrhunderts als nach moderner Neuzeit.

Dennoch bedienen sich österreichische Unternehmen vorwiegend aus der Mottenkiste der Phrasen, weiß Sabine Hödl von wortwelt.at. Sie hat die Absageschreiben von hundert österreichischen Unternehmen untersucht und sagt: „Sprachlich sind die meisten in den 90er Jahren stecken geblieben.“

Die meisten Floskeln, die verwendet werden, „würde man heute am Telefon oder in der persönlichen Rede überhaupt nicht mehr sagen“, so Hödl. „Man hat wirklich das Gefühl, dass sich Firmen mit Absageschreiben total wenig Mühe geben.“ Dabei wäre es ein Leichtes, auch unangenehme Botschaften sprachlich feinzutunen. „Businesskorrespondenz und Absageschreiben dürfen ruhig alltagssprachlich sein“, sagt Hödl. „Man kann das so schreiben, wie man es am Telefon auch sagen würde.“

Employer Branding mit Absageschreiben

Sabine Hödl zum Thema Absageschreiben

Sabine Hödl von wortwelt.at zum Thema Absageschreiben

Zudem lassen sich Absageschreiben ganz hervorragend als Employer Branding Maßnahme einsetzen. Hödl: „Jeder Kontaktpunkt zu einem potentiellen Bewerber und Mitarbeiter ist ein Punkt, wo ich Emotionen schaffen kann. Gerade das Thema Absageschreiben beschäftigt jeden, da hat jeder Geschichten zu erzählen. Das wirkt sich ja auch auf die zukünftigen Bewerber aus, Stichwort Mundpropanganda.“ Schließlich, so Hödl, sei jeder Bewerber potentiell auch Kunde, Aktionär oder Mitarbeiter des Mitbewerbs.

„Man sieht sich im Leben immer zwei Mal, heißt es. Die Bewerber verschwinden ja nicht irgendwo. Die können in Zukunft vielleicht wichtige Kontakte für das Unternehmen sein.“ Mit einfachen Mitteln ließen sich Unternehmens- und Arbeitgebermarke nachhaltig positiv im Gedächtnis der abgelehnten Bewerber verankern, so die Expertin.

„Die meisten Unternehmen haben Markenwerte. Da könnte man sich mal überlegen, wie man die in das Wording der Absageschreiben reinbringt. Gerade, wenn man eine große Werbekampagne laufen hat, muss man das Rad ja nicht völlig neu erfinden: Man kann sich einfach an den Werbeslogans orientieren.“

Absagen in Abstufungen

Ein Problem, warum der Stil und die Wortwahl in HR-Abteilungen noch immer verstaubt bis antiquiert wirken, ist für Hödl der Fakt, dass Marketing, Werbung und Personalabteilung in den seltensten Fällen zusammenarbeiten würden. „Wenn man sich gemeinsam einen Tag in einen Workshop hinsetzt, und sechs bis sieben wichtigste Recruitingschreiben gemeinsam wordet, kann da was Cooles dabei rauskommen, das auch kohärent wirkt.“ Mit Recruiting-Texten, die die Marke wiederspiegeln, könne man zudem einen höheren Wiedererkennungewert am Arbeitnehmermarkt schaffen.

Grundsätzlich müsse man bei Absagen differenzieren: „Absagen gibt es in Abstufungen. Bei Initiativbewerbung reicht ein standardisiertes E-Mail vollkommen aus. Das muss zwar auch nicht mit 08/15-Floskeln gespickt sein, aber da erwarten sich die Bewerber nichts Spezielles. Wenn ich aber schon einmal bei einem oder mehreren persönlichen Gesprächen war, erwarte ich mir eine persönliche Absage. Das muss organisatorisch machbar sein.“

Die Verbliebenen der allerletzten Runde anzurufen ist für Hödl eine Frage des menschlichen Miteinanders. „Wenn sich jemand im Rahmen eines Assessment-Centers Zeit nimmt und persönlich sehr viel von sich preisgibt, gehört es sich einfach, dass man anruft, sich für seine Zeit bedankt und ein kurzes Feedback gibt.“

Mit Evidenzen arbeiten

Eine Möglichkeit, mit den abgelehnten Kandidaten weiterhin in Verbindung zu bleiben, ist die die berühmte Evidenz. „Gerade da  verabsäumen HR-Leute aber noch relativ viel. Es wird nicht sehr nachhaltig gearbeitet“, sagt Hödl. Schlagworte wie war for talents und Fachkräftemangel lassen aber immer mehr Personaler umdenken. Ein Unternehmen, das es mit der Evidenz ernst nimmt, ist der deutsche Konzern Continental AG.

„Aufgrund der besonderen Verantwortung gegenüber unseren derzeitigen Beschäftigten haben wir uns dazu entschlossen, die Stelle intern zu besetzen. Ihre Bewerbung ist dennoch unverändert für uns interessant, zurzeit prüfen wir weitere Einsatzmöglichkeiten für Sie“, schreibt der Autozulieferer an Bewerber, die er nicht einstellen kann.  Mit dieser Formulierung gewann das Unternehmen 2009 den Kienbaum Communications Award für „Die besten Absageschreiben an Bewerber“.

Eine einfache Notlösung ist die Evidenz aber nicht, warnt Hödl. „Wenn man das Wort Evidenz in ein Absageschreiben reinschreibt, muss man das auch ehrlich meinen.“ Zu schnell wecke man mit einer Evidenz falsche Hoffnungen, die Stelle doch noch zu bekommen. „Ich habe das Gefühl, dass die wenigsten Firmen wirklich mit den Evidenzen arbeiten. Wenn das so ist, würde ich es auch in ein Absageschreiben nicht reinschreiben, weil es nicht ehrlich ist.“

INFO: http://www.wortwelt.at/



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